Bielefeld/Rheda-Wiedenbrück Tönnies: Der nächste Prozess steht bevor

Robert hält an Schenkungswiderruf fest

Bielefeld/Rheda-Wiedenbrück. Eine Anwesenheitspflicht gab es nicht, und doch erschienen beide Prozessgegner persönlich zur Urteilsverkündung im Bielefelder Landgericht. Onkel und Neffe saßen sich mit angespannter Miene gegenüber, als der Vorsitzende Richter Wolfgang Reinke das Doppelstimmrecht und damit die dominante Stellung von Clemens Tönnies kippte und den Sieg für den Kläger Robert Tönnies verkündete. Es galt zuvor als unsicher, ob Clemens Tönnies (58) selbst im Gericht erscheinen würde. Nicht zuletzt die Nierenoperation, der er sich im April in der Freiburger Uniklinik unterziehen musste, ließ vermuten, dass er sich die Belastung ersparen würde. Und dann war er doch der Erste, der in Bielefeld vor dem Gerichtsgebäude stand. "Ich bin natürlich gespannt auf das Urteil", sagte er. Begleitet wurde er von seiner 16-jährigen Tochter Julia und seinem Rechtsanwalt Matthias Blaum. Robert Tönnies (36) kam ebenfalls in Begleitung, an seiner Seite waren seine Frau Sarah, Rechtsanwalt Mark Binz und sein Sprecher Thomas Pfaff. Die Urteilsverkündung dauerte dann kaum zehn Minuten. Zwar hätten damals, am 24. Dezember 2002, sowohl Clemens Tönnies als auch Josef Schnusenberg, der Testamentsvollstrecker des 1994 verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies, den Willen gehabt, dem Beklagten ein Sonderstimmrecht einzuräumen. Es sei aber nicht bewiesen, dass auch der Kläger Robert Tönnies und sein Bruder dies so gewollt hätten, erklärte Richter Reinke. Den Zeugen zufolge sei die Regelung der Leitungsfunktion weder vor noch während der Beurkundung des Doppelstimmrechts tatsächlich mit dem Kläger besprochen worden. Clemens Tönnies, der schon zuvor sehr ernst wirkte, verließ danach zügig das Gericht, während sein Anwalt den Gang in die Berufung ankündigte. Robert Tönnies und sein Stuttgarter Rechtsanwalt Mark Binz freuten sich, taten aber so, als ob sie kein anderes Urteil erwartet hätten. Verhandlungen über einen außergerichtlichen Vergleich seien bisher kein Thema, sagte Robert Tönnies. Im Gegenteil, noch im Herbst erwartet Anwalt Binz den Prozessauftakt in einem zweiten Rechtsstreit, in dem Robert von seinem Onkel den 5-prozentigen Anteil zurückverlangt, den er ihm 2008 geschenkt hatte. Den Schenkungswiderruf begründet Robert Tönnies mit "grobem Undank" seines Onkels. Dafür seien in der Klageschrift 30 Gründe aufgeführt. Bisher verfügen die beiden Kontrahenten über je 50 Prozent der Firmenanteile. Verliert Clemens Tönnies auch diesen Prozess, wird er zum Minderheitsgesellschafter und verliert die Macht im Konzern. Spekuliert wird nun, ob seine Ankündigung, 2015 eine dreimonatige Wohnmobilreise durch Afrika zu unternehmen, Zeichen eines Sinneswandels bei dem Vollblutunternehmer ist.

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