BIELEFELD Lehrer bedrängte Schülerin

Jugendschöffengericht verhängt Bewährungsstrafe

Bielefeld. Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes ist ein 58-jähriger Bielefelder Lehrer vom Jugendschöffengericht zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Schulbehörde hatte ihn bereits nach Bekanntwerden des Übergriffs fristlos aus dem Dienst entlassen. Der Angeklagte besitzt die türkische Staatsbürgerschaft und erteilte als angestellter Lehrer an verschiedenen Bielefelder Schulen muttersprachlichen Unterricht in Türkisch. Laut Urteil beging er den Übergriff am 16. September 2009 in der Gesamtschule Rosenhöhe. Bei dem Opfer handelte es sich um eine elfjährige Schülerin, die eigentlich gar nicht zu der Klasse gehörte, die der Mann unterrichtete, sondern nur ihre Freundin begleitet hatte, mit der sie anschließend nach Hause gehen wollte. Nachdem der Lehrer der Schülerin bereits zu Beginn der Stunde ein Kompliment gemacht und ihr über die Haare gestrichen hatte, griff er ihr später mit beiden Händen von hinten an die Brust, "leckte ihr an den Lippen", so die Anklage und küsste sie. Das Kind verließ danach den Klassenraum, erzählte aber vorher noch seiner Freundin von dem Vorfall.Geschehen spielte sich im Computerraum ab In der Hauptverhandlung bestritt der Angeklagte die Missbrauchshandlung und behauptete, er habe dem Mädchen lediglich über die Haare gestrichen. Das Gericht unter Vorsitz von Muna Eid vernahm eine Kripobeamtin und die übrigen damals anwesenden Kinder als Zeugen. Nicht alle hatten den Zwischenfall mitbekommen. Das lag daran, dass sich das Geschehen im Computerraum abgespielt hatte. Dort ist die Sitzordnung so gestaltet, dass sich die Schüler die Rücken zukehren. Aufgrund der Zeugenaussagen sah das Gericht den Angeklagten als überführt an. Das Urteil entsprach dem Antrag von Amtsanwalt Nils Wennemann. Rechtsanwältin Heidi Saarmann, die das Opfer im Prozess als Nebenklägerin vertrat, hatte sich Wennemanns Antrag angeschlossen. Verteidiger Knut Recksiek hatte auf Freispruch plädiert. Das Gericht erteilte dem 58-Jährigen die Bewährungsauflage, 2.000 Euro an das Bielefelder Mädchenhaus zu zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Verteidiger kündigte Berufung an.

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