Lecker: Bernhard Kampmann präsentiert einen der kulinarischen Klassiker des Schlichte Hofs - die gegarte Kalbsbrust ist der Renner bei den Stammkunden des Sternekochs. Fotos: Tobias Schreiner - © Tobias Schreiner
Lecker: Bernhard Kampmann präsentiert einen der kulinarischen Klassiker des Schlichte Hofs - die gegarte Kalbsbrust ist der Renner bei den Stammkunden des Sternekochs. Fotos: Tobias Schreiner | © Tobias Schreiner

Westfälisch Genießen Mit Leib und Seele für die Küche

Westfälisch Genießen (11): Schlichte Hof

Tobias Schreiner
Historisch: Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus des Schlichte Hofs ist mehr als 500 Jahre alt. - © Tobias Schreiner
Historisch: Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus des Schlichte Hofs ist mehr als 500 Jahre alt. | © Tobias Schreiner

Bielefeld. Sternekoch Bernhard Kampmann lebt für die Küche. Das merken nicht nur seine Gäste im Bielefelder Restaurant Schlichte Hof, sondern auch Freunde und Familie. Denn der 50-Jährige greift auch nach Feierabend noch gern zum Kochlöffel. Wahrscheinlich deshalb war sein Schlichte Hof auch das erste Restaurant, das der Verein "Westfälisch Genießen" 1996 mit dem Gütesiegel ausgezeichnet hat.

Warum er überhaupt Mitglied geworden ist? "Weil der Verein eine gute Möglichkeit ist, westfälische Küche bekannter zu machen. Die ist nämlich mehr als nur Kartoffeln." Fernsehkoch Alfons Schuhbeck habe das bereits mit der Bayerischen Küche geschafft. Um den seiner Meinung nach noch ausbaufähigen Ruf des westfälischen Genusses in die Welt hinauszutragen, hat Kampmann selbst einige Male im Fernsehen gekocht - mehrmals zusammen mit Alfons Schuhbeck.

Ganz ohne Kartoffeln kommt eine der Spezialitäten des Schlichte Hofs aus: Gegarte Kalbsbrust mit Petersilienwurzelpüree und Schnippelbohnen. "Neben der Ente eins der Lieblingsgerichte unserer Gäste", sagt der Küchenchef. Noch lieber als die Kalbsbrust isst Kampmann persönlich nur "Himmel und Erde". Typisch westfälisches Möppkenbrot mit Speckstreifen. Auch das bietet er im Schlichte Hof an.

50 Jahre ist Bernhard Kampmann alt - das Kochen hat ihn schon seit dem achten Lebensjahr fasziniert. "Damals habe ich mit meiner Mutter Heringssalat gemacht. Das Einfärben der Soße mit der Roten Beete hat mich begeistert. Diese Kreativität, Essen auf so viele verschiedene Arten gestalten zu können, fesselt mich noch immer." Schnell stellte sich heraus, dass es für Bernhard Kampmann nur einen Berufswunsch geben kann - denn auch seine Freunde bekochte er regelmäßig und sorgte für staunende Gesichter.

Heute bildet er selbst Nachwuchsköche aus, sitzt im Ausschuss für Kochazubis und Küchenmeister. Vier Auszubildende lernen aktuell ihr Handwerk im Schlichte Hof. Sie komplettieren Kampmanns neunköpfiges Küchenteam. Neben dem Chef persönlich arbeiten noch zwei weitere Sterneköche im Schlichte Hof. "Wir kochen bevorzugt saisonal mit Zutaten aus der Region" - darauf besteht Kampmann.

So viel kulinarische Qualität lockt prominente Gäste an. Altkanzler Gerd Schröder und Ex-Bundespräsident Johannes Rau speisten wie viele Politiker aus der Region bereits in dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus aus dem Jahre 1492. Auch Sportstars wie die Rennpiloten Mika Häkkinen und David Coulthard oder Boxer Henry Maske hatte Kampmann bereits an seinem Tisch sitzen. Doch so viel Prominenz solle den normalen Gast nicht abschrecken, sagt er: "Ein großer Schwerpunkt unseres Angebots ist nach wie vor die Familienfeier." Vom gemütlichen Abendessen im kleinen Kreise bis zur Großveranstaltung mit bis zu 120 Personen - das Team vom Schlichte Hof stelle sich auf jeden Wunsch ein.

Ein kleines Schwätzchen auf der eigenen Terrasse oder das lange Gespräch mit den Stammkunden - der persönliche Kontakt zu seinen Gästen sei ihm wichtig, betont Kampmann. "Ich habe erst vor kurzem für die selbe junge Frau ihre Hochzeitsfeier organisiert, für die ich damals schon bei ihrer Einschulung gekocht habe. So etwas berührt einen schon." Das direkte Feedback seiner Gäste sei ihm wichtig. Zuletzt habe ein junges Brautpaar ihm ein besonderes Lob ausgesprochen. "Sie sagten, dass wir ihre kühnsten Erwartungen übertroffen hätten." Diese Wertschätzung sei die Entschädigung für all die Stunden, die der Küchenchef Abends und am Wochenende arbeite.

Information

Rezept: Petersilienwurzelpüree

Als Zutaten für 4 Personen werden benötigt: 800 bis 900g Petersilienwurzel, 1/2 TL ganzer Kümmel, 200 ml Milch, 1/4 Vanilleschote, je 20 g Butter und braune Butter, mildes Chilipulver, frisch geriebene Muskatnuss, Salz, Pfeffer.

Zubereitung: Die Petersilienwurzel mit der Schale gründlich waschen und in Salzwasser mit dem Kümmel 20 bis 25 Minuten weichgaren. Danach abgießen, ausdampfen lassen, möglichst heiß pellen und durch die Kartoffelpresse drücken. 100 Milliliter Milch erhitzen und mit einem Kochlöffel unterrühren. Die restliche Milch mit der Vanilleschote in einem Topf erhitzen und mit geschlossenem Deckel etwa 20 Minuten auf dem Herd weichschmoren. Die Petersilienwurzel mit der Kochflüssigkeit in einem Blitzhacker pürieren. Anschließend die Butter und die braune Butter unter das fertige Petersilienwurzelpüree mischen und mit Salz und Pfeffer sowie je einer Prise Chilipulver und Muskatnuss je nach eigenem Geschmack verfeinern.
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