Beim Einsatz muss die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen reibungslos funktionieren. Das tut sie bislang auch. Doch hinter den Kulissen wird es langsam brandheiß. - © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN
Beim Einsatz muss die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen reibungslos funktionieren. Das tut sie bislang auch. Doch hinter den Kulissen wird es langsam brandheiß. | © FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

GÜTERSLOH Schwelbrand bei der Feuerwehr

Konflikt zwischen Freiwilligen und Hauptamtlichen

Gütersloh. Wenn es brennt, kommt die Feuerwehr. Den Bürger interessiert es in seiner Not wenig, ob in der blauen Uniform ein Beamter oder ein Freiwilliger steckt, ob er fürs Löschen bezahlt wird oder seine Freizeit opfert. Für die Feuerwehrleute ist es ein gewaltiger Unterschied. Die Glut, die zwischen Hauptamtlichen und Freiwilligen seit Jahren schwelt, ist durch den Plan der Stadt, eine Berufsfeuerwehr einzurichten, neu entfacht. In der vergangenen Woche hat der stellvertretende Wehrführer Jürgen Bresch, seit 43 Jahren Feuerwehrmann, sein Amt niedergelegt und ist zurück ins Glied des Freiwilligen Löschzugs Isselhorst getreten. Er befürchtet, dass der Einfluss der Freiwilligen Feuerwehr durch die Berufsfeuerwehr beschnitten wird und dass die in Aussicht gestellten Einsparungen Augenwischerei sind. Bisher wird der Wehrführer vom Stadtrat alle sechs Jahre neu ernannt. Voraus geht eine Anhörung, bei der der Kreisbrandmeister auch die Meinung der Freiwilligen Löschzüge einholt. Der Stellvertreter kommt stets aus den Reihen der Freiwilligen Löschzüge. Das würde sich mit einer Berufsfeuerwehr ändern. Fachbereichsleiter Hans-Joachim Koch würde automatisch Wehrführer bleiben, einen von den Freiwilligen ernannten Stellvertreter würde es nicht mehr geben. Das fällt laut Koch, seit zehn Jahren Wehrführer, auch nicht weiter ins Gewicht. Nach seiner Darstellung hatte der Stellvertreter ohnehin nur repräsentative Aufgaben wahrgenommen. "Ich habe den Löschzügen angeboten, in einer Vereinbarung festzuschreiben, dass die Freiwilligen einen Stadtbrandinspektor wählen, der gleichsam als Sprecher ihre Interessen vertritt." Koch versteht die Aufregung nicht. "Im haupt- und ehrenamtlichen Betrieb der Feuerwehr ergeben sich keine Unterschiede, die der Einzelne merkt." In einer Besprechung mit den Löschzugführern habe er das Projekt vorgestellt und bei den geäußerten Bedenken kein einziges nicht zu entkräftendes Argument gehört. "Da wird die Welle um nichts gemacht." Für die Stadt sei die Umwandlung der Feuerwehr ein Sprung nach oben. "Wir sind automatisch Mitglied in landesweiten Arbeitskreisen, der Informationsaustausch gerade mit größeren Feuerwehren würde entscheidend verbessert." Zusätzlich würden bei den Mitgliedsbeiträgen zur Unfallkasse andere Rabatte gelten, so dass die Stadt 27.000 Euro jährlich einspare. Der Spexarder Löschzug sieht dagegen nur Nachteile. Das Angebot des Stadtbrandinspektors sei nur ein Almosen. "So eine Vereinbarung hat keinen bindenden Charakter", sagt Martin Horsthemke. Er befürchtet, dass der Status der Ehrenamtlichen weiter unterhöhlt wird. Eine Entwicklung, die er und seine Kameraden seit Jahren mit großer Sorge beobachten würden. Die Freiwilligen Löschzüge hätten bei Einsätzen kaum noch etwas zu sagen, seit geraumer Zeit würde automatisch der Dienstgruppenführer der hauptamtlichen Wache den Einsatz leiten, obwohl die Freiwilligen, da vor Ort, oftmals als erste an der Brandstelle seien. Man habe das Gefühl, zur Feuerwehr zweiten Ranges degradiert zu werden. "Das Vertrauen ist erschüttert", sagt Horsthemke. Der Plan für die Berufsfeuerwehr sei nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe. Das bestätigt auch Thomas Brunemeier, Führer des Löschzuges Gütersloh. Er berichtet, dass ausnahmslos alle Löschzugführer ihre über der Uniform am Einsatzort getragene Weste mit dem Schriftzug "Löschzugführer" abgelegt hätten. "Wenn wir ohnehin nichts mehr zu sagen haben, müssen wir auch nicht zu erkennen sein." Brunemeier verhehlt allerdings nicht, dass sich bei einer Befragung aller Freiwilligen sein Löschzug mehrheitlich für die Berufsfeuerwehr ausgesprochen habe. Isselhorst und Spexard hätten dagegen votiert. Im Mai wird es ein weiteres Treffen zwischen Koch und den Löschzugführern geben. Ob die Wogen bis dahin geglättet werden, erscheint derzeit zweifelhaft. Obwohl Koch für mehr Sachlichkeit plädiert und betont: "In Gütersloh funktioniert Feuerwehr nur in der Kombination von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften."

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