Friedhelm Rieke führt die Stadtwerke Bielefeld mit.
Friedhelm Rieke führt die Stadtwerke Bielefeld mit.

Bau neuer Kraftwerke schlecht geregelt

Unternehmer fürchten Blackouts wegen Energiewende

Von Anneke Quasdorf

Bielefeld. Das große Schreck-gespenst sind die Blackouts: totale Stromausfälle als Resultat einer kurzsichtig oder falsch geplanten Energiewende. Für OWLs Unternehmer bedeuten sie mehr als fernsehlose Abende im Dunkeln. Sie befürchten defekte Maschinen, unterbrochene Logistik, finanzielle Verluste oder sogar den Ruin. Entsprechend lebhaft diskutierten einige Unternehmer jetzt mit Stadtwerke-Geschäftsführer Friedhelm Rieke und Dietmar Lindenberger, Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln, über Herausforderungen durch die Energiewende.

Beschwichtigen konnten weder Rieke noch Lindenberger diese Ängste vor Stromengpässen. "Das sind Probleme, die sind fünf, sechs Jahre weit weg", so Rieke. "Fakt ist aber, dass die Versorgungssicherheit eine wesentliche Baustelle der Energiewende ist." Und Lindenberger ergänzte: "Strom aus Sonne und Wind ersetzt Brennstoffe, aber keine Kraftwerke."

Schnell stellte sich als Hauptkritikpunkt eine immer noch unklare Energiepolitik heraus. "Trotz aller Umstellungen muss schließlich sichergestellt werden, dass Strom nachhaltig erzeugt wird, verfügbar ist und bezahlbar bleibt", so Rieke. Um das zu gewährleisten, könne auf konventionelle Technologie noch nicht verzichtet werden.

Für Geraune im Raum sorgte eine klare Ansage von Lindenberger, der mit der weithin verbreiteten Annahme von der Knappheit konventioneller Brennstoffe aufräumte. "Diese Behauptung trägt nicht. Man muss zwischen Reserven und Verfügbarkeit unterscheiden. Mit dem technischen Fortschritt steigen die Substitutionsmöglichkeiten und damit auch die Reserven."

Problematisch sei aber, dass Bau und Betrieb konventioneller Kraftwerke nicht zufriedenstellend geregelt seien. Welche Auswirkungen das hat, zeigt das Beispiel der Stadtwerke Bielefeld selbst: Wie es nach der Stilllegung des Kernkraftwerks Grohnde und des Gemeinschaftskraftwerks Veltheim wei-tergehe, sei unklar. "Wir würden gern in ein modernes Gas- und Dampfkraftwerk in Krefeld investieren", so Rieke. "Aber wegen der unklaren Lage finden wir keine Investoren. Bau und Betrieb von Kraftwerken müssen sich lohnen."

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