Das intelligente Auto: Im kommenden Jahr werden die autonomen Modelle auf verschiedenen Teststrecken in Deutschland getestet. - © Foto: Bosch
Das intelligente Auto: Im kommenden Jahr werden die autonomen Modelle auf verschiedenen Teststrecken in Deutschland getestet. | © Foto: Bosch

Bielefeld Ein langer Weg bis zur absoluten Sicherheit

"Mit Sicherheit mehr vom Leben": Bis zum Jahr 2050 soll die Zahl der Verkehrstoten in Europa gegen Null gehen. So lautet das Ziel der EU-Staaten. Nachdem die ersten Zwischenziele erreicht wurden, stagniert der Fortschritt. Experten setzen auf das autonome Fahren

Lothar Hausfeld

Bielefeld. Jahrelang sorgte die steigende Verwendung von passiven Sicherheitssystemen in Pkw dafür, dass die Unfallzahlen zurückgingen. In den vergangenen Jahren stiegen die Zahlen aber wieder.

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2016 gab es einen Höchststand mit 2,6 Millionen polizeilich registrierten Unfällen. Dabei war mit 3.206 die Zahl der tödlich Verunglückten so niedrig wie nie zuvor. Dass neue Assistenzsysteme und Sicherheitspakete wieder für sinkende Unfallzahlen sorgen, darin sind sich Experten einig - Autofahrer stehen dem allerdings skeptisch gegenüber.

In einer Bertelsmann-Umfrage zeigten sich zwei von drei Befragten besorgt, was selbstfahrende Autos betrifft. Vor allem die Angst vor Unfällen (84 Prozent), der Kontrollverlust über das eigene Auto (83 Prozent) und die Gefahr von Hacker-Angriffen (74 Prozent) beschäftigen die Befragten. Und das, obwohl vor allem Unfälle und Kontrollverluste durch menschliche Faktoren wie Müdigkeit, langsame Reaktionszeit oder die Ablenkung durch autonome Fahrzeuge ausgeschlossen werden sollen.

Kommentar der Redaktion

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In einer Umfrage des TÜV Rheinland dagegen erklärten drei Viertel der Teilnehmer, dass sie sich vorstellen können, autonome Fahrzeuge zu nutzen. Auffällig ist: Vor allem Fahrer moderner und teurer Autos stehen der autonomen Technik offen gegenüber. Wer ein älteres Auto fährt, hat also offensichtlich mehr Angst vor dem unbekannten Neuen. Vergleichbar ist die Angst vor dem autonomen Fahren mit der Angst deutscher Autofahrer vor dem Sicherheitsgurt in den 60er- und 70er-Jahren. Viele hatten seinerzeit Angst davor, ein Stückchen Freiheit zu verlieren, wenn sie den Gurt anlegen müssen.

Der Siegeszug der autonomen Fahrzeuge dürfte nicht mehr aufzuhalten sein. In Teilen ist das bereits heute möglich: Modelle von Mercedes- Benz können bereits automatisch die Spur wechseln und andere Verkehrsteilnehmer überholen. Zahlreiche Hersteller bieten einen adaptiven Abstandshalter an. Für die Luxuslimousine A 8 hat Audi einen Verkehrs-Stau-Assistenten entwickelt, der bis Tempo 60 alle Funktionen selbstständig übernehmen kann, auf den richtigen Abstand achtet, lenkt, bremst, wieder anfährt und Platz für die Rettungsgasse hält. Der Fahrer kann in diesen Situationen die Zeitung lesen oder die Emails checken.

Auch wenn die Technik bereits serienreif ist, fehlen rechtliche Grundlagen. Bisher dürfen automatisierte Eingriffe laut Gesetz nur bis Tempo 10 (etwa zum Einparken) erfolgen. Die EU und 50 weitere Staaten weltweit erarbeiten aber gerade neue Regeln für das autonome und automatisierte Fahren. Dann sollen Eingriffe bis Tempo 130 ermöglicht werden.

Information

Deutsche fahren mit Airbag

98 Prozent aller in Deutschland angemeldeten Fahrzeuge haben mindestens einen Airbag. Das ergab eine Umfrage der Bundesanstalt für Straßenverkehr (BASt) in rund 5.000 Haushalten. Rund drei Viertel (76 Prozent) der Fahrzeuge haben das elektronische Stabilitätsprogramm ESP an Bord. Dabei wird durch Abbremsen einzelner Räder ein Ausbrechen des Wagens verhindert.

Während nahezu alle Hersteller das Thema autonomes Fahren ganz oben auf der Agenda stehen haben, gibt es allerdings auch andere Ansätze, etwa bei Toyota. "Für uns steht die Sicherheit der Menschen im Auto und drumherum im Mittelpunkt", sagt Toyota-Sicherheitsexperte Tjark Kreuzinger. "Indem wir die bestehenden Systeme weiterentwickeln, landen wir irgendwann von alleine bei einem Auto, das dem Fahrer immer mehr seiner Aufgaben abnimmt und menschliche Fehler korrigiert", erklärt Kiyotaka Ise, Chef der Sicherheitsforschung von Toyota. "Wir müssen erkennen, dass es noch zu früh ist, sich immer zu 100 Prozent auf die Techniken verlassen zu können. Niemand kann heute sagen, wann der Zeitpunkt erreicht ist, dass der Mensch die Verantwortung übergeben kann."

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