BÜNDE Bünder Archäologe beschäftigt sich mit dem, was vom Kampfe übrig blieb

Detektiv der Schlachtfelder

Herford /Hamburg. Historische Schlachtfelder verraten viel über die Vergangenheit – und doch ist Schlachtfeldarchäologie eine eher junge Disziplin. Der aus Bünden stammende Wissenschaftler Thomas Brock, der inzwischen in Hamburg lebt, hat sich ihr verschrieben. Mit seinem Kollegen Arne Homann hat er jetzt ein Buch zum Thema veröffentlicht. Der reich bebilderte Band geht der Frage nach, was nach dem Ende einer Schlacht bleibt. Die Autoren schlagen den Bogen von den Toten das Tollensetals, einem Schlachtfeld der Bronzezeit, über Kalkriese, das für sich beansprucht , Ort der Varusschlacht zu sein, bis zu den Schlachten des 20. Jahrhunderts. "Schlachten im engeren Wortsinne trug man meist in relativ kurzen Zeiträumen auf großen Flächen aus", schreiben die Autoren. Oft bleiben nur wenige historisch verwertbare Funde wie Feldbefestigungen oder Gräber, dazu verschossene oder verlorene Waffenteile, Munition oder Ausrüstung zurück. Archäologen graben konventionell danach, verwenden aber auch Metalldetektoren. So lassen sich etwa aus der Verteilung der Munition Schlachtverläufe rekonstruieren und mit schriftlichen Quellen abgleichen. In Deutschland stehen derzeit eine Reihe neuzeitlicher Schlachten – vom Deutschen Bauernkrieg über den Dreißigjährigen Krieg bis zum Deutsch-Dänischen Krieg Mitte den 19. Jahrhunderts – im Fokus, vereinzelt aber auch ältere wie das erst 2008 entdeckte Schlachtfeld am Harzhorn. Dort lieferten sich um 235 n. Chr. Römer und Germanen ein erbittertes Gefecht – entgegen der Meinung, dass es nach der Varus-Niederlage keine nennenswerten Vorstöße römischer Legionen nach Germanien mehr gegeben habe. Auch jüngere Schlachtfelder geraten in den Blick, etwa die Schützengräbern aus den Kämpfen im Hürtgenwald 1944/45. Die Autoren begnügen sich erfreulicherweise nicht mit der katalogischen Auflistung der teilweise spektakulären neuen Funde, sondern erläutern auch kurz die historischen Zusammenhänge. Ganz nebenbei zeigen sie, wie ein neuer Forschungszweig entsteht. Thomas Brock, Arne Homann: "Schlachtfeldarchäologie. Auf den Spuren des Krieges", 2011. Theiss, 112 Seiten mit rund 100 farbigen Abbildungen, 24,95 Euro.

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