OWL Kommunen in OWL fehlen Hausärzte

Sorgen in 34 Städten und Gemeinden

Kommunen fehlen Hausärzte - © OWL
Kommunen fehlen Hausärzte | © OWL

Bielefeld. Es ist amtlich: In 22 Gemeinden in OWL ist die Versorgung durch einen Hausarzt akut gefährdet. Ärztinnen und Ärzte, die dort eine Praxis eröffnen möchten, bekommen vom Land trotz Haushaltssperre auch künftig eine Prämie von 50.000 Euro.

In zwölf weiteren Gemeinden, in denen auf mittlere Sicht ein Hausärztemangel droht, winken 25.000 Euro Niederlassungsprämie.

"Damit kriegen wir das Problem aber nicht gelöst", sagt der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Landtag, Günter Garbrecht (SPD). Er wirft der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) vor, dass sie der "Manie der Einzelpraxis nachhechelt", und verweist auf die jüngsten Vorschläge des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen.

Es gibt Reformbedarf

Das Gremium mit den beiden Bielefelder Gesundheitswissenschaftlern Wolfgang Greiner und Doris Schaeffer hat ein Gutachten vorgelegt, das sich unter anderem mit "zunehmenden Fehlverteilungen der Kapazitäten" zwischen Stadt und Land sowie zwischen Haus-ärzten und Fachärzten befasst. Fazit: Es gibt Reformbedarf.

Mit dieser Aktion setzen sich Mediziner für eine Unterstützung der Hausärzte ein. - © FOTO: DPA
Mit dieser Aktion setzen sich Mediziner für eine Unterstützung der Hausärzte ein. | © FOTO: DPA

Denn, so der Vorsitzende des Rates, Ferdinand M. Gerlach von der Uniklinik Frankfurt, "die bisher getroffenen Maßnahmen konnten die Konzen-tration in urbanen und eine Ausdünnung in ländlichen Regionen nicht aufhalten". Dazu kommt, dass sich immer weniger Ärzte als Hausärzte spezialisieren.

Nur noch zehn Prozent aller Facharztabschlüsse erfolgen im Bereich innere und Allgemeinmedizin. Gebraucht werden aber mindestens doppelt so viele Hausärzte.

Rat setzt auf lokale Versorgungszentren

Um hier Abhilfe zu schaffen, greift der Rat zu einem bewährten Mittel, nämlich finanziellen Anreizen, und empfiehlt einen "Landarztzuschlag" von 50 Prozent auf alle Grundleistungen für Ärzte in unterversorgten Gebieten. Außerdem setzt der Rat auf eine Zentralisierung gesundheitlicher Versorgungsangebote in "lokale Gesundheitszentren".

Die Gesundheitsweisen stellen sogar die Systemfrage: "In besonders von Unterversorgung bedrohten Regionen ist unter bestimmten Bedingungen der Übergang des Sicherstellungsauftrages der KVWL für die ambulante Versorgung auf das Land vorstellbar."

Kritisch sieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) den Rat der Gesundheitsweisen, frei werdende Arztsitze aufzukaufen. "Das", so KBV-Vorstand Regina Feldmann, "wird der Versorgungsrealität nicht gerecht."

Vielmehr solle "nach Ideen und Lösungen gesucht werden, um die Niederlassung auf dem Land für den Medizinernachwuchs interessant zu machen". Auch dafür machen die Sachverständigen Vorschläge, die im Zusammenhang mit einer Medizinerausbildung in OWL aufhorchen lassen: "Für medizinische Fakultäten, die, etwa durch freiwillige Landarzt-Tracks, nachhaltig die Ausbildung im Fach Allgemeinmedizin fördern, könnten im Rahmen der Hochschulfinanzierung finanzielle Anreize geschaffen werden."

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