GÜTERSLOH Gütersloher Professor: "Zu viel Milch macht krank"

Warnung vor übermäßigem Konsum des eiweißhaltigen Getränks

Gütersloh. Ein Glas Milch, dazu ein Käsebrot mit reichlich Butter und einen besonders cremigen Joghurt – perfekt für den Start in den Tag, könnte man denken. Doch der Gütersloher Professor Bodo Melnik sieht das anders: Er ist davon überzeugt, dass der vermehrte Konsum von Milcheiweißen der Auslöser zahlreicher Zivilisationskrankheiten ist.In der Bertelsmann-Stiftung berichtete Melnik am Dienstagabend von seinen Studien. Egal ob Akne, Krebs, Demenz, Kurzsichtigkeit oder Adipositas: Milcheiweiße schaden laut Melnik, Lehrbeauftragter an der Universität Osnabrück und Hautarzt in Gütersloh, der Gesundheit. Milch könne nicht mehr nur als Nahrungsmittel angesehen werden, da sie große Auswirkungen auf den Körper habe. Sie sei ein aktives Signalsystem, das nachhaltig in die Hormonregulation und das Wachstum des Körpers eingreife. Melnik warnt vor allem junge Eltern und Jugendliche vor den Folgen erhöhten Milchkonsums: "Wenn Mütter die Stillzeit zu früh beenden und auf künstliche Säuglingsnahrung zurückgreifen, erhöht sich das Risiko für späteres Übergewicht bei Kindern." Außerdem könne zu viel Milchkonsum der Mutter in der Schwangerschaft zu übergewichtigen Babys führen, die auf Dauer einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt seien. Auch Akne bei Jugendlichen führt Melnik auf die Aufnahme von zu vielen Milcheiweißen zurück: "Akne ist eine epidemische Zivilisationskrankheit, von der in Milch konsumierenden Ländern mehr als 80 Prozent der Teenager betroffen sind." Als Gegenbeispiel für diese Länder nannte Melnik den Stamm der Kitava in Papua-Neuguinea: "Dort gibt es keine Akne, kein Übergewicht und keinen Krebs – das liegt daran, dass der Stamm keine Milchprodukte verzehrt." Unter anderem aus dieser Beobachtung lasse sich schließen, dass Milch alle chronischen westlichen Krankheiten fördere. Dafür spreche auch, dass Krankheiten ab den 1960er Jahren in die Höhe geschnellt seien. Ab dem Zeitpunkt also, als die Kühltechnologie flächendeckend eingeführt wurde und Milchprodukte länger aufbewahrt werden konnten. So habe sich zum Beispiel der Konsum von Käse pro Kopf und Jahr vervielfacht: Von 3,9 Kilogramm 1950 auf 23 Kilogramm 2011. Melnik: "Wir müssen unseren Konsum von Milcheiweißprodukten überdenken – wir dürfen nicht übersteuern." Melnik gelangte über die Akneforschung zu seinen Erkenntnissen. 2005 hat der Arzt und Professor zum ersten Mal davon gelesen, dass ein erhöhter Milchkonsum Akne fördern kann. Seitdem forscht er zum Thema und hat seine Erkenntnisse unter anderem im Deutschen Ärzteblatt, im World Journal of Diabetes (Weltjournal für Diabetes) und im Journal of Obesity (Zeitung für Übergewicht) veröffentlicht.

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