Der Prozess um das Folterpaar von Bosseborn könnte viel länger dauern, als bislang absehbar war. - © Christian Weische
Der Prozess um das Folterpaar von Bosseborn könnte viel länger dauern, als bislang absehbar war. | © Christian Weische

Bielefeld/Höxter Folterpaar von Höxter: Bosseborn-Fall droht Mammutprozess zu werden

Der Verteidiger von Wilfried W. äußert sich zu einem Gutachterwechsel und nennt Bedingungen. Am Ende könnte das Landgericht gezwungen sein, alle Zeugen und Angelika W. erneut zu hören

Jürgen Mahncke

Bielefeld/Höxter. Der Prozess um das Folterpaar von Bosseborn könnte viel länger dauern, als bislang absehbar war. Hintergrund ist der Streit um die Begutachtung des Angeklagten Wilfried W. Dessen Anwalt Detlev Binder hat nun Forderungen formuliert, die dazu führen könnten, dass alle Zeugen und die Mitangeklagte Angelika W. erneut vom Landgericht Paderborn vernommen werden müssten. Anwalt: Mögliche Gutachterin sei auf Angeklagte fokussiert Der erste Gutachter von Wilfried W., Michael Osterheider, hatte sich in Widersprüche verwickelt, war von Binder scharf attackiert worden und hat sich seit einigen Wochen nun krankgemeldet. Osterheider dürfte nicht mehr haltbar sein. Nun plant das Gericht, Nahlah Saimeh, Leiterin der Forensischen Klinik in Lippstadt-Eickelborn, mit dem Gutachten zu beauftragen. Das Problem: Saimeh hat Angelika W. begutachtet. An dieser Stelle setzt Detlev Binder an. Es bestünden, so der Strafverteidiger, prinzipiell keine Bedenken, Nahlah Saimeh zu beauftragen. Sie sei fachlich kompetent und daher bestens geeignet, eine entsprechende Exploration vorzunehmen. Andererseits habe sich Saimeh seit Prozessbeginn komplett auf das Vorstellungs- und Weltbild von Angelika W. fokussiert. Das führe zwingend dazu, dass die Gutachterin die Sichtweise der Angeklagten eingenommen habe. Alle Zeugen noch einmal hören „Es besteht die ganz erhebliche Gefahr, dass aufgrund dieser Vorbefassung die Sichtweise von Wilfried W. nur verkümmert wahrgenommen werden kann", so der Anwalt. Die Beauftragung von Saimeh hätte zur Folge, alle Zeugen und auch Angelika W. erneut zu hören. Peter Wüller bezeichnete die Wahl von Saimeh als sinnvoll. „Zwei Gutachten aus einer Hand zeigen am besten das wechselseitige Aufeinandereinwirken der beiden Angeklagten", so der Strafverteidiger von Angelika W. Dann würde auch die Rolle von Angelika W. als willfähriges Werkzeug von Wilfried W. objektiv beleuchtet. Auch ein ganz neuer Gutachter ist möglich Eine weitere Option für das Gericht wäre ein gänzlich neuer Gutachter. Seine Einarbeitung in das bizarre, teilweise komplizierte Tatgeschehen, bei dem zwei Frauen zu Tode kamen, würde den Prozess wohl zeitlich sprengen.

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