BIELEFELD/KARLSRUHE - UPDATE 13.45 UHR Letzte Chance für das Kreisklassen-YouTube

Klage gegen Hartplatzhelden vor Bundesgerichtshof

Bielefeld/Karlsruhe. Deniz Dogan, Fußballspieler des FC Kalbach (Hessen), springt ab, bringt sich in Schräglage und trifft mit der Sohle ins Tor. Ein Videofilmer stellte einen Mitschnitt des spektakulären "Seitfallziehers" bei Hartplatzhelden.de ins Internet – das Video wurde mehr als 20.000 Mal aufgerufen. Ob das legal ist, darüber verhandelt heute der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Der Württembergische Fußballverband (WFV) hat die Betreiber der Seite verklagt, weil sie seiner Ansicht nach nicht das Recht haben, Videos vom Jugend- und Amateurspielen im Internet zu zeigen. Das Land- und das Oberlandesgericht Stuttgart gaben der Klage 2008 und 2009 statt, die Hartplatzhelden gingen zwei Mal in Revision. Die Verhandlung vor dem I. Zivilsenat des BGH ist jetzt die letzte Chance für das "Kreisklassen-YouTube". Dort kann jeder, der Hobby-Kicker gefilmt hat, seine Filme hochladen. Eine Redaktion sichtet und schneidet sie, eine prominent besetzte Jury (mit den Moderatoren Günter Jauch, Manni Breuckmann sowie Ex-Profi Marco Bode) wählt den "Hartplatzhelden-Torschützen des Jahres". Mehr als 600 Videos sind mittlerweile im Netz, die beliebtesten haben mehrere zehntausend Klicks.Prozess aus der eigenen Tasche finanziert Heiner Baumeister, Pressesprecher des WFV, sagt, es gehe dem Verband nicht darum, alle Amateurvideos zu verbieten: "Wir wollen geklärt haben, ob jemand Videos von Amateurspielen ins Netz stellen und sie kommerziell verwerten darf." Hartplatzhelden ist eine GmbH und finanziert ihre Seite mit Werbung. "Wenn Hartplatzhelden nicht kommerziell wäre, hätten wir kein Problem damit." Der Verband wisse zwar, dass man mit Videos von Kreisliga-Partien nicht reich würde, aber dieser Markt würde wachsen. Der Gründer und Geschäftsführer von Hartplatzhelden, Oliver Fritsch, hält dagegen: "Wir betrachten die Vereine und Spieler als Rechteinhaber." Die Verbände würden wenig zu einem Spiel beitragen. Es gebe außerdem einen Unterschied zwischen Amateur- und Profifußball: "Wir schaden keinem, wir nutzen ihnen", sagt Fritsch über die Amateurvereine. Werbung zu schalten sei die einzige Möglichkeit, die Seite zu finanzieren, daran könne er "nichts Verwerfliches" erkennen. Der Verhandlung beim BGH heute um 10 Uhr sieht Fritsch mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. "Ich bin unentschlossen", sagt er, "das wird ein schweres Auswärtsspiel." Der mehrjährige Prozess hat ihn und seine Mitstreiter mittlerweile 50.000 Euro gekostet. Sie haben sie fast komplett aus den eigenen Taschen finanziert, 5.000 Euro stammen aus Spenden. Die Seite der Hartplatzhelden wird deswegen kaum noch gepflegt – in Zukunft wird Deniz Dogan mit seinen Tricks womöglich wieder nur die Kalbacher beeindrucken. UPDATE 13.45 Uhr: Wie die Nachrichtenagentur dpa meldet, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Bornekamm bei der Verhandlung, dass sich der Fall mit dem gängigen Wettbewerbsrecht nicht lösen lasse. Vielmehr ziele das Ansinnen des Fußballverbandes auf einen umfangreichen "Event-Schutz". In dieser Frage seien die Gerichte in den vergangenen Jahren allerdings "sehr zurückhaltend" gewesen. "Es braucht eine klare Aussage, dass diese Leistung des Schutzes bedarf", sagte Bornkamm. Die Entscheidung des BGH soll am (heutigen) Nachmittag oder spätestens am Freitag verkündet werden.

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