Mitten im Bundestagswahlkampf zur Jahreswende 1986/87 bat die Bielefelder FDP zum Pressegespräch ins Lessinghaus. Von links: Der damalige FDP-Kreisvorsitzende Rudolf Möllenbrock (1999 gestorben), NRW-Landesvorsitzender Jürgen Möllemann (2003 gestorben) und der damals 25-jährige Bielefelder FDP-Bundestagskandidat Guido Westerwelle. - © ARCHIVFOTO: DIETER JOHNER
Mitten im Bundestagswahlkampf zur Jahreswende 1986/87 bat die Bielefelder FDP zum Pressegespräch ins Lessinghaus. Von links: Der damalige FDP-Kreisvorsitzende Rudolf Möllenbrock (1999 gestorben), NRW-Landesvorsitzender Jürgen Möllemann (2003 gestorben) und der damals 25-jährige Bielefelder FDP-Bundestagskandidat Guido Westerwelle. | © ARCHIVFOTO: DIETER JOHNER

BIELEFELD Westerwelles Karriere-Start in OWL

Jurastudent wurde 1987 Bundestags-Kandidat der Bielefelder FDP

Bielefeld. Am späten Abend des 8. April 1986, also an diesem Freitag vor genau 25 Jahren, erhielt auf einem außerordentlichen Kreisparteitag der Bielefelder FDP ein gewisser Guido Westerwelle 60 Ja-Stimmen und kassierte viermal Nein bei vier Enthaltungen. Der gerade einmal 24-jährige Jurastudent aus Bonn war zum Bundestagskandidaten der Liberalen im Wahlkreis 102 (Bielefeld) gewählt worden. Es war der Beginn einer großen Karriere. Vor zehn Jahren führte sie ihn schließlich an die Spitze der FDP. Während Westerwelle nach tagelanger Kritik am vergangenen Sonntag seinen Rückzug von der Parteispitze ankündigte, erinnern sich in Bielefeld viele an seine ersten öffentlichen Auftritte im Wahlkampf an der Jahreswende 1986/87 in Bielefeld. Der junge Westerwelle war damals Bundesvorsitzender der neuen Nachwuchsorganisation der FDP, der Jungen Liberalen (Julis). Stellvertretender Landesvorsitzender der Julis war zu diesem Zeitpunkt der ein Jahr ältere Thomas Seidenberg, heute Kreisvorsitzender der Bielefelder FDP. "Ich kannte Westerwelle schon seit der Gründungsversammlung der JuLis am 1. November 1980 in Bad Godesberg. Westerwelle war damals 19, ich 20", erinnert sich Seidenberg.Überragendes Talent war damals schon erkennbar 1986 saß Seidenberg außerdem bereits für die FDP im Stadtrat. "Westerwelles überragendes politisches Talent war damals schon erkennbar. Ich wusste, dass er unbedingt für den Bundestag kandidieren wollte. Zuhause in Bonn gab’s Schwierigkeiten bei der Nominierung", sagte Seidenberg gestern im NW-Gespräch. "Ich war überzeugt, dass wir JuLis Westerwelles hier in Bielefeld in unserer Partei als Kandidaten durchsetzen können." Seidenberg behielt Recht. Zwar gab es im Kreishauptausschuss der Bielefelder Liberalen eine etwas längere Diskussion über die Personalie. Vor allem die frühere Bürgermeisterin Gisela Schwerdt, damals gerade zur Präsidentin von Arminia Bielefeld gewählt, und der FDP-Kreisvorsitzende Rudolf Möllenbrock setzten sich für eine Kandidatur Westerwelles ein. Schwerdt war damals Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion und verzichtete auf eine erneute Bundestagskandidatur für ihre Partei. Es gab aber auch Leute in der FDP, die gegen die Kandidatur eines jungen Studenten aus Bonn in Bielefeld waren. Von ihnen wurde der damalige FDP-Ratsherr und Dekra-Geschäftsführer Horst Siemer als Kandidat vorgeschlagen. Doch Siemer winkte ab, so dass Westerwelle schließlich einziger Bewerber war. Am 8. April 1986 schließlich fuhr Westerwelle im Haus des Handwerks die große Mehrheit bei der Nominierung als FDP-Bundestagskandidat ein. "Der junge Mann parierte alle Fragen der ,sehr geehrten Damen und Herren‘ von der Parteibasis mit fertigen Antworten", schrieb der damalige NW-Reporter Wilfried Massmann mit feiner Ironie.Seine Eltern stammten aus Bad Salzuflen Immerhin hatte Westerwelle durchaus Verbindungen nach Ostwestfalen-Lippe. Seine Eltern stammten aus Bad Salzuflen. Er selbst wurde bereits in Bonn geboren, wo sein Vater als Rechtsanwalt tätig wurde. Sohn Guido studierte dann in Bonn Jura, um ebenfalls Rechtsanwalt zu werden. Im Wahlkampf 1986/87 kam Westerwelle bei Verwandten in Bad Salzuflen unter. Von dort aus führte er seine Kampagne in Bielefeld. Die verwandtschaftlichen Beziehungen ins Lippische pflegt Westerwelle übrigens bis heute. Das spätere Ergebnis der Bundestagswahl am 25. Januar 1987 kann Guido Westerwelle allerdings nicht als einen seiner größten Erfolge bezeichnen. 3,5 Prozent der Erststimmen erhielt der Jurastudent. Immerhin waren dies 0,5 Prozent mehr als Gisela Schwerdt vier Jahre zuvor. Denkbar knapp mit gerade einmal 134 Stimmen Vorsprung vor CDU-Kandidat Reinhard Meyer zu Bentrup holte der Sozialdemokrat Günter Rixe erstmals das Bundestagsmandat. Für die Grünen erzielte Antje Vollmer 9,2 Prozent der Erststimmen (1983:5,7 Prozent). Westerwelle stand damals auf der FDP-Landesliste auf Platz 15 und verpasste den Einzug in den Bundestag knapp. In das Berliner Parlament zog der Bonner erst 1996 ein. Zu dem Zeitpunkt war er bereits FDP-Generalsekretär. Seidenberg hat bis heute Kontakt zu Westerwelle. Erst in der vergangenen Woche erhielt er zu seinem 50. Geburtstag einen Glückwunsch-Brief von ihm. "In Dankbarkeit und mit Freude" gratulierte ihm "Dein Guido".

realisiert durch evolver group