Hand drauf: Produzent Fabian Driehorst (l.) und Regisseur David Jansen vor einem Stadtplan der Hauptstadt. - © Foto: Christine Panhorst
Hand drauf: Produzent Fabian Driehorst (l.) und Regisseur David Jansen vor einem Stadtplan der Hauptstadt. | © Foto: Christine Panhorst

Berlin Junge NRW-Filmer bei der Berlinale

David Jansen (33) kann es noch nicht ganz fassen, dass sein Kurzfilm „Däwit“ im Programm läuft

Christine Panhorst

Berlin. Kurz, aber kräftig sind die Filme, die bei den Berlinale Shorts laufen. Beim kleinen Bruder des großen Bärenwettbewerbs geht auch ein Filmteam aus Nordrhein-Westfalen an den Start. Mit einem ungewöhnlichen Animationsfilm konnten David Jansen (33) und Fabian Driehorst die Macher des Kurzfilmwettbewerbs überzeugen. Der heißt wie sein Zeichner: „Däwit“. Zwei Jahre lang hat es gedauert von der ersten Idee bis zum fertigen Film. Ein Jahr alleine sei für die Animation der Zeichnungen draufgegangen, sagt David Jansen. Er ist Zeichner und Regisseur des gut 15-minütigen Films „Däwit“ der in der Kurzfilmauswahl der Berlinale, den „Berlinale Shorts“, heute seine Premiere feiert. „Auf der Berlinale, Mensch. Ich kann es immer noch nicht ganz fassen.“ Jansen reibt sich halb über die Stirn, halb über die dunkelblaue Wollmütze auf seinem Kurzhaarschnitt. Am Rand ist der Berlinale-Bär aufgestickt. Ein Andenken. Die Zeichnungen hat der Kölner zusammen mit Sophie Biesenbach „aufs Tablett gekratzt“. Sie also direkt am Computer mit einem Zeichentablett digital auf den Bildschirm übertragen. Wie viele Stunden er dafür am Computer verbracht habe, dazu bei der Vertonung, der Animation, dem Schnitt? „Keine Ahnung. Viele.“ Co-Zeichnerin Sophie ist nicht zum Interview gekommen. „Sie passt auf unser Baby auf.“ Die beiden Animationskünstler sind seit Dezember verheiratet.Persönliche Beziehung Persönlich und nicht nur beruflich ist auch die Beziehung zu Produzent Fabian Driehorst (32), sagt David Jansen. „Wir kennen uns seit dem Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln.“ Trotz Teamarbeit ist „Däwit“ vor allem Jansens Film. Die Ausgangsidee habe er schon lange im Kopf gehabt, erzählt er. „Ein Mann auf einer Insel, damit fing alles an.“ Ein bisschen sei der Protagonist sein Alter Ego. Daher der Name „Däwit“ (David). „Das heißt aber nicht, dass ich das alles erlebt habe, was ihm passiert ist.“ Im Film geht es um häusliche Gewalt und um das große Thema Vergebung. „Das machen wir heute viel zu selten, einander vergeben. Jeder pocht auf sein Recht.“ Das sei schade, sagt der Jungregisseur, und deshalb habe er einen Film darüber gemacht. „Manche Bilder hatte ich außerdem einfach so im Kopf. Zum Beispiel das von dem Mann, der von einem Wolfsrudel aufgezogen wird. Das Fallen ist auch so ein Motiv, aber nicht als Absturz. Es bringt Däwit voran.“ Da der Film seine Premiere erst am Dienstagabend feiert, soll nicht alles über die Handlung verraten werden. Nur so viel: Sie folgt einem Mann auf seiner fantastischen Odyssee. Als Kind wird er wie Mose im Körbchen von der Insel aufs Meer hinausgetragen und zu den Wölfen, landet in der Stadt, trifft einen Engel und kehrt zurück zur Insel.Kleines Kunstwerk Nicht die Geschichte an sich, vor allem die Machart der Zeichnungen und der Animation machen den Kurzfilm zu einem kleinen Kunstwerk. Die Ästhetik erinnert an Holzschnitttechnik. Harte Linien fließen schwarz auf weiß ineinander und weben sich geschmeidig animiert ineinander. Allein der Animation des Meeres und der unterlegten, detailverliebten Tonbearbeitung, könnte man noch viel länger zusehen und zuhören. Die Berlinale-Teilnahme ist ein Ritterschlag für das NRW-Team. Doch auch wenn sie gewinnen, Gewinn wird der Film kaum machen. „Die Möglichkeiten für Kurzfilme sind begrenzt“, erklärt Produzent Fabian Driehorst. Es gebe nur wenige Sendeminuten für Shorts im deutschen Fernsehen. Kurzfilme verschlingen Geld, sie produzieren es nicht. Mit 15.000 Euro förderte die Film- und Medienstiftung NRW „Däwit“. Der (große) Rest kommt von privaten Investoren. Einer von ihnen ist Driehorst selbst. „Ich bin ein Fan von David.“ Däwit / Daewit Berlinale Trailer from Fabian&Fred on Vimeo.

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