Vor allem zur Mittagszeit haben die Mitarbeiter der Imbisskette "Hans Wurst" alle Hände voll zu tun. Die Kunden wollen sich selbst von der Qualität der günstigen Bratwurst überzeugen. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Vor allem zur Mittagszeit haben die Mitarbeiter der Imbisskette "Hans Wurst" alle Hände voll zu tun. Die Kunden wollen sich selbst von der Qualität der günstigen Bratwurst überzeugen. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

BIELEFELD Es geht um die Wurst

Ein neuer Anbieter mischt mit Niedrigpreisen die Bielefelder Imbiss-Szene auf

Bielefeld. Ob Bratwurst, Pommes oder die gute alte Currywurst, die Deutschen lieben die heißen Snacks vom Grill und aus der Friteuse. Mit der Eröffnung der neuen Imbisskette "Hans Wurst" hat in Bielefeld ein Preiskampf begonnen, vor dem sich viele Imbissbuden-Besitzer fürchten. Die Kunden sind geteilter Meinung über Qualität, Portionsgröße und Geschmack. "Vom Kaffee bis zur Pommes, bei uns kostet alles einen Euro", sagt Gerd Delker von "Hans Wurst". Die Entstehung des in Löhne ansässigen Unternehmens ist nur schwer nachvollziehbar. Delker sagt, ein Bekannter habe die Idee gehabt, als er eine zu teure Bratwurst bestellte. Zusammen mit Wirtschaftsprüfern entwickelte dieser dann das "Hans-Konzept". Der Bekannte habe schon einmal eine Discount-Kette initiiert. "Er möchte aber auf keinen Fall genannt werden", sagt Gerd Delker. Der selbst sagte, er sei Gesellschafter des Unternehmens. Nach Durchblick des Handelsregisters fand sich nur eine Gesellschafterin: Manuela Bonk. Die "Hans-Wurst-Imbisse" in Bielefeld liegen im Jahnplatz-Forum und an der Eckendorfer Straße. Zu realisieren seien die Preise durch die Abnahme sehr hoher Stückzahlen und durch den Getränkeverkauf. Verträge werden auf ein Jahr im Voraus geschlossen, so kann der Wursthersteller einfacher planen und einen günstigeren Preis garantieren. Die einzelnen Buden werden dann täglich von der Zentrale in Löhne aus beliefert. Die Konkurrenz wundert sich, wie bei solch niedrigen Preisen Qualität garantiert werden kann. "Ich zahle schon 79 Cent beim Erzeuger für eine Wurst, dazu kommen noch Steuern, wie soll ich die für einen Euro verkaufen?", sagt Frank Kirschstein. Ihm gehört der Snackwagen vor dem Jibi-Markt an der Eckendorfer Straße. Nur wenige Meter weiter hat die neue Discount-Konkurrenz eröffnet. "Am ersten Tag hatte ich viel weniger Kunden, aber alle kamen wieder", sagt Kirschstein. Eine Frage der Qualität? Über gute oder schlechte Qualität möchte sich "Jahrmarkt-Wurstkönig" Peter Schneider nicht äußern. Er glaubt aber, dass sich die niedrigen Preise auf Dauer nicht halten lassen. "Wie auch? Unter 50 Cent pro Wurst geht im Einkauf nichts", sagt Schneider. Dazu kämen Kosten für Teller, Senf, Brötchen, Servietten, Miete, Strom und natürlich auch Personal. "Die werden einige Konkurrenten platt machen, aber rentieren kann sich das nicht." Auch die Konkurrenz im Jahnplatz-Forum ist wenig begeistert. Ein Fast-Food-Verkäufer verrät: "Ich verdiene fast nichts, diese Idee ist bescheuert." Er meint, wenn sämtliche Konkurrenten auch so günstig werden, würde keiner überleben. "Ist doch klar, dann verteilen sich die Kunden wieder und alle haben zu wenig." Diese Gier nach Billigem ärgert Fleischermeister Siegfried Damisch. Auch er sagt, dass eine Bratwurst für einen Euro nicht herzustellen sei. Darum glaubt er auch nicht, dass sich "Hans Wurst" lange am Markt halten kann. Zwar sei das günstige Konzept für viele Menschen interessant, er hofft aber auf das Vertrauen in seine Qualität. "Lebensmittel sind Mittel zum Leben, gute Bratwurst ist ein Stück Lebensgefühl." Gerd Delker ist nicht überrascht von der Kritik. Er betont aber, dass die Ware regelmäßig kontrolliert werde und die Imbisskette für Verlässlichkeit stehe. "Aber ich verstehe, dass die Konkurrenz unsere niedrigen Preise kaum glauben kann." Vielen Kunden scheint das "Hans-Prinzip" aber – anders als den Kritikern – zu gefallen. Lange Schlangen bilden sich zur Mittagszeit im Jahnplatz-Forum. Auch mit Geschmack und Qualität sind sie zufrieden. "Die Pommes und die Currywurst sind echt in Ordnung", sagt Alexander Möhle. Dreimal war er schon da – und wie er sagt: nicht zum letzten Mal.

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