Welche Versicherungen sind wirklich wichtig, welche sind nicht für jeden sinnvoll? nw.de hat mit einem Versicherungsexperten gesprochen. - © Arno Burgi/dpa
Welche Versicherungen sind wirklich wichtig, welche sind nicht für jeden sinnvoll? nw.de hat mit einem Versicherungsexperten gesprochen. | © Arno Burgi/dpa

Themenwoche Sicherheit Checkliste: Diese Versicherungen sind wichtig

Schutz vor den grundlegenden Risiken

Angela Wiese
Philipp Opfermann, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale NRW. - © Verbraucherzentrale NRW
Philipp Opfermann, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale NRW. | © Verbraucherzentrale NRW

Bielefeld. Gegen nahezu alle Risiken können wir uns heutzutage absichern. Doch welche Versicherungen sind wirklich unverzichtbar und welche können sinnvoll sein, sind aber kein Muss?

Vor der Entscheidung für oder gegen eine Versicherung stellen sich laut Philipp Opfermann, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale NRW, vor allem zwei Fragen: Wie hoch ist die Schadenswahrscheinlichkeit? Wie hoch ist die Schadenssumme? Anhand dieser Fragen kann jeder selbst abwägen, welche Versicherung sich für ihn wirklich lohnt. Es gibt aber Versicherungen, die für fast jeden ein Muss sind oder mit Familiengründung zu einem werden.

Must-Haves

Haftpflichtversicherungsschutz

„Ein absolutes Must-have", sagt Philipp Opfermann, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale NRW. Junge Menschen in der Ausbildung oder im Studium sind häufig bei den Eltern mitversichert. Alle anderen müssen sich selbst versichern.

Denn: Verursacht jemand einen Schaden, kann das teuer werden, sogar in die Millionen gehen. Eine kleine Unachtsamkeit beim Überqueren der Straße kann einen folgenschweren Unfall nach sich ziehen. Ein Kind, das mit dem Feuerzeug spielt, kann großen Schaden anrichten.

Die Haftpflichtversicherung sollte einen ausreichenden Schutz gewährleisten. Opfermann rät zu einer Deckungssumme von mindestens 5 Millionen Euro. „Es sollte besser mehr sein. Hier darf man ruhig in die Vollen gehen. Das ist gut investiertes Geld." Es sei außerdem sinnvoll, ältere Policen auf ihre manchmal zu geringen Versicherungssummen hin zu überprüfen. Wichtig: Die Haftpflichtversicherung muss alle Familienmitglieder einschließen.

Arbeitskraftabsicherung

Diese Versicherung ist wichtig, falls wegen einer Krankheit oder nach einem Unfall das Arbeiten nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich ist. Plötzlich fällt das Einkommen weg. Das ist besonders bitter, wenn Kredite bedient werden müssen, beispielsweise für ein Eigenheim.

Der Experte empfiehlt die Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Schadenssumme sollte sich am Nettoeinkommen des Versicherten orientieren. In der Regel endet eine solche Versicherung im Alter automatisch. Läuft der Vertrag bis zum 60. Lebensjahr, obwohl noch einige Jahre Berufstätigkeit geplant sind, lohne sich eine Beratung, sagt Philipp Opfermann.

Risikolebensversicherung

Für Familien ist auch diese Versicherung ein Muss. Im Todesfall können Hinterbliebene schnell in finanzielle Nöte geraten, wenn ein Einkommen wegfällt oder der Familien- und damit auch Arbeitsalltag neu geplant werden muss. Beide Elternteile sollten abgesichert sein.

Bevor die Versicherung abgeschlossen werden kann, ist eine Risikoprüfung fällig, bei der unter anderem der Gesundheitszustand eine Rolle spielt. Der Experte der Verbraucherzentrale rät deshalb dazu, an diese Versicherung zu denken, wenn die Kinderplanung konkret wird. Eine Risikolebensversicherung zu früh und somit auf Halde abzuschließen, sei dagegen nicht nötig.

Wenn es im Alter keine Hinterbliebenen mehr abzusichern gibt, können Versicherte prüfen, ob es sich lohnt, diese Versicherung zu kündigen und die Ersparnisse zu Geld zu machen.

Wohngebäudeversicherung

Hier geht es darum, das Eigenheim abzusichern, zum Beispiel gegen Feuer. „Es ist auch sinnvoll, Elementarschäden abzusichern", rät Versicherungsexperte Opfermann. Diese sind in einer normalen Wohngebäudeversicherung nicht enthalten und können zusätzlich aufgenommen werden. Zu den Elementarschäden gehören unter anderem Überschwemmungen nach Starkregen oder Dachschäden durch Schneemassen.

Kfz-Haftpflicht

Wer mit seinem Auto auf die Straße will, muss diese Versicherung abschließen. Das ist Pflicht. Die Verbraucherzentrale rät zu einer möglichst hohen Deckungssumme, da bei Autounfällen oft hohe Sachschäden entstehen. Wer Schäden an seinem eigenen Auto versichern möchte, kann dies mit einer Teil- oder Vollkaskoversicherung tun. Letztere lohnt sich bei einem Neuwagen.

Sozialversicherung

Neben den oben genannten Versicherungen gibt es gesetzliche Pflichtversicherungen, die einen großen Teil der deutschen Bevölkerung gegen grundlegende Risiken schützt. Zur Sozialversicherung gehören die Krankenversicherung, die Pflegeversicherung, die Unfallversicherung, die Rentenversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Gesetzliche Grundlage ist das Sozialgesetzbuch. Beamte (für sie greifen eigenständige Systeme der sozialen Sicherung) sowie ein Teil der Selbstständigen und geringfügig Beschäftigten werden nicht von der klassischen Sozialversicherung erfasst.

Sinnvoll

Hausratversicherung

Während die Gebäudeversicherung das Haus schützt, geht es hier um die Gegenstände in einem Haushalt. Die Versicherung deckt zum Beispiel Diebstahl- und Feuerschäden ab. Solche Schäden verursachen in der Regel keine existenziellen Sorgen, können aber dennoch hoch ausfallen.

Versicherung gegen Kinderinvalidität

Diese Versicherung ist umfangreicher als eine Unfallversicherung. „Oft ist die Ursache der Invalidität kein Unfall, sondern Krankheit", sagt Philipp Opfermann. Leistungen aus dieser Versicherung gibt es auch, wenn das Kind nach einer Krankheit dauerhaft beeinträchtigt ist oder sogar zum Pflegefall wird.

Rechtsschutzversicherung

Kein Muss, aber sie kann sinnvoll sein. „Vor allem für Autofahrer", sagt Philipp Opfermann. Im Streitfall können mit den Leistungen aus dieser Versicherung die Gerichtskosten finanziert werden. Bei der Verkehrs-Rechtsschutz- Versicherung werden auch die Kosten für den Anwalt, Sachverständige und Gutachten übernommen. Grundsätzlich sollten Interessierte vor dem Abschluss genau prüfen, was die Rechtsschutzversicherung tatsächlich abdeckt.

Auslandsreiseversicherung

Diese Versicherung kann sinnvoll sein für Menschen, die viel ins Ausland verreisen. Fallen zum Beispiel Kosten für den Rücktransport in Heimatland an, übernimmt diese nicht in jedem Fall die Krankenkasse. Für Menschen, die regelmäßig reisen, kann eine Jahresversicherungen sinnvoll sein, die mehrere Reisen im Jahr abdeckt. Die Kosten liegen bei rund 20 Euro im Jahr. Wer dagegen nur einmal ins Ausland reist, für den genügt möglicherweise schon eine Auslandsreiseversicherung für diesen einen Urlaub. Diese Versicherung endet nach dem Urlaub automatisch.

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