Bielefeld Im Auktionshaus der Justiz

Via Internet werden beschlagnahmte Gegenstände versteigert / Bielefeld erfolgreich

Bielefeld. Der Justiz wird häufig nachgesagt, dass sie nicht schnell genug agiere und modernen Errungenschaften und Methoden hinterherhinke. Zumindest in einem Bereich trifft das allerdings keineswegs zu: Schon seit etlichen Jahren betreibt die Justiz im Internet eine eigene Auktionsplattform, die inzwischen große Erfolge zu verzeichnen hat. Begonnen hatte das Projekt als Versuch im Jahr 2006 in vier Staatsanwaltschaften, eine davon war Bielefeld. Mittlerweile beteiligen sich die Behörden aller Bundesländer daran. Computer, Drucker, DVD-Player, Autos, Motorräder, Schmuckstücke, Kosmetika, Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Bekleidung und Spielzeug - auf der Website www.justiz-auktion.de können Bürger inzwischen alle erdenklichen Gegenstände ersteigern. Die Justiz bietet dort Dinge meistbietend zum Kauf an, die zuvor von ihr gepfändet, beschlagnahmt oder eingezogen wurden. Das elektronische Auktionshaus, in dem alle Bürger bieten können, sei längst aus einer Nische herausgetreten und habe mittlerweile einen großen Bekanntheitsgrad erreicht, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm mit, die die Federführung hat. Der über die Online-Plattform erzielte bundesweite Umsatz belief sich bei insgesamt fast 10.000 Auktionen im vorigen Jahr auf knapp 2,7 Millionen Euro. Mit einem Umsatz von 40.000 Euro lag die Staatsanwaltschaft Bielefeld dabei in NRW auf Platz eins, gefolgt von der Staatsanwaltschaft Hagen mit 30.000 Euro Umsatz. Der Erlös fließt in die Staatskasse. "Unsere Justizauktion funktioniert wie eBay" sagt die Rechtspflegerin Mareike Engel, die zusammen mit ihrem Kollegen Dieter Plaßmann in Bielefeld zuständig ist. Aktuell habe sie zum Beispiel einen älteren Mercedes-Benz, einen Drucker und ein Laminiergerät, aber auch jede Menge gebrauchte Arbeitsschuhe im Angebot, sagt Engel. Die Auktion für das genannte Auto läuft noch sechs Tage, das aktuelle Gebot steht auf 526 Euro. Für jedes Fahrzeug werde vor der Versteigerung ein Gutachten der Oberfinanzdirektion Münster hinterlegt, sagt Engel. Das Auktionshaus der Justiz "läuft auch deshalb so gut, weil sich die Kunden zu hundert Prozent auf unsere Angaben verlassen können", betont die Rechtspflegerin. Hinter jedem feilgebotenen Gegenstand verbirgt sich eine besondere Geschichte. Der Pulsoximeter (Pulsmessgerät für Finger) und das Otoskop (ein Instrument, mit dem Ärzte in Gehörgänge schauen) seien "von einem Pfleger gestohlen" worden, erläutert Engel. Nicht selten landen Beutestücke, die beschlagnahmt wurden und deren rechtmäßige Besitzer nicht mehr auffindbar sind, im Justizauktionshaus. Seit 2010 wurde es auch auf die Gerichtsvollzieher ausgeweitet. Manchmal sind auf der Website www.justiz-auktion.de auch Gegenstände zu finden, die die Justizbehörden selbst ausgesondert haben. Dazu gehören zum Beispiel Schreibtische, ältere IT-Geräte oder juristische Literatur. "Damit kann man manch einem Studenten noch eine Freude machen", sagt Dietmar Plaßmann. Geprüft wird derzeit, ob auch andere Länder sich an der "Justizauktion" beteiligen können. Gedacht ist dabei zunächst an Österreich. Die Erweiterung des Verkäuferkreises auf die Insolvenzverwalter ist ebenfalls geplant.

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