Täter benötigen für das Aufhebeln von Fenster und Türen nur wenige Sekunden (Symbolbild). - © picture alliance / Arco Images
Täter benötigen für das Aufhebeln von Fenster und Türen nur wenige Sekunden (Symbolbild). | © picture alliance / Arco Images

Einbruch Die Angst vor Wohnungseinbrüchen wächst in der Bevölkerung

Trotz sinkender Einbruchszahlen haben immer mehr Menschen Angst selbst ein Opfer zu werden. Doch gerade Mieter scheuen die Investition in mehr Sicherheit

Patrick Schlütter
Veränderung der Zahl an Wohnungseinbrüchen 2016 gegenüber dem Vorjahr. - © NOW-Medien
Veränderung der Zahl an Wohnungseinbrüchen 2016 gegenüber dem Vorjahr. | © NOW-Medien

Bielefeld. Ein kurzer Gang zum Supermarkt oder ein Besuch beim Nachbarn kann schon ausreichen, um Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden. Die meisten Täter planen ihre Tat nicht lange, sondern warten auf den passenden Moment, um in aller Eile Wertgegenstände und Geld zu entwenden.

Die aktuellste Einbruchstatistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigte sogar erstmals seit zehn Jahren einen Rückgang an Einbrüchen. So wurden 2016 151.265 Einbrüche gemeldet und es entstand ein Versicherungsschaden von 470 Millionen Euro. Das sind rund zehn Prozent weniger Fälle als im Vergleich zum Vorjahr.

Die Aufklärungsquote der Kriminalpolizei liegt allerdings nur bei 16,9 Prozent. Positiv wirken sich aber die Initiativen der Polizeibehörden aus. Dank werbewirksamer Serviceangebote wie „K-Einbruch" konnten mehr Menschen überzeugt werden, in Sicherheitstechnik zu investieren. So scheiterten 2016 bereits 44 Prozent aller Einbrüche beim Versuch – 2007 waren es noch 38 Prozent.

Jeder Dritte hat Angst vor Einbrüchen

„Der Rückgang der Einbrüche ist ein erfreulicher Lichtblick. Allerdings verzeichnen wir immer noch deutlich mehr als vor fünf oder zehn Jahren – von einer Trendwende können wir derzeit also nicht ausgehen", sagt GDV-Präsident Alexander Erdland. Nach einer Forsa-Umfrage fürchten allerdings immer mehr Menschen, Opfer eines Einbruchs zu werden.

Fast 80 Prozent der Befragten meinen, dass dieses Risiko zunehme. Jeder Dritte hat Angst vor Einbrechern, bei den Frauen sind es sogar 41 Prozent. Ebenso zeigten diejenigen, die ein Haus bewohnen (43 Prozent) mehr Angst vor Einbrüchen, als diejenigen, die in einer Wohnung leben (28 Prozent).

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Bei der Einschätzung, selbst Opfer eines Einbruchs zu werden, gibt fast die Hälfte der Befragten an, bei ihnen sei wenig zu holen und es gäbe für Einbrecher interessantere Objekte. „Dieser Verdrängungsmechanismus ist so alt wie gefährlich: Es passiert anderen, aber nicht mir. Ein fataler Fehler, denn jeder kann Opfer eines Einbruchs werden", sagt Erdland.

Und die Umfrage der Versicherer zeigt gleichzeitig, dass die Deutschen noch zu wenig in die Sicherheitstechnik investieren. Nur etwa ein Viertel habe sein Haus mit abschließbaren Fenstergriffen, Sicherungen an Balkon- und Terrassentüren oder etwa einem zweiten Türschloss ausgerüstet.

Der mechanische Einbruchschutz ist nach wie vor die wirkungsvollste Art, den Einbruchversuch zum Scheitern zu bringen", bestätigt Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Vermierter oft nicht bereit in Sicherheitsvorrichtungen zu investieren

Information
Wer sich zum Thema Einbruchschutz professionell beraten lassen möchte, kann sich an die Kriminalprävention der örtlichen Polizei wenden. Für weitere Informationen gibt es auch die Kampagne 
K-Einbruch.
Das sind die 
wichtigsten Adressen:
polizei-beratung.de
k-einbruch.de
vds-home.de
zuhause-sicher.de
kfw.de

Aber gerade Vermieter sind oft nicht bereit, für ihre Mieter in Sicherheitsvorrichtungen zu investieren, anders herum auch die Mieter nicht. 44 Prozent möchten nicht in fremdes Eigentum investieren. Bernd Spilker von der Kriminalprävention rät: „Eine Mehrfachverriegelung für die Haustür ist nicht allzu teuer und kann beim Auszug einfach wieder abmontiert werden. Gleiches gilt für Zusatzschlösser und aufschraubbare Nachrüstsicherungen für Fenster und Terrassentüren."

Die polizeiliche Erfahrung zeige, dass die wenigsten Einbrecher gut ausgerüstete Profis sind. Meist handele es sich um Gelegenheitstäter.

Fakt sei: Sichtbare Sicherungstechnik wirke auf den Täter abschreckend. Denn das bedeute eine längere „Arbeitszeit" und so erhöhe sich das Risiko „erwischt" zu werden. Und wer sein Haus sicherer machen möchte, der kann sogar einen Zuschuss von der Kreditanstalt für Wiederaufbau erhalten.

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