Der Bielefelder Hauptkommissar Reinhard Zurheide weiß als ehemaliger Rennfahrer, worauf es beim Motorradfahren ankommt. - © FOTO: INGO KALISCHEK
Der Bielefelder Hauptkommissar Reinhard Zurheide weiß als ehemaliger Rennfahrer, worauf es beim Motorradfahren ankommt. | © FOTO: INGO KALISCHEK

Bielefeld/Paderborn Sicherheitstipps für Motorradfahrer

Neue Regelungen beim Führerschein

Bielefeld/Paderborn. Lange schlummerten sie in den Garagen. Doch sobald es draußen wärmer wird, sind wieder zahlreiche Motorräder auf den Straßen zu sehen. Das Unfallrisiko steigt. Denn: Jeder sechste Unfalltote in Deutschland ist ein Motorradfahrer. Der Bielefelder Hauptkommissar und ehemalige Rennfahrer Reinhard Zurheide weiß, worauf Biker nach der langen Winterpause achten müssen. "Die fahrerische Kompetenz der Motorradfahrer ist von aller größter Bedeutung", erklärt Reinhard Zurheide. Nur wer viel mit seinem Motorrad fahre, gewinne auch an Sicherheit und könne im Straßenverkehr in schwierigen Situationen die richtigen Entscheidungen treffen. Die Polizei rät zudem, an die eigene Fitness zu denken. Auch hier habe der Winter seinen Tribut gefordert. Reaktions- und Wahrnehmungsvermögen sind zum Saisonstart oft nicht mehr ausreichend entwickelt. Ganz wichtig: genügend Flüssigkeit. Denn ein ausgetrockneter Körper dehydriert und vermindert das Reaktionsvermögen.   "Die ersten 500 Kilometer nach der Winterpause sind immer die gefährlichsten", weiß Reinhard Zurheide und ergänzt: "Erst nach über 1.000 gefahrenen Kilometern kommt die Sicherheit zurück." Eine erfolgreiche Methode stellt zum Beginn der Motorradsaison im Frühling ein Fahrsicherheitstraining dar.Sicherheitstraining in der Region In OWL wird ein solches Training, das nach den Standards des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) ausgelegt ist, an zwei Standorten angeboten: Verkehrssicherheits-Zentrum Bielefeld-Sennestadt am Schopketalweg. Anbieter ist die Verkehrswacht Bielefeld. Fahrtrainingsanlage des ADAC Ostwestfalen-Lippe in Paderborn-Mönkeloh. "Wir bieten sowohl Basis- und Kompaktkurse als auch spezielle Kurse an - je nach Wunsch der Interessenten. In diesen wird zum Beispiel das Brems- und Ausweichmanöver auf verschiedenen Untergründen, die korrekte Fahrtechnik in der Kurve und das Handling des Motorrads im Langsamfahrbereich trainiert", erklärt Michael Bartz vom ADAC Fahrsicherheitstraining in Paderborn. Auch moderierte Gespräche, in denen sich sie Teilnehmer untereinander austauschen können, sind im Programm enthalten. Motorradfahrer können neben einem Sicherheitstraining noch weitere Maßnahmen treffen, um das Unfallrisiko zu vermindern. So sollte das Motorrad mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet sein, da dieses bei Vollbremsungen die Fahrstabilität aufrecht erhält.  "Durch einen farbigen Helm und kontrastreicher Kleidung in hellen und leuchtenden Farben können Biker ihre Erkennbarkeit erhöhen. Auch spezielle Warnwesten und Reflektoren bieten sich an", erklärt Reinhard Zurheide. Vor allem Innerorts komme es oft zu Fehlern beim Abbiegen und Wenden.Autofahrer aufgepasst Doch auch das Verhalten der Autofahrer im Straßenverkehr ist von großer Bedeutung. In 60 Prozent aller Motorradunfälle ist ein Pkw der Kollisionspartner. Mehr als 35 Prozent der Motorradunfälle passieren als so genannte Alleinunfälle, bei denen keine anderen Fahrzeuge beteiligt sind. "Diese Unfälle passieren meistens auf Landstraßen und hier ist eindeutig nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache", weiß Zurheide. Autofahrer müssen sich zu Beginn der Motorradsaison erst wieder an das Beschleunigungsvermögen und die schmalen Silhouetten der Motorräder gewöhnen. Reinhard Zurheide fasst zusammen: "Motorradfahrer dürfen sich nicht darauf verlassen, dass ihr möglicherweise unsicherer Fahrstil mit einer aufwendigen Sicherheitsausstattung kompensiert werden kann. Motorradfahren ist ein sehr komplexer Sport, deshalb macht es am meisten Sinn, sich fit zu halten und immer weiter an seinen Fähigkeiten zu arbeiten."Neue Regeln für Motorradfahrer Seit dem 19. Januar 2013 gelten im Rahmen der dritten EU-Führerschein-Richtlinie Neuregelungen bei den Führerscheinklassen in Deutschland. Vor allem Motorradfahrer müssen sich auf Änderungen einstellen. Neu sind die Klassen AM und A2. Die Klasse AM führt die bisherigen Klassen M und S zusammen und ist eigenständig europaweit gültig. AM umfasst das Fahren von zwei- und dreirädrigen Kleinkrafträdern sowie vierrädrigen Leichtkraftfahrzeugen mit einer maximalen Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern und einem Hubraum von 50 Kubikzentimetern. Die Klasse A2 ist ebenfalls neu und erweitert die bisherige leistungsbeschränkte Motorradklasse. Statt der bisherigen Motorleistung von 34 PS, erlaubt diese Klasse nun das Fahren von Motorrädern mit einer Leistung von 48 PS bei einem Mindestgewicht von 175 Kilogramm. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Auch bei der Klasse A1 gibt es Änderungen: Inhaber dieser Klasse müssen mindestens 16 Jahre alt sein und dürfen Motorräder mit einer Leistung von maximal 15 PS fahren. Es entfällt die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern für unter 18-Jährige. Das Erlangen der Klasse A mit unbegrenzter Motorleistung ist unverändert ab einem Mindestalter von 24 Jahren möglich.Eine praktische Prüfung fällt nicht an Motorradfahrer, die von einer Klasse in eine andere wechseln möchten, müssen folgende Änderungen beachten: Um von der Klasse A1 in A2 zu wechseln, genügt eine praktische Prüfung. Theorie- oder Pflichtfahrstunden fallen nicht an. Auch der Wechsel von der Klasse A2 in A erfordert nach zwei Jahren lediglich eine praktische Prüfung. Hauptkommissar Reinhard Zurheide empfiehlt jedoch ausdrücklich, einige Übungsstunden in einer Fahrschule zu nehmen. Alle Führerscheine, die ab dem 19. Januar 2013 ausgestellt werden, sind auf 15 Jahre befristet. Läuft die Frist aus, so muss das Dokument mitsamt Foto und Adresse erneuert werden. Es bedarf keiner neuen Prüfung. "Dieser Irrglaube ist jedoch weit verbreitet", weiß Zurheide. Wer den normalen Autoführerschein der Klasse B absolviert, ist nicht automatisch berechtigt, die Klasse A1 zu fahren. Dies hat der Gesetzgeber abgelehnt. Lediglich die Klasse AM wird mit der Klasse B miterteilt. Nur wer vor dem 1. April 1980 eine Fahrerlaubnis der Klassen 3 oder 4 absolviert hat, ist berechtigt, Leichtkrafträder zu führen. Für alle anderen gilt: Erst nach Erwerb der Führerscheinklasse A1 darf ein Leichtkraftrad gefahren werden.

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