LEMGO Rat soll angebliche "Hexe" rehabilitieren

Nachkommen aus Bremerhaven wenden sich mit einem Antrag an die Stadt

Lemgo. Eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte wird immer wieder lebendig. 359 Jahre nach ihrem Tod soll die in Lemgo als "Hexe" verurteilte Margarete Krevetsiek ihre Ehre wieder erlangen. Das fordert das Ehepaar Ulla und Bernd Krämmer in einem Antrag an den Stadtrat. "Wir waren entsetzt, als wir erfuhren, dass eine unserer Vorfahrinnen als ,Hexe‘ angeklagt und verurteilt worden war." Ulla und Bernd Krämmer interessierten sich für die Geschichte ihrer Familie und ­stießen bei ihren Nachforschungen auf das Schicksal von Margarete Krevetsiek (geborene Siekmann), die um 1595 in Lemgo zur Welt kam. Sie wurde der Hexerei angeklagt und am 10. August 1653 hingerichtet, was aus ihrer 13-seitigen Prozessakte hervorgeht. "Wir sind erstaunt darüber, dass man dieses beklagenswerte Opfer bis heute nicht rehabilitiert hat", so die Krämmers. Sie erkennen zwar an, dass Lemgo "im Gegensatz zu vielen anderen Orten" der Hexenverfolgung zum Beispiel durch einen Gedenkstein an der Kirche St. Nicolai, spezielle Stadtführungen oder das Hexenbürgermeisterhaus die Geschichte der Prozesse immer wieder ins öffentliche Bewusstsein rückt, trotzdem bitten sie den Rat "um eine sozialethische - nicht um eine juristische Rehabilitation".Antrag in die Fraktionen verwiesen Wie sich die Kommunalpolitiker dazu stellen, ist offen. Nach einer ersten Beratung im Kulturausschuss wurde der Antrag in die Fraktionen verwiesen. Er steht jetzt auf der Tagesordnung des Rates, der sich am Montag, 18. Juni, zu seiner nächsten öffentlichen Versammlung trifft. Annette Paschke-Lehmann, Fachbereichsleiterin Kultur in der Verwaltung, verweist auf den "Stein des Anstoßes" zwischen der Rathaus-Rückseite und der Kirche St. Nicolai. Das Mahnmal wurde von der Künstlerin Ursula Ertz gestaltet und erinnert seit 1994 an Maria Rampendahl, die letzte Frau, die in Lemgo als Hexe verfolgt und gefoltert wurde. Sie überlebte ihre Pein und verließ die Stadt 1681. "Der ,Stein des Anstoßes‘ erinnert an alle unschuldig Verfolgten", so Paschke-Lehmann. Sollte sich der Rat darüber hinaus für eine öffentliche Rehabilitation von Margarete Krevetsiek entschließen, wäre er "klug beraten, dies mit allen Opfern der Hexenverfolgung in Lemgo zu tun", so die Fachbereichsleiterin weiter. Rüthen, eine Kleinstadt im Kreis Soest, hat dies bereits getan und so einen Schlussstrich unter ihr dunkles Hexen-Kapitel gezogen.

realisiert durch evolver group