Christian Bieberstein (links) von der Fan-Initiative "Unsere Kurve" mit DSC-Präsident Wolfgang Brinkmann. - © FOTO: SIMON BLOMEIER
Christian Bieberstein (links) von der Fan-Initiative "Unsere Kurve" mit DSC-Präsident Wolfgang Brinkmann. | © FOTO: SIMON BLOMEIER

BIELEFELD Diskussion über Fußball-Kommerz und Fan-Kultur

Arminia-Anhänger: "Der Fußball gehört uns Fans"

Bielefeld. Die Frage ist nicht neu: Wem gehört der Fußball? Den Fans? Den Vereinen? Dem Fernsehen? Unter dem Titel "Wenn Geld Tore schießt: Fußball zwischen Kommerzialisierung und Fankultur" diskutierten Fan-Vertreter mit dem DFL-Fanbeauftragten Thomas Schneider, der EU-Parlamentarierin Petra Kammerevert (SPD) und Arminia-Präsident Wolfgang Brinkmann. Die SPD, das Fanprojekt, die Uni und die Fan- und Förderabteilung ASC des DSC Arminia hatten in die Schüco-Arena geladen. "Kommerzialisierung des Sports artet aus" Auf die Frage des Autors und Moderators der Diskussion, Volker Backes, wer Anspruch auf den Fußballsport erheben dürfe, hatte Arminia-Anhänger Dirk Fleischer eine klare Antwort: "Der Fußball gehört uns Fans. Ohne uns würde es ihn nicht geben." Fleischer kritisierte die voranschreitende Kommerzialisierung des Sports, "die ausartet, so dass die Fans eingeschränkt werden." Christian Bieberstein von "Unsere Kurve", einer bundesweiten Fan-Initiative, sagte: "Wappen, Tribünen und Stadionnamen sind Identifikationssymbole, die den Fans genommen werden." Mittlerweile haben viele Fußballvereine den Namen ihres Stadions an Firmen verkauft. Der Fanbeauftragte der Deutschen Fußball Liga (DFL), Thomas Schneider, erklärte, dass dies eine gängige Praxis sei: "Das ist ein Mainstream-Mittel, um Stadien zu refinanzieren. Das weiß jeder Fan – auch der Sozialromantiker." Schneider: "Fußball gehört jedem ein bisschen, das will nur keiner hören." In unserer kapitalistischen Welt könne der beliebte Sport keine Ausnahme darstellen. Große Kritik zur Veränderung der Fußball-Spielzeiten Zu großer Kritik hatte die Veränderung der Fußball-Spielzeiten im Zuge der TV-Übertragungsrechte geführt. Bieberstein: "Bei den Anstoßzeiten wurde die Grenze schon lange überschritten. Kein Mensch der Welt fährt gerne am Freitagabend um 18 Uhr zum Fußball." Die etwa 90 Zuhörer quittierten die Aussage mit kräftigem Applaus. Allerdings: Schneider versicherte, dass die Zuschauerzahlen seit der Anstoß-Änderung angestiegen seien – in der 1. und 2. Bundesliga. Fragt sich nur, ob wegen oder trotz der neuen Anpfiff-Zeiten. DSC-Präsident Brinkmann betonte die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs. Die 1. Bundesliga habe jährlich 12,8 Millionen Zuschauer, schaffe 40.000 Arbeitsplätze und mache jährlich zwei Milliarden Euro Umsatz. Von der 1. Liga kann sein Verein, Arminia Bielefeld, aktuell höchstens träumen. So musste der Präsident sich der Frage stellen, ob Profifußball in Bielefeld noch finanzierbar ist, gerade bei einem drohenden Abstieg in die 3. Liga. Brinkmann: "Ich glaube, ja." Der Präsident, im Hauptberuf Chef der Stadtwerke Bielefeld, räumte zwar ein, dass der Verein seine Schulden nicht mehr alleine bezahlen könne. "Wir brauchen Unterstützung", appellierte er an die Stadt, Banken und Sponsoren. Wichtiger sei für ihn die Frage, ob Bielefeld eine richtige Fußballstadt sei. Ob man davon ausgehen könne, dass Stadt, Wirtschaft und Politik den Verein unterstützten. Seine Antwort: "Da könnte mehr kommen."

realisiert durch evolver group