Bielefeld Studie: Öl und Gas reichen keine 20 Jahre mehr

Experten warnen vor Energiekollaps / Benzinpreis steigt bis 2018 auf zwei Euro

Bielefeld. Die Versorgung mit Öl, Gas und atomaren Brennstoffen ist in den kommenden Jahren akut gefährdet. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Energy Watch Group (EWG), eines Zusammenschlusses von Wissenschaftlern und Parlamentariern. "Die Welt steht am Scheideweg seiner Energieversorgung", sagt Werner Zittel, Autor der Studie und Vorstand der Ludwig-Bölkow-Stiftung. Während sich die Autofahrer in Deutschland zu Beginn der Osterferien wieder über steigende Benzinpreise ärgern, malt Zittel bei den Spritpreisen langfristig ein düsteres Bild. Wegen der steigenden Preise auf dem Rohölmarkt sei ein Literpreis beim Benzin von zwei Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre in Sicht, sagte Zittel der Frankfurter Rundschau. "Weltweit haben wir eine totale Überschätzung der Verfügbarkeit von fossilen Brennstoffen", sagt Hans-Josef Fell, Vorsitzender des Parlamentarierbeirats von Energy Watch und Mitglied des Deutschen Bundestags (Grüne), im Gespräch mit dieser Zeitung. Es gebe seit dem Jahr 2006 "faktisch keine nennenswerte Steigerung der Ölförderung in der Welt".Ab Jahr 2030 werde es Versorgungsprobleme geben Die EWG-Studie besagt, dass die globale Förderung von Erdöl und Erdgas etwa im Jahr 2020 das Maximum erreichen wird. Die weltweite Erdölförderung werde um das Jahr 2030 um etwa 40 Prozent gegenüber 2012 zurückgehen. Spätestens dann, so Fell, werde es deutliche Versorgungsprobleme geben. Der Versorgungsrückgang beim Erdöl werde so groß werden, "dass er nicht durch eine Substitution mit Erdgas und Kohle ausgeglichen werden kann", so Fell. Auch die Kernenergie werde "keinen wesentlichen Einfluss auf die zukünftige Energieversorgung haben". Der Energiekollaps droht. Dabei sei insbesondere der europäische Wirtschaftsraum von Energieimporten abhängig. Laut Fell haben die 27 EU-Staaten 2011 rund 400 Milliarden Euro für den Import fossiler Brennstoffe ausgegeben. Gleichzeitig habe die EU, trotz der Mitgliedschaft des Export-Weltmeisters Deutschland, ein Außenhandelsdefizit von 120 Milliarden Euro eingefahren.Umstellung auf erneuerbare Energien "Wir werden weitere Weltwirtschaftskrisen sehen", warnte Fell. "Wir müssen in hoher Geschwindigkeit umstellen auf erneuerbare Energien." Die Energiesicherheit lasse sich nicht mit atomaren und fossilen Brennstoffen decken. Fell sprach von einer "verfehlten Politik der Bundesregierung", die viele Zukunftstechnologien wie die Elektromobilität Nationen wie China überlassen habe. Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte kürzlich in einem Bericht eine hohe Verfügbarkeit von fossilen Brennstoffen vorausgesagt. Zur Begründung wurde die in den USA mittlerweile weit verbreitete Fracking-Technologie bei der Öl- und Gasförderung angeführt. Darüber hinaus wurden Tiefbohrungen und Teersandgewinnung für Öl und Kohlevorkommen genannt. BP-Chefökonom Christof Rühl hatte bei der Vorstellung des "World Energy Outlooks 2030"ausgeführt, dass der Verbrauch flüssiger fossiler Brennstoffe bis 2030 jährlich um 0,8 Prozent steigen werde. Das würde eine Produktion von täglich rund 16 Millionen Barrel bedeuten, wenn man den Verbrauch des Jahres 2011 zum Maßstab nimmt. Die USA verbrauchen derzeit pro Tag rund 19 Millionen Barrel fossiler Brennstoffe.

realisiert durch evolver group