Johannes Weinig, FH Bielefeld.
Johannes Weinig, FH Bielefeld.

Bielefeld Johannes Weinig spricht sich für Kanal-Tüv aus

Mindener Professor für Wasserwirtschaft im Landtag angehört

Bielefeld (sim/dpa). Bei einer Expertenanhörung zum neuen Gesetz über den "Kanal-TÜV"im Düsseldorfer Landtag hat sich der Mindener Professor für Wasserwirtschaft Johannes Weinig für eine zügige Überprüfung privater und öffentlicher Abwasserkanäle ausgesprochen. Aus ökologischer Sicht sei es unabdingbar, das Problem undichter Kanäle endlich anzugehen, sagte Weinig nach der Anhörung im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Wissenschaftler, der am Mindener Standort der Fachhochschule Bielefeld lehrt, hat gerade eine Studie zur Gefährdung der Umwelt durch defekte Kanäle erstellt und hält das Ergebnis für eindeutig: "Durch Lecks sickern erhebliche Mengen an Giftstoffen beispielsweise aus Arzneimittelresten ins Erdreich." Dort reicherten sie sich an und gelangten bei Regengüssen ins Grundwasser. "Wir wissen längst, dass Fische beispielsweise mit Rückständen der Anti-Baby-Pille belastet sind", argumentiert Weinig. Problematisch seien schadhafte Kanäle aber nicht nur, weil sie Abwasser ins Erdreich entlassen, sondern auch umgekehrt: Durch Lecks dringt Regenwasser ein, das so dem Prozess der Grundwasserbildung entzogen werde. Gerade in dicht besiedelten Gebieten wie NRW sei ein sinkender Grundwasserspiegel ein "ernsthaftes Problem", so Weinig.Experte hält Widerstand für "hochgekocht" Den erheblichen Widerstand insbesondere in Ostwestfalen-Lippe gegen den Kanal-Tüv hält der Experte für "hochgekocht". In anderen Teilen von NRW sei die Akzeptanz für eine Kanalprüfung sehr viel größer – und die Einsicht darin, dass Investitionen in Abwässerkanäle auch dem Werterhalt eines Gebäudes dienten: "Wenn ein kaputter Kanal ein Haus unterspült, kann das die Bausubstanz erheblich angreifen." Auch Vertreter von Kommunen schilderten im Landtag, wie kaputte Kanäle Straßen unterhöhlen können. Untersuchungen hätten gezeigt, dass vor dem Jahr 1970 verlegte Abwasserrohre "mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zum heutigen Zeitpunkt undicht sind", heißt es etwa in einer Stellungnahme der Solinger Entsorgungsbetriebe. Nach dem noch gültigen Landeswassergesetz – seit Anfang 2008 in Kraft – müssen Abwasserleitungen bis spätestens Ende 2015 sowie beim Neubau auf Dichtheit geprüft werden. Gegen die Prüfpflicht liefen viele Hausbesitzer insbesondere in OWL Sturm, weil sie hohe Kosten befürchteten. Der gestern im Landtag erörterte neue Gesetzentwurf der rot-grünen Koalition will Besitzer von Wohnhäusern außerhalb von Wasserschutzgebieten nun aber davon verschonen. Wie die Prüfung in anderen Gegenden geregelt wird, sollen nun die Kommunen regeln. Aus wasserwirtschaftlicher Sicht "müsste man da strenger rangehen", sagte Weinig, der in Minden auch in der SPD aktiv ist. Er hält es aber zumindest für einen "Schritt in die richtige Richtung", dass Kanäle zumindest in Wasserschutzgebieten bis 2015 überprüft werden sollen.

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