OWL Mückenplage verdirbt Sommerspaß an frischer Luft

Larven des Hundehautwurms verbreiten sich / Hochsaison in Kliniken

Hamburg. Von Osten her breitet sich in Deutschland eine Mückenplage aus. Experten sind sich einig: Die Quälgeister haben sich in den überfluteten Gebieten bei feucht-heißem Wetter prächtig entwickelt und schwärmen nun aus. In Hannover registrieren die Krankenhäuser ungewöhnlich viele Patienten mit Schwellungen und Entzündungen an den Einstichstellen. Zudem haben Hamburger Parasitologen erstmals in Deutschland Larven des Hundehautwurms in Stechmücken gefunden. Matthias Freude, Chef des Landesumweltamtes Brandenburg, sagt, dass es zwar auch schon in früheren Sommern Mückenplagen gegeben habe. In diesem Jahr komme aber das Hochwasser hinzu. "Überall dort, wo das Wasser abzieht, in den Havelpoldern oder im Elbe-Elster-Gebiet, bleiben kleine Wasserflächen zurück. Das sind ideale Brutstätten für Mücken", so Freude. Bei normaler Witterung braucht es bei Mücken rund drei Wochen, bis sich aus den Larven ausgewachsene Insekten entwickelt haben, deren weiblicher Teil sich als Blutsauger auf Tier und Mensch stürzt. Bei Temperaturen von mehr als 25 Grad schaffen sie es in zehn Tagen. Dann fliegen, stechen und saugen mehrere Generationen gleichzeitig. Für einen besonderen Quälgeist kann allerdings nicht die Flut als Erklärung herhalten. Die Kriebelmücke, die eigentlich gar keine Mücke ist, wie der Zweiflüglerexperte Michael von Tschirnhaus von der Universität Bielefeld erklärt, entwickelt sich nur in fließenden Gewässern. Von dort aus sucht sie sich dann ihre Opfer. "Wie mit einer Stichsäge beißt sich diese Mücke, von der es Deutschland 50 Arten gibt, mit ihren kleinen Kiefern in die Haut." Den Angriff bemerkt man gar nicht, denn das Tierchen misst nur einen bis sechs Millimeter, und der Biss ist zunächst schmerzfrei. Dann aber können sich aus blau-roten Punkten auf der Haut kleine Blutergüsse oder auch größere Verletzungen entwickeln. "Es kann Wochen dauern, bis die weggehen", weiß der Bielefelder Insektenexperte. In Minden, das von stehenden wie fließenden Gewässern umgeben ist, "ist um diese Zeit immer Hochsaison in der Hautklinik", berichtet Rudolf Stadler, Chefarzt im Johannes-Wesling-Klinikum. Dabei reagiert jeder Mensch, der eine weniger, der andere mehr, auf einen Mückenstich: Es juckt. Tipp des Dermatologen: Den Juckreiz kann man mit einem Azaronstift oder Soventol-Gel bekämpfen. Riskanter kann es werden, wenn man sich die juckenden Stellen aufkratzt, denn, so Stadler, "die Finger sind immer mit Bakterien belegt". Wenn sich aber ein roter Strich von der Wunde Richtung Herz zeigt, heißt es, bald mal den Arzt aufsuchen, weil sich eine Lymphbahninfektion eingestellt hat. Als neues gesundheitliches Risiko haben Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin jetzt Larven des Hundehautwurms in Stechmücken festgestellt. Das Einführen infizierter Hunde aus Südeuropa könnte, so Institutsdirektor Tannich, die Ursache für die Etablierung des Parasiten sein.

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