Tönnies muss vor Gericht

Verdacht auf Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz / Betrugsvorwurf vom Tisch

Essen. Clemens Tönnies kommt auf die Anklagebank. Der Inhaber des größten europäischen Fleischverarbeitungsunternehmens und Aufsichtsratsvorsitzende des Bundesligavereins Schalke 04 muss sich zusammen mit zwölf weiteren teils hochrangigen Mitarbeitern seines Konzerns wegen Verstößen gegen das Lebensmittelgesetz vor dem Essener Landgericht verantworten. Das bestätigte der Essener Gerichtssprecher Mathias Kirsten. Der Prozess werde voraussichtlich im Februar beginnen. Die Bochumer Staatsanwaltschaft hatte den Beschuldigten einen großangelegten Betrug bei der Mischung von Hackfleisch zur Last gelegt. Aus Sicht des Essener Landgerichts sei dieser schwerwiegendere Vorwurf aber nicht aufrecht zu erhalten, sagte Kirsten. Den Abnehmern des Hackfleisches, darunter die großen Konzerne Lidl und Aldi, sei "kein Vermögensschaden" entstanden, sie hätten ihr Geld vom Kunden erhalten. Weil im Tönnies-Hackfleisch angeblich zu wenig Rinderanteil war, bleibe aber der Vorwurf der falschen Etikettierung bestehen. Damit droht nur noch Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Die Bochumer Staatsanwaltschaft will Beschwerde einlegen. Tönnies-Anwalt Sven Thomas sowie Tönnies zeigten sich dennoch erleichtert. Alle "gravierenden Verdachtssachverhalte" seien nun "vom Tisch". Die Etikettierung sei "im Einklang mit bestehendem europäischem Recht" erfolgt. Man habe am Essener Landgericht die Vorlage des Verfahrens beim Europäischen Gerichtshof beantragt.

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