Thomas Dickenbrok (r.) und Marcus Kida programmieren Apps für das iPhone. Die Icons (Programmgrafiken) werden vor der Veröffentlichung abgerundet und mit einem "Gloss-" (Glanz) Effekt versehen. Apple findet das schick. - © FOTO/COLLAGE: GERALD DUNKEL
Thomas Dickenbrok (r.) und Marcus Kida programmieren Apps für das iPhone. Die Icons (Programmgrafiken) werden vor der Veröffentlichung abgerundet und mit einem "Gloss-" (Glanz) Effekt versehen. Apple findet das schick. | © FOTO/COLLAGE: GERALD DUNKEL

HERFORD Die "App"-Schmiede an der Mindener Straße

Herforder EventVoiceMedia GmbH auf Erfolgskurs im Getümmel der Applikationen für die Mobilfunkbranche

Herford. Thomas Dickenbrok spricht von Goldgräberstimmung, wenn er von den "Apps" erzählt. An die 100.000 dieser kleinen Programme für Apples iPhone sind derzeit auf dem Markt - besser gesagt im "AppStore". In einer kleinen, aber feinen Softwareschmiede an der Mindener Straße mischt Dickenbroks EventVoiceMedia GmbH seit zwei Jahren mit im Getümmel der großen und kleinen Helferlein, Spiele, sinnvollen und bisweilen auch sinnfreien Progrämmchen für die Mobilfunkbranche. Das Firmengebäude, ein Wohnhaus, ist eher unscheinbar - und auch so gewollt. "Wir brauchen keinen Luxuspalast mit großer Glasfassade", sagt der 35-Jährige, der von Haus aus Diplom-Pädagoge mit Schwerpunkt Bildung und Medien ist. "Wir sitzen mit unseren Kunden lieber gemütlich in unserer Sitzecke, um über künftige Projekte zu sprechen." Software-Entwickler Marcus Kida (24), er stammt ursprünglich aus dem Rettungsdienst, pflichtet seinem Chef bei. Eine wohnliche Umgebung fördere die Kreativität. EventVoiceMedia (EVM) existiert aber nicht erst seit Beginn der "Apptomanie", kurz nach der Einführung des ersten iPhones im Sommer 2007. Bereits vor zehn Jahren von Thomas Dickenbrok gegründet, liegt der Schwerpunkt generell auf der Kommunikationsschiene (siehe Info-Kasten). So auch die Apps (gesprochen: "Äps"), die schnell zu einer neuen Leidenschaft von Dickenbrok und Kida geworden sind, die sich damit aber auch dem strengen, bisweilen auch arrogant anmutenden Reglement des Apple-Konzerns unterwerfen. Dickenbrok: "Da kann einem schon mal die Schlagader anschwellen." Apps kann jeder veröffentlichen, der über die kostenlose Programmiersoftware von Apple verfügt und eine Jahresgebühr von 79 Euro zahlt. "Dafür kann man dann unbegrenzt Apps in den AppStore stellen", erklärt Marcus Kida. Die Preise in diesem virtuellen Programmladen, der entweder nur über das iPhone selbst oder über einen Computer mit der ebenfalls kostenlosen Zusatzsoftware iTunes betreten werden kann, variieren zwischen "kostenlos" und 15,49 Euro. In Ausnahmen wie beispielsweise Navigationssoftware sind auch Preise bis zu 99 Euro drin. 25 Euro pro Monat gibt jeder iPhone-Besitzer im Schnitt für Apps aus. "Sind wir mit einer App fertig, schicken wir sie online zu Apple. Dort wird sie unter die Lupe genommen, bevor sie im AppStore erscheint und gekauft werden kann", erklärt Programmierer Kida. Dickenbrok holt Luft und ergänzt: "Und genau da muss man an den Richtigen geraten. Wenn man Glück hat, interessiert er sich für das, was die App kann. Dann kommt man schnell an die Reihe." Die Kommunikations-Apps aus Herford kommen aber relativ schnell an die Reihe. Sie treffen den Nerv der Zeit und haben zudem noch kleine Zusatzfunktionen an Bord, die Dickenbrok als "nette Gimmicks" bezeichnet. "Wenn man ein Kochbuch als App veröffentlicht, gibt ein integrierter Timer, der signalisiert, wenn das Essen fertig ist, oder eine interaktive Einkaufsliste für die Rezepte, die man im Supermarkt abhaken kann, den Pfiff", erklärt Dickenbrok. Mit den eigenen Programmen hat die EVM GmbH im Januar die Downloadzahl von 50.000 überschritten und rangieren seit Monaten in den Bestenlisten. Ganz vorn steht dabei der "AppSender", der es ermöglicht, weltweit SMS für die Hälfte des Preises zu versenden, für den die meisten Mobilfunkanbieter diesen Dienst anbieten. Mit "Numma" lassen sich die tatsächlichen Mobilfunkbetreiber einer Handynummer ermitteln (selbst wenn der Anbieter gewechselt wurde), was je nach abgeschlossenem "Handyvertrag" Geld bei Anrufen oder Kurznachrichten sparen kann. Mit der App "Faximo" lassen sich Faxe versenden und "Postkarte" ist momentan noch in der Testphase. Damit lassen sich Postkarten per iPhone versenden, die gedruckt und laminiert zugestellt werden. Dickenbrok und Kida nehmen aber auch Auftragsarbeiten von Kunden an. Der Berliner Radiomoderator Thomas Koschwitz ließ sich eine App programmieren, mit der es möglich ist, Audiodateien mit dem iPhone aufzunehmen und ihm zuzusenden. Koschwitz verwendet diese Beiträge dann in seinen Radiosendungen. Eine gemischte Musik-/Image App haben Dickenbrok und Kida für den "deutschen Sinatra" Tom Gaebel produziert. Die Ideen gehen Thomas Dickenbrok und Marcus Kida nicht aus. Besonders für Unternehmen bieten sich nach Ansicht der Beiden auf dem App-Markt große Chancen. Eine eigene Firmen-Applikation für Mobiltelefone mit Mehrwert für den Nutzer - das sei die Zukunft. Und bei von Experten erwarteten acht Millionen Apps im Jahr 2013 ist das ein sehr sehr großer Markt.

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