Kongress OWL Maschinenbau in der Stadthalle Bielefeld,von links: Dr. Benjamin Jurke (DMG Mori), Holger U. Nord (OWL Maschinenbau), Imke Rademacher, Dr. Eberhard Niggemann (Weidmüller) und Brigitte Meier (Wege). - © Christian Weische
Kongress OWL Maschinenbau in der Stadthalle Bielefeld,von links: Dr. Benjamin Jurke (DMG Mori), Holger U. Nord (OWL Maschinenbau), Imke Rademacher, Dr. Eberhard Niggemann (Weidmüller) und Brigitte Meier (Wege). | © Christian Weische

Bielefeld Benjamin Jurke: „Daten sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts“

OWL Maschinenbau: Fachkongress über den rasanten Wandel durch die Digitalisierung

Andrea Frühauf

Bielefeld. Die deutsche Industrie muss sich sputen, um sich gegen starke Konkurrenz großer IT-Konzerne in den USA zu behaupten, warnt Benjamin Jurke, Leiter Vorausentwicklung bei DMG Mori Electronics. Zwar arbeiteten deutsche Unternehmen an der Vernetzung von Maschinen über das Internet, um sie per Informationstechnologie (IT) zu steuern („Industrie 4.0“). Die schnelle Vernetzung der Maschinen sei aber nicht das Problem. „Die tatsächliche Baustelle ist es, die Intelligenz in die Vernetzung zu bringen, um die Daten sinnvoll zu interpretieren“, betonte Jurke bei seinem Vortrag „Big Machines, Big Data, Big Challenges“. Doch dieses Thema werde hierzulande nur stiefmütterlich behandelt. Rund 150 Teilnehmer informierten sich beim Fachkongress des Netzwerks OWL Maschinenbau in Bielefeld über neue Lösungen. Jurke warnt: „Das ist ein Kampf wie David gegen Goliath.“ In den USA hätten sich große IT-Konzerne zum Industrial Internet Consortium (IIC) zusammengeschlossen. Deutschland habe seine Vorreiterrolle bei Industrie 4.0 verloren. Das wertvollste Unternehmen ist Apple und nicht mehr der Rohstoffriese Exxon Mobil. Auf Platz drei folgt Google. „Der Wert eines Netzwerks steigt quadratisch mit der Zahl der Teilnehmer“, sagte der Experte des Bielefelder Maschinenbauers als Begründung. „Daten sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts.“ Deutsche Ingenieurskunst allein reiche für intelligente Maschinen nicht mehr aus. IT. IT-Giganten in den USA hätten eine große Kriegskasse, um schnell ein Institut für die Entwicklung zu gründen.Der Computer kann Aktenordner schneller durchforsten als der Mensch „Die Entwicklung der Computer hat in den vergangenen Jahrzehnten einen gigantischen Fortschritt gemacht“, so Jurke. Er verwies dabei nicht nur auf riesige Speicherkapazitäten. „Ein Computersystem ist heute in der Lage, einen Text logisch, sinnhaft und im Kontext zu verstehen.“ So besiegte der IBM-Supercomputer Watson bereits 2011 in der TV-Quizshow Jeopardy zwei menschliche Gegner, die zuvor Rekordsummen gewonnen hatten. Computer könnten mit ihrer Software bereits komplexe Problematiken lösen – und beispielsweise Röntgenbilder aufgrund der Masse an zur Verfügung stehenden Bilder wesentlich präziser analysieren als der Mensch. Die rasante Entwicklung wird nach Ansicht von Experten zu massiven Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt führen. In den USA wird laut Jurke bereits in Kanzleien Personal überflüssig, weil Anwälte „viel länger brauchen“ als der Computer, um meterlange Regale mit Aktenordnern zu durchforsten. Laut einer Studie der Universität Oxford könnten bis 2030 rund 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den USA der Automatisierung zum Opfer fallen. ?¦ Meinungsbörse

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