Die Tradition des Sint Nicolaas mit den "Zwarten Pieten" ist auch in Blomberg beliebt. - © ARCHIVFOTO: SCHWARZER
Die Tradition des Sint Nicolaas mit den "Zwarten Pieten" ist auch in Blomberg beliebt. | © ARCHIVFOTO: SCHWARZER

Blomberg Rassismus-Debatte um "Zwarte Pieten" in Blomberg

UN-Expertin will niederländischen Brauch verbieten lassen

Blomberg/Amsterdam (an/dpa). "Hände weg von unserem Nikolaus!", wüten die Niederländer. Ihr Sinterklaas, dessen Helfer traditionell schwarz geschminkt auftreten, ist angeblich rassistisch. Seit Verene Shepherd, Vorsitzende einer UN-Expertenkommission, das Verbot des "Zwarte Piet" gefordert hat, hagelt es Proteste. Auch in Blomberg (Kreis Lippe), das eine starke niederländische Gemeinde hat, trifft der Vorstoß auf Kopfschütteln. Morgens, kurz nach zehn im Blomberger Café Stock. Wie jeden Donnerstag treffen sich Niederländer zum Frühstück. Mit dabei ist der katholische Bischof Jan Maes, der viele Jahre den Sint Nicolaas gemimt hat und es noch immer ab und an tut. Die "Tulpen" in der Nelkenstadt, die nach dem Ende der niederländischen Garnison in Blomberg geblieben sind, begleiten die Debatte aufmerksam. Seit dem Wochenende beschäftigt sich die Zeitung De Telegraaf mit den Rassismusvorwürfen der Jamaikanerin. "Nörglerin Shepherd kriegt die Rute" titelt der Telegraaf und spielt darauf an, dass die Zwarte Pieten früher auch mal mit der Rute gedroht haben. "Das machen wir schon lange nicht mehr", versichert Maes. Er und seine Landsleute sind sicher, dass die Vereinten Nationen den Niederlanden ihren jahrhundertealten Brauch nicht streitig machen können. "Wir werden weitermachen", so der Tenor am Tisch. Martinus van Bommel findet den Vorstoß der Jamaikanerin kontraproduktiv: "Die Menschen sind verärgert, dadurch wird der Rassismus höchstens noch gefördert." In Blomberg organisiert der Heimatverein Sint Nicolaas den Einzug des heiligen Mannes mit seinem Zwarten Pieten. "Der Legende nach waren die Zwarten Pieten Diener des Bischofs Nikolaus. Sie wurden freigelassen, entschieden sich aber freiwillig, bei ihm zu bleiben", sagt Vereinsvorsitzender Gerhard Brinkmann. Die Zwarte Pieten sind immer zu Späßen aufgelegt, streuen Pfeffernüsse und - nicht ganz unwichtig - bringen den Kindern am Abend des 5. Dezember Geschenke. Blombergs Bürgermeister Klaus Geise mahnt: "Ich würde bei aller ,political correctness' einfach für mehr Gelassenheit plädieren."

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