Zentral in Harsewinkel: Der Gasthof Wilhalm in der Dr.-Pieke-Straße. - © Tobias Schreiner
Zentral in Harsewinkel: Der Gasthof Wilhalm in der Dr.-Pieke-Straße. | © Tobias Schreiner

Westfälisch genießen Im Gasthof Wilhalm in Harsewinkel gibt es einen Handschlag für jeden Gast

Die dritte Folge der Serie "Westfälisch Genießen"

Kristine Greßhöner

Harsewinkel. Genuss und Gastfreundschaft. Bei Hedemarie und Achim Koriath gehen sie wortwörtlich Hand in Hand. Sie sagen: "Wir begrüßen wirklich jeden Gast mit Handschlag." In der Mähdrescherstadt im Kreis Gütersloh betreiben sie seit den 70er Jahren ihren Gasthof. Der Gastraum ist urig. Weiße Tischdecken, dunkle Hölzer und Polster in dunklem Rot verströmen Behaglichkeit. Neben der Theke hängen zwei Schwarzweißfotos der früheren Inhaber, Porträts der Eltern von Hedemarie Koriath, deren Mutter eine geborene Wilhalm war. "Wir machen das mit Leib und Seele", sagt Achim Koriath. Dazu gehöre auch, das Besteck mit weißen Handschuhen zu richten - egal ob nun Heribert Bruchhagen, der im Ort wohnende Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, am Tisch säße, oder die Eltern des Fernsehmoderators Oliver Welke oder ein völlig Unbekannter.Hungrige Radfahrer Seit mehr als 200 Jahren existiert das Gasthaus in Harsewinkels Ortskern. Heute präsentiert Küchenchef Pierre Diening eine kleine Karte mit bodenständigen Hauptgerichten. Schweineschnitzel mit Schmorzwiebeln, Kalbsleber mit Äpfeln und Tafelspitz sind beliebte Klassiker. Mehrmals im Jahr wird das Angebot verändert, je nach Saison gibt es Wild und Grünkohl. "Und natürlich unsere selbstgemachte Hochzeitssuppe aus Rindfleisch." Erfahrungsgemäß hungrig kehren viele Radfahrer ein. Sie machen hier Station, wenn sie auf dem nahegelegenen Emsradweg unterwegs sind. Zehn Gästezimmer stehen für sie bereit. "Menschenkenntnis bekommt man hier bis unters Dach", sagt Achim Koriath. In den vergangenen Jahren haben er und seine Frau das Angebot erweitert und modernisiert. Den Saal, in dem sonst Platz für etwa 200 Gäste ist, nutzt montags eine Tanzschule. Der Pferdestall dient als Partyraum. Eine Kegelbahn gibt es auch. "Irgendwas bewegt sich immer", sagt Hedemarie Koriath. Persönliche Ansprache, Tradition und Moderne kommen gut an, sagen die Inhaber. Koriaths haben 15 Mitarbeiter. Wie in jeder Traditionsgastwirtschaft gibt es auch bei ihnen eine gute Seele. Im "Wilhalm" ist das Waltraud Mess, die seit mehr als zwölf Jahren im Service arbeitet. Einige Stammgäste wiederum kämen seit 50 Jahren. Unverzichtbar seien die berühmten Frikadellen. Die "bierbegleitende Speise", wie Achim Koriath sie nennt, kostet so viel wie ein kleines Bier, nämlich 1,50 Euro. Das Geheimnis des Rezepts? "Das wird nicht verraten." Filet im Schinkenmantel Zutaten für zwei Personen: 6 Medaillons vom Schweinefilet à 50 g, 6 Scheiben Bacon, 6 Fingermöhren, 3 große Kartoffeln, 100 g Pfifferlinge, 1 Zwiebel, Salz, Pfeffer, Zucker, Öl, Butter, Rotwein. Zubereitung: Die Möhren mit Salz-Zucker-Wasser abkochen und abschrecken. Die geschälten Kartoffeln mit einem Pariser-Ausstecher ausstechen und die Kartoffelkugeln kurz abkochen. Diese – und separat die Möhren – mit Butter glasieren. Die Medaillons in Schinken einrollen, mit Zahnstochern fixieren und von beiden Seiten anbraten. Pfifferlinge putzen und mit gewürfelten Zwiebeln anschwenken, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Fond von Fleisch und Pfifferlingen mit Rotwein ablöschen und einkochen.

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