OWL Mangelnde Deutschkenntnisse bei Ärzten in Westfalen-Lippe

Kammer sieht Handlungsbedarf

Münster. Verständigungsprobleme belasten die Arzt-Patienten-Beziehung. Immer mehr Patienten beklagen, wie auch der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, mangelnde Deutschkenntnisse der Weißkittel. Alltag auch in OWL-Kliniken. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, will mit einem Drei-Punkte-Programm gegensteuern. "Haben Sie Blut hoch?" Es dauert ein Weilchen, bis sich Elsa K. (93, geistig völlig fit) und der Arzt neben ihr darüber verständigt haben, dass er etwas über ihren Blutdruck erfahren möchte. Die Begebenheit aus einer Bielefelder Klinik ist auf den ersten Blick nicht weiter verwunderlich. In den Kliniken Westfalen-Lippes kamen laut Ärztekammer im Jahr 2011 und der ersten Hälfte des abgelaufenen Jahres 46 Prozent der neu eingestellten Assistenzärzte aus dem Ausland. In ländlichen Regionen OWLs gibt es Krankenhäuser, in denen es auf der Assistentenebene einer ganzen Abteilung keinen Arzt mit deutscher Ausbildung gibt. Eigentlich sollte sich daraus kein schwerwiegendes Kommunikationsproblem zwischen Arzt und Patient ergeben. Denn wer hier als Arzt tätig sein möchte, muss über "ausreichende Deutschkenntnisse" verfügen. Ob das so ist, prüft die Bezirksregierung, der es obliegt, die amtliche Zulassung zu den Heilberufen zu erteilen.Ausreichende Deutschkenntnisse Was "ausreichende Deutschkenntnisse" sind, erklärt der Detmolder Dezernatschef Martin Sieling. Da geht es einmal um die "allgemeine Sprachfähigkeit". Die kann der Kandidat mit einem sogenannten B-2-Zertifikat des Goethe-Instituts nachweisen. "Man kann darüber streiten, ob eine höhere Qualifizierung notwendig wäre", formuliert Sieling diplomatisch, aber so schreibe es das Land NRW nun einmal vor. Die zweite Hürde ist die Prüfung der Fachsprache. Dazu bekommen die Bewerber "einen Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt" vorgelegt, dessen Inhalt sie wiedergeben müssen. Und dann wird es praktisch: Ein Arzt-Patienten-Gespräch wird simuliert und bewertet. Rund 140-mal pro Jahr läuft das in Detmold so ab. "Die Probanden sind natürlich extrem bemüht", räumt Sieling ein, 27 Prozent fallen durch. Ärztechef Windhorst sieht in der schwindenden Sprachkompetenz durchaus ein "heftiges Problem". Deshalb fordert er "als ersten Schritt", dass "ein Arzt bei den Fachprüfungen mit am Tisch sitzt". Mittelfristig solle die Berufszulassung als Arztaus fachlichen Gründen von der Bezirksregierung auf die Ärztekammern übertragen werden. Für Ärzte aus dem Ausland solle eine Sprach- und Fachprüfung nach dem Muster der USA den Zugang in den Beruf ermöglichen. Das B-2-Zertifikat reicht Windhorst nicht, zumal es, da ist er sich mit Sieling einig, "hier und da im Ausland käuflich" ist.

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