Seit 40 Verhandlungstagen stehen Wilfried W. (m.) und seine Ex-Frau Angelika W. als Angeklagte vor dem Landgericht Paderborn. - © Marc Köppelmann
Seit 40 Verhandlungstagen stehen Wilfried W. (m.) und seine Ex-Frau Angelika W. als Angeklagte vor dem Landgericht Paderborn. | © Marc Köppelmann

Paderborn/Höxter Warum ein Ersatzrichter im Fall Bosseborn notwendig ist

Schon zum Prozessauftakt war eine lange Verhandlungsdauer absehbar, entsprechend verfolgten Ersatzleute den Prozess.

Jutta Steinmetz

Paderborn/Höxter. Dass die Aufarbeitung des sogenannten Bosseborn-Falles alles andere als einen kurzen Prozess erfordern würde, war dem Vorsitzenden des Schwurgerichts Richter Bernd Emminghaus am Landgericht Paderborn schon klar, als die Staatsanwaltschaft im September 2016 Anklage erhob. Deshalb saßen seit Verhandlungsbeginn stets zwei weitere Schöffen und ein vierter Berufsrichter an jedem Verhandlungstag etwas abseits, aber nicht minder aufmerksam, mit auf der Richterbank. Als Ersatz, falls Krankheit oder andere Widrigkeiten den um die Wahrheit ringenden Männern und Frauen eine weitere Teilnahme an dem Prozess unmöglich machen würde. Nach dem 39. Prozesstagen hat sich diese Vorsichtsmaßnahme ausgezahlt. Obschon die Berufsrichterin, die seit Oktober 2016 als Berichterstatterin zur Rechten von Bernd Emminghaus sitzt, krankheitsbedingt längere Zeit ausfällt, kann die Verhandlung fortgesetzt werden. Edward Robinson, der als Ersatzrichter jeden Tag verfolgt hat, komplettiert die Schwurgerichtskammer. Strafprozessordnung regelt Richterwechsel Seit Ende der vergangenen Woche stehe fest, dass die Richterin vor Mitte April nicht zurückkehren werde, bilanzierte Emminghaus aus ärztlichen Berichten. Damit sei die Höchstzeit, die der Gesetzgeber als Unterbrechung einer Hauptverhandlung erlaubt, überschritten. Laut Strafprozessordnung darf ein Prozess, der schon mindestens zehn Verhandlungstage umfasste, für maximal sechs Wochen pausieren - wenn der Angeklagte oder, wie in diesem Fall, eine „zur Urteilsfindung berufene Person" wegen Krankheit ausfällt. Wird diese Frist überschritten, muss der Fall nochmals komplett neu verhandelt werden. Das will Bernd Emminghaus angesichts von mittlerweile 40 Verhandlungstagen natürlich verhindern - zumal sich das Gericht schon mit einigen Widrigkeiten auseinandersetzen musste. Gutachterwechsel führte bereits zu Verzögerungen So musste vor Weihnachten der Psychiater Michael Osterheider, der den Angeklagten Wilfried W. begutachtet hatte, von seinen Aufgaben entbunden werden. Die Sachverständige Nahlah Saimeh, die ursprünglich nur mit der Begutachtung von Angelika W. beauftragt war, macht sich seitdem ihre fachlichen Gedanken auch über Wilfried W. Am 27. Februar will das Gericht die Verhandlung fortsetzen. Wann jene Frau als Zeugin gehört wird, die in den 1990er Jahren Wilfried W. geholfen hatte, seine damalige Ehefrau schwer zu misshandeln, ist noch offen.

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