OWL Ein Kaffee kostenlos für Bedürftige

Trend des "Suspended Coffee" hält Einzug in OWL

Bielefeld. Es begann in Italien, wo Kaffee quasi als Grundrecht der Menschen angesehen wird. Inzwischen ist das Prinzip der Neapel-Liste weltweit bekannt. In den USA hat sich das System mit dem sogenannten Caffè Sospeso inzwischen fest etabliert. Über das Internet und die sozialen Netzwerke fand die Idee ihren Weg nach Deutschland. Das Prinzip ist einfach: Der Kunde bezahlt beim Café-Besuch nicht nur seinen eigenen Kaffee, sondern lässt beliebig viele weitere auf die Spendenliste setzen. Bedürftige bekommen so ein Gratis-Heißgetränk. Im Internet hat sich die simple, aber wirkungsvolle Art zu helfen unter dem amerikanischen Namen "Suspended Coffee" durchgesetzt. Das heißt in etwa "aufgeschobener Kaffee" und greift die Tradition des "Caffè Sospeso" auf. Seit einigen Wochen gibt es auch eine deutsche Seite von "Suspended Coffee". Sie wird von einer 17-jährigen Schülerin aus Sachsen geführt. Saskia Rüdiger hat über Facebook von "Suspended Coffee"erfahren. "Ich habe mir die englische Seite durchgelesen und war sofort begeistert von der Idee. Da es noch keine Seite für Deutschland gab, habe ich beschlossen, selbst eine zu gründen", erzählt Saskia. "Also habe ich die englischen Fotos und Ideen ins Deutsche übersetzt. Mittlerweile sind es in Deutschland drei teilnehmende Cafés." Zwei davon sind in Bielefeld und gehören Giuseppe Fracasso. Mit zwei Partnern betreibt er die Pizzeria Piccola in der Marktpassage und den Hermsburger in der City-Passage. Fracasso wiederum wurde von einer anderen Frau aus OWL angesprochen: Daniela Mujica hatte beim Stöbern im Internet Saskia Rüdiger und ihre Idee gefunden und war mit ihr in Kontakt getreten. Mit einem Infopaket, das das Mädchen aus Sachsen nach OWL schickte, spazierte Mujica durch Bielefeld und sprach zahlreiche Betriebe an, traditionelle Bäckereien genauso wie große Restaurants. "Ich hoffe, dass durch die Aktion einige Menschen wieder aufmerksamer für ihre Umwelt werden und die Leute wieder näher zusammenrücken", sagt Mujica. "Oft gibt man Obdachlosen kein Geld aus Sorge, dass es für Alkohol oder Drogen ausgegeben wird. Wer aber etwas zu essen oder zu trinken ausgibt, weiß, dass er damit jemandem wirklich etwas Gutes tut." So könne schnell, anonym und praktisch Nächstenliebe praktiziert werden. Bei Giuseppe Fracasso stieß die engagierte Frau auf offene Ohren. Der 28-Jährige war begeistert von der Idee. In seinen beiden Lokalen weisen Plakate und Infoflyer seit etwa drei Wochen auf die Kaffeeliste hin. In der Marktpassage wird auch Pizza gespendet. Der junge Gastronom hofft, dass sich künftig weitere Betriebe beteiligen. "Man kann nie wissen, ob man nicht selbst irgendwann in eine schlechte Situation kommt. Darum will ich helfen", sagt Fracasso. Aber es brauche sicherlich ein wenig Zeit, bis Kunden und Gastronomen Vertrauen zu dem Projekt entwickelten. Fracasso haben die Vorteile für ihn als Unternehmer überzeugt: Er bekommt kostenlose Werbung über die Homepage und die Facebook-Seite. Marketingmaterial wie Plakate, Aufkleber und Informationsflyer stehen dort zum Herunterladen zur Verfügung. Die Aktion erfordert keine Geldaufwendung des Imbiss-Betreibers, bringt ihm aber sicherlich Sympathie ein und vielleicht sogar neue Kunden. Saskia Rüdiger hofft, dass in Zukunft noch viel mehr Gastronomen aus ganz Deutschland ähnlich denken wie der Bielefelder. "Ich glaube, Menschen werden oft viel zu schnell verurteilt, wenn sie sich manche Dinge nicht leisten können. Dabei arbeiten viele den ganzen Monat, und das Geld reicht hinten und vorne nicht", sagt Saskia Rüdiger. "Man sollte niemanden verurteilen, der in so einer Situation ist. Genau das versucht ,Suspended Coffee'. Damit spricht es mir genau aus dem Herzen."

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