Lukas staunt über blue und blau, Pauline über rot und red. Faszinierend finden die beiden Sechsjährigen aus der 1a der Diesterwegschule, dass Lehrerin Jessica Schreiner einfach immer nur Englisch redet, egal, ob die beiden auf Deutsch antworten, oder gar nicht. Geschrieben wird übrigens am Anfang im bilingualen Unterricht noch nicht, das Foto ist gestellt. - © FOTOS: KURT EHMKE
Lukas staunt über blue und blau, Pauline über rot und red. Faszinierend finden die beiden Sechsjährigen aus der 1a der Diesterwegschule, dass Lehrerin Jessica Schreiner einfach immer nur Englisch redet, egal, ob die beiden auf Deutsch antworten, oder gar nicht. Geschrieben wird übrigens am Anfang im bilingualen Unterricht noch nicht, das Foto ist gestellt. | © FOTOS: KURT EHMKE

BIELEFELD Schon I-Dötze lernen Englisch

Erste Grundschule in OWL: Bielefelder Diesterwegschule führt bilingualen Unterricht ein

Bielefeld. Als Lukas von seiner Englischlehrerin in bestem Englisch gefragt wird, ob er sich mit "k" oder mit "c" schreibt, bekommt der Sechsjährige Kulleraugen und blickt sich hilfesuchend um. Was soll er sagen? Na, besser nichts. Lukas ist noch in der "silent period", der stillen Phase. Er saugt Sprache auf. Ganz normal für ein Kind, das seit wenigen Wochen Schüler ist und im ersten bilingualen Unterricht an einer Grundschule in Ostwestfalen sitzt. Dann bekommt er aus der Klasse einen Tipp, gemeinsam finden die Kinder heraus, was gemeint ist. Und Lukas sagt: "Mit ,k’". Jede Woche für sieben Stunden lernen die Erstklässler bilingual – heißt: Entweder ist nur Englischlehrerin Jessica Schreiner da; oder es sind zwei Lehrer zuständig, einer spricht Deutsch, einer Englisch. Grundsätzlich. Motto: Ein Lehrer, eine Sprache. Und die Kinder hören zu, antworten auf Deutsch, manchmal, ganz Mutige, auch schon einmal auf Englisch: "Yes – no – thank you", sagt Schreiner. Sie lacht, als sie sich an einen Jungen erinnert, der sagte: "Wait, please" – "da dachte ich nur: wow’."Angebote für alle Kinder Zweisprachig lernen an der Bielefelder Diesterwegschule seit diesem Schuljahr 28 Kinder, gut die Hälfte der Schüler. Verteilt auf zwei Klassen treffen sie sich im Englisch- und Sportunterricht, nach den Herbstferien auch in Musik. Und später dann im Sachunterricht und bei Kunst. Dennoch sind sie keine Klasse – ganz gezielt. Und damit die anderen Kinder sich nicht zurückgesetzt fühlen, gehören sie der anderen Gruppe an, der mit einem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt. Und auch sie haben mehr Englisch als üblich. So schafft es das Pädagogenteam um Schulleiterin Martina Schmidt, einerseits die Idee des bilingualen Unterrichts voranzutreiben, andererseits aber offen zu bleiben für Kinder, die mit einer Sprache genug zu tun haben – und Kinder, die zuziehen; oder herüberwechseln. Bilingualer Sportunterricht: Schreiner sitzt mit ihrer Kollegin Kathrin Schaeffer und der Klasse 1a im Kreis, sie zeigt Bilder von Fuchs, Gans und Ente, nennt die englischen Bezeichnungen. Und dann spielen die Kinder ein Fangen-Spiel, je nach dem, ob goose (Gans) oder duck (Ente) gebrüllt wird."Das macht Spaß" Im Englisch-Unterricht zeigt Schreiner bunte Blumen, nennt die Farben. Die Kinder können sich selbst erschließen, was red (rot) oder blue (blau) bedeutet. Sprechen oder schreiben müssen sie noch nichts, das kommt später. Und natürlich muss alles auch auf Deutsch kommen, "wir müssen ja den Lehrplan einhalten, dazu gehören ja auch deutsche Fachbegriffe", sagt Deutsch-Lehrerin Schaeffer. Dass Schmidt als erste Schulleiterin bilingualen Unterricht einführen konnte, ist für die 38-Jährige, die die Schule erst vor knapp einem Jahr übernahm, ein Geschenk. "Toll, das ist mein Kind, das macht Spaß", sagt sie – und freut sich, dass das Kollegium mitzieht. Gemeinsam waren alle nach Dortmund gefahren, hatten sich dort an einer bilingualen Grundschule Stunden angesehen und sich informiert. "Es war beeindruckend, wie gut die Kinder dort nach einem halben Jahr verstanden und auch schon gesprochen haben." Im bilingualen Unterricht, davon ist Schmidt überzeugt, lernen Kinder "intuitiv Sprache", also neben Deutsch die Fremdsprache: "Das bringt Vorteile fürs Leben." Es sei bewiesen, dass sich schon im Grundschulalter "das Fenster für den Spracherwerb langsam schließt", danach werde nur noch kognitiv gelernt. "Jetzt werden Sprachmuster nebeneinander gebildet – und das erleichtert den weiteren Erwerb von Fremdsprachen." Pädagogen sprechen vom "Sprachbad", das Kinder nehmen. Schmidt ist dabei, ein Nachbarschafts-Netzwerk aufzubauen: Mit der bilingualen Kita der von-Laer-Stiftung, mit dem Ceciliengymnasium, dass sich bilingual entwickeln will. Auch das Helmholtz-Gymnasium in der Nähe bietet zweisprachigen Unterricht an. Vielleicht ja Schulen, auf die Lukas einmal geht. Um dann locker in die nächste Fremdsprache einzusteigen.

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