Bringen ihren Haltern derzeit (zu) wenig Geld ein: Milchkühe, hier in einem Stall im sächsischen Wittichenau.  - © dpa
Bringen ihren Haltern derzeit (zu) wenig Geld ein: Milchkühe, hier in einem Stall im sächsischen Wittichenau.  | © dpa

Wirtschaft Westfälisch-Lippische Landwirtschaft hofft auf Asien

Die Einkommen sind im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2014/2015 massiv eingebrochen

Jobst Lüdeking

Münster. Die Zahlen der westfälischen Landwirte sind derzeit miserabel. Der Gewinn je Haupterwerbsbetrieb sei im Wirtschaftsjahr 2014/15 um 38 Prozent auf 42.000 Euro eingebrochen, sagt Wilhelm Brüggemeier, der Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). Das werde den Strukturwandel massiv beschleunigen. "Meist geben drei Prozent der Höfe pro Jahr auf. Ich halt es für wahrscheinlich, dass die Zahl nun auf fünf Prozent steigt. Und wenn das Preistal lang wird, werden wir diesen Wert auch überschreiten", so der Landwirt aus Enger. Beim Jahresgespräch des Verbandes in Münster vertrat er den erkrankten WLV-Präsidenten Johannes Röring. Ausgelöst worden war die Krise unter anderem durch den Ukrainekonflikt. Die Landwirte sehen nun die Chance, mittelfristig - als Ersatz für den wegen des EU-Embargos weggefallenen russischen Markt - asiatische Staaten als Kunden zu gewinnen, erklärt Brüggemeier. Neben China und Japan sind Staaten wie Vietnam oder Südkorea Länder, in denen traditionell Schweine und Geflügel konsumiert wird. Problem: Jedes einzelne Bundesland ist zuständig Ein Problem bei der Erschließung dieser Märkte sei dabei die föderale Struktur der heimischen Lebensmittel- und veterinärmedizinischen Überwachung, so der WLV-Vize. Während die Niederlande oder Dänemark, die dort längst aktiv sind, nur eine für den Export zuständige Behörde besitzen, ist in Deutschland jedes einzelne Bundesland zuständig - das führe aus Sicht der internationalen Kunden zu Irritationen und Problemen. Doch wie kommt es überhaupt zur aktuellen Überversorgung mit Schweinefleisch? "Mit dem russischen Embargo", erklärt Brüggemeier, "hat kein Sauenhalter gerechnet." Sauenhalter liefern die Ferkel für die Mastbetriebe und haben bei ihren Planungen teils einen zeitlichen Vorlauf von rund eineinhalb Jahren. Die heutigen spezialisierten Sauenhalter könnten nicht mehr so schnell auf Marktänderungen reagieren wie dies früher die deutlich kleineren Betriebe gemacht hätten. Insgesamt verbuchten die Schweinehalter im Jahr 2014/2015 (das Wirtschaftsjahr endet am 30. Juni) ein Minus von 35 Prozent, die Milchviehbetriebe sogar von 50 Prozent. Nur die Ackerbaubetriebe mussten lediglich 20 Prozent abgeben. Die einzige Gruppe, die ein Plus verbuchen konnte, sind ökologisch wirtschaftende Höfe. Sie konnten eine Einkommenssteigerung um 11 Prozent auf durchschnittlich 74.000 Euro einfahren - wie bei den konventionellen Betrieben stammen auch hier rund 60 Prozent der Einkommen aus den so genannten Ausgleichszahlungen der EU.

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