BIELEFELD Filmischer Kampf gegen Nazimusik

Dokumentation zeigt in Bielefeld die Gefahr rechter Konzerte

Bielefeld (lek). Es ist kein Singen, sondern Schreien. Dutzende Männer, fast alle mit Glatze, brüllen entsetzliche Parolen. Sie rufen zum Mord und zum Hass gegen Juden und Ausländer auf. Es sind Szenen aus Kneipen und Abrisshäusern im heutigen Deutschland, die nach Bekanntwerden der rechten Terrorgruppe "NSU" kaum vorstellbar wirken. Dass sie real sind, zeigt Regisseur Peter Ohlendorf in seinem Dokumentarfilm "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis", den er in einer Bielefelder Schule und im Lichtwerk-Kino zeigte. Möglich machten die Vorführung der Verein "Arbeit und Leben" sowie die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus. "Der Film dokumentiert die Arbeit von Thomas Kuban", sagt Ohlendorf. Dieser ist Journalist und recherchiert seit Jahren unter den Nazis. Er kleidet sich wie die Rechten, filmt sie aber mit Knopfloch-Kamera bei ihren Konzerten. "Fast schlimmer als diese Konzerte, bei denen die Parolen gegrölt werden, ist aber die Light-Variante der Musik", sagt Ohlendorf. Ähnlich wie die Kleidung würde sich auch die rechte Musik anderen Richtungen anpassen. "Ausländerfeindlichkeit erreicht etwa immer mehr den Hip-Hop", sagt Ohlendorf. Auf diese Gefahren will er mit seinem Film hinweisen - aus Überzeugung. Bis jetzt hat sich Ohlendorf für sein Werk mit rund 170.000 Euro verschuldet. Um nicht Gefahr zu laufen, dass sein Film durch die intimen Einblicke Werbung für Nazis macht, zeigt Ohlendorf sein Werk nur mit Begleitung. In Bielefeld diskutierte er selbst mit den Zuschauern. "Es ist wichtig, dass danach über das Gesehene gesprochen wird", sagt auch Sabine Beinlich von "Arbeit und Leben".

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