BIELEFELD Fußball-Einsätze der Polizei kosten 115 Millionen Euro

Allein 600 Beamte sollen verlegtes Derby Münster – Bielefeld sichern

Bielefeld. Papst Benedikt XVI. und die Krawalle beim Münsteraner Auswärtsspiel in Osnabrück haben eine Verlegung des Westfalenderbys zwischen den Drittligisten Preußen Münster und Arminia Bielefeld bewirkt. Die Innenministerkonferenz hatte die Begegnung als "Brisanzspiel" eingeordnet, bei dem mindestens 600 Polizisten eingesetzt werden müssten. Anlass für die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), ihre Forderung nach einer Beteiligung der Verbände an den Einsatzkosten zu erneuern. Die Verlegung des Spiels vom 24. September auf den 8. Oktober  durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist für das NRW-Ministerium eine gute Entscheidung, da wegen des Fußballländerspiels in der Türkei die ersten beiden Bundesligen spielfrei haben. Weniger Einsätze, das freut auch Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt. "Unsere Leute sind wütend und erschöpft", sagt Wendt. Sie kämen gar nicht mehr aus den Stiefeln heraus. So müssten beim Papstbesuch in Berlin über 4.500 Beamte aus ganz Deutschland für Sicherheit sorgen. "30 Prozent der bayerischen Bereitschaftspolizei machen nichts anderes mehr als Fußballeinsätze", sagt Wendt. Er erneuerte seine Forderung nach einer Kostenbeteiligung der Deutschen Fußballliga (DFL) und des DFB. 115 Millionen Euro koste der Polizei-Einsatz während einer Saison. "Meine Forderung nach einer Beteiligung von 50 Millionen Euro ist geradezu ein Freundschaftspreis", sagt Wendt."Doch die Front bröckelt" Bislang fand der DPolG-Chef dafür keinen Zuspruch in der Politik. "Doch die Front bröckelt", sagt er. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern will Wendt Bewegung wahrgenommen haben. "Es ist unerträglich, wenn 17-jährige Balltreter Millionen-Verträge unterzeichnen, aber für 20-jährige Polizisten meist kein Geld da ist, um ihre Überstunden anständig zu bezahlen", sagt Wendt. Am 10. September war es beim Duell der beiden Mannschaften aus den Friedensstädten Osnabrück und Münster zu Ausschreitungen gekommen, bei denen 29 Personen, darunter fünf Polizisten, verletzt worden waren, einige von ihnen schwer. Der SC Preußen Münster verzichtete daraufhin auf die bereits erteilte Sondergenehmigung der Aufstockung der Besucherzahl von 15.000 auf 18.000 Zuschauer. Bis zu 3.700 Arminia-Anhänger werden zum Spiel nach Münster reisen. Polizei, Fan-Beauftragte und Vorstände beider Vereine versuchen nach eigenen Aussagen, durch eine enge Abstimmung die Sicherheit vor und im Preußenstadion zu organisieren. Szenekundige Beamte stünden im Kontakt mit bekannten Problemfans. "Wir werden die Sicherheit im Stadion für die friedlichen Fans gewährleisten", verspricht Münsters Polizeisprecherin Tanja Lassen.Derweil wächst die Sorge Derweil wächst die Sorge, dass gewaltbereite Fans aus ganz Deutschland den spielfreien Tag 8. Oktober nutzen könnten, in Münster für Krawalle zu sorgen. Auch deswegen bemühen sich beide Vereine, um eine erneute Terminverlegung durch den DFB.

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