Vier junge Männer und eine Frau müssen sich vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. - © FOTO: NW
Vier junge Männer und eine Frau müssen sich vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. | © FOTO: NW

OSNABRÜCK/BÜNDE Verdacht: Angeklagte drohten Zeugen mit Gewalt

Zweiter Verhandlungstag im Prozess gegen drei Bünder, einen Kirchlengerner und Mindener wegen des Versuchten Totschlags

Osnabrück/Bünde (hkn). Am zweiten Tag des Prozesses gegen fünf Angeklagte aus Bünde, Kirchlengern (Kreis Herford) und Minden vor dem Landgericht Osnabrück wegen versuchten Totschlags waren drei Zeugen geladen. In der Nacht des 1. August 2010 soll es laut Anklage am Grünen See in der Nähe von Melle anlässlich einer Benefizveranstaltung, die unter dem Namen "Elseparty" firmierte, zu einer Schlägerei unter den Gästen gekommen sein (die NW berichtete). Für einen 32-Jährigen hatten die Schläge und Tritte gegen seinen Kopf und Körper fast tödliche Folgen. 150 Gäste sollen sich auf dem Festgelände in teilweise starkbetrunkenem Zustand befunden haben, als eine "blonde Frau mit Zöpfen" sich halb entkleidete und mit Männern zusammen "pogte" (Rempeltanz). Die Frau habe "körperlichen Kontakt zu Männern" gesucht. Das berichtete eine 25-jährige Zeugin. Als sie von einem Dixieklo gekommen sei, berichtete sie, habe es plötzlich eine "Massenkarambolage" gegeben. Nach ihrer weiteren Aussage, die kaum verwertbare Angaben aufwies, hielt ihr der Richter das Polizeiprotokoll vor, in welchem die Zeugin zwei Angeklagte deutlich belastet hatte. "Da habe ich übertrieben", so die 25-Jährige. Sie sei sauer gewesen und habe dem 41-Jährigen Hauptangeklagten, der ein bekannter Kickboxer sei, "eine reinwürgen wollen". Vom zweiten Akt der Schlägerei auf dem Parkplatz oberhalb des Festgeländes, bei dem das Opfer schwer verletzt wurde, habe sie überhaupt nichts mitbekommen, weil es "stockenzappendüster" gewesen sei. Den Grund für die offensichtlichen Widersprüche arbeitete die Vertreterin der Nebenklage heraus. Sie konfrontierte die Zeugin mit der Tatsache, dass sie nach den Ereignissen Kontakt zum Kickboxer "Niete" gehabt habe. "Das war berufstechnisch bedingt", entgegnete die Zeugin. Nebenklägerin: "Ist es denn wahr, dass man Ihnen im Vorfeld des Prozesses gedroht hat, Ihren Laden zu zertrümmern", wenn Sie aussagen?" Die Zeugin wollte das so nicht bestätigen. Das es Bedrohungen von Zeugen gegeben habe, berichtete ein 39-Jähriger dem Gericht. Ihm sei mitgeteilt worden, dass 4.000 - 5.000 Euro bereitliegen würde, wenn er nicht aussagen würde, andernfalls solle er "sich dreimal überlegen, ob er das tun wolle". Wer wann wen getreten und geschlagen hat, will das Gericht am kommenden Verhandlungstag klären. Zu den Lichtverhältnissen sagte der Zeuge schon mal: "Es war nicht ganz dunkel."

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