Netzpolitologin Leena Simon: "Die Angst ist gerechtfertigt"

Ein NW-Interview über sinkende Nutzerzahlen bei WhatsApp

Netzpolitologin Leena Simon: "Die Angst ist gerechtfertigt" - © Wirtschaft
Netzpolitologin Leena Simon: "Die Angst ist gerechtfertigt" | © Wirtschaft

Bielefeld. Fast ein Drittel der deutschen WhatsApp-Nutzer denkt nach der Übernahme durch Facebook über einen Wechsel nach. Das hat eine Umfrage der Marktforschungsinstitute Advise und Respondi ergeben. Gründe sind auch die Unsicherheit, ob Facebook Zugriff auf persönliche Handydaten bekommen könnte. Julia Mausch hat bei Leena Simon vom Bielefelder Datenschutzverein Digitalcourage nachgefragt.

Frau Simon, nutzen Sie WhatsApp oder noch SMS?
Leena Simon:
Nein. Ich habe eine SMS-Flat, die hat mir bisher gereicht. WhatsApp hat gegenüber SMS den Vorteil, dass ich Bilder verschicken und Gruppen anlegen kann. Einige Freunde sind Eltern geworden. Da musste ich schon darauf achten, dass ich Nachrichten erhalte, obwohl ich nicht bei WhatsApp bin.

Umfrage

Ergebnisse

Also spielte der Verkauf für Sie keine Rolle?
Simon:
Der war für mich nicht von Nachteil. Immerhin nutzen jetzt mehr Leute Kontalk, die Software, die ich verwende. Außerdem haben auch andere Messenger wie Telegram, Threema, TextSecure und Surespot regen Zulauf bekommen, die Menschen wollen also weg von WhatsApp und besonders von Facebook.

Warum haben Nutzer Angst, dass ihre Daten an Facebook verkauft werden?
Simon:
Angst ist ein diffuses Gefühl und kann nur entstehen, wenn man über die Konsequenzen im Unklaren gelassen wird. Das ist bei der Datensammelwut von großen Datenkraken der Fall. Von daher ist Angst gerechtfertigt. Durch kleine Details kann man wesentlich mehr über uns erfahren, als uns bewusst ist.

- © SYMBOLFOTO: DPA
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30 Prozent der deutschen Nutzer geben an, einen Anbieterwechsel zu erwägen. Was müssen sie dabei beachten?
Simon:
Es gibt ein paar Kriterien: Quelloffene Software, bei der andere, fachkundige Menschen überprüfen können, was diese Software macht, ist grundsätzlich besser. Dazu zählen Telegram und Kontalk oder Surespot. Die Software sollte Ende zu Ende verschlüsseln können, wie etwa die oben genannten oder Threema. Da es jedoch dringend notwendig ist, unsere Daten dezentraler zu verteilen, ist es empfehlenswert, den Anbieter zu wechseln. Langfristig ist das keine Lösung, so lange sich alle Freunde auf derselben Plattform aufhalten müssen.

Expertin: Netzpolitologin Leena Simon. Foto: Alexander Altmann
Expertin: Netzpolitologin Leena Simon. Foto: Alexander Altmann

Wie kann ein Laie unterscheiden, ob ein Anbieter gut ist?
Simon: Ein guter erster Hinweis ist die Frage, ob der Anbieter für seinen Dienst Geld verlangt. Machen Sie sich bewusst, dass Server und Softwareerstellung Kosten produzieren, die die Anbieter auf anderem Weg wieder hereinholen müssen. Stellen Sie sich die Frage, wie das in diesem Fall geschieht und ob Sie das Produkt sind, das verkauft wird. Whats-App hat zunächst einen kostenfreien Dienst angeboten, ist jedoch jetzt auch kostenpflichtig. Das ist also noch kein hinreichendes Indiz, doch eine Orientierungshilfe. Weitere Hinweise finden Sie in den Datenschutzbestimmungen und AGB.

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