BIELEFELD Korruption bei Doktorarbeiten: Einige Professoren zahlten Geldstrafen

Uni Bielefeld kontaktiert Staatsanwaltschaft

Bielefeld/Köln. In dem bundesweiten Skandal um Korruption bei Doktorarbeiten gibt es mittlerweile zahlreiche Reaktionen. Universitäten und Ministerien haben nach der Enthüllung der Neuen Westfälischen reagiert und Konsequenzen angekündigt. Wie ausführlich berichtet, sollen etwa 100 Professoren aus ganz Deutschland in den vergangenen Jahren regelmäßig Schmiergelder vom "Institut für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach angenommen haben, damit sie teilweise ungeeignete Doktoranden bei deren Promotionen betreuten. Die Ermittlungen sind nach Informationen der Neuen Westfälischen schon weit gediehen. So haben zahlreiche Hochschullehrer bereits Geldstrafen akzeptiert. Dies bestätigte gestern der Kölner Oberstaatsanwaltschaft Günther Feld auf Anfrage. Andere Verfahren seien wegen geringer Schuld und nach der Zahlung von Geldbußen eingestellt worden. Bei den Beschuldigten handelt es sich zumeist um Privatdozenten. Die strafrechtliche Verfolgung könne sich wegen der Verjährungsfristen nur auf die letzten fünf Jahre beziehen, sagte Oberstaatsanwalt Feld. Das "Institut für Wissenschaftsberatung" war etwa 20 Jahre am Markt und hatte sich als "Doktorfabrik" gerühmt. Der Geschäftsführer des Instituts wurde bereits im vergangenen Jahr vom Landgericht Hildesheim wegen Bestechung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt – nun könnte er womöglich erneut angeklagt werden. Damals wurde vom Landgericht Hildesheim auch ein Juraprofessor wegen Bestechlichkeit zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er für etwa 60 Promotionen 150.000 Euro vom "Institut für Wissenschaftsberatung" erhalten hatte. Ausgehend von diesem Fall hat die Kölner Staatsanwaltschaft nun offenbar ein großes kriminelles Netzwerk aufgedeckt."Trio infernale" Vermutlich ist das aber noch nicht alles. Manuel René Theisen, Professor für Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, schätzt, dass es ein Dutzend unlautere Promotionsberater in Deutschland gibt. Doktorväter, Beratungsinstitut und die Doktoranden bildeten dabei meistens ein "Trio infernale", sagte Theisen in einem Interview. Im konkreten Fall zahlten die Doktoranden etwa 20.000 Euro für Beratungsleistungen, Hilfe bei Recherchen und Suche eines Doktorvaters an das Institut in Bergisch Gladbach, das einen Teil der Summe verbotswidrig an die Professoren weiterleitete. Nach Ansicht der Kölner Staatsanwaltschaft werden die Doktoranden strafrechtlich kaum belangt werden können, weil sie von den Schmiergeldern an die Professoren womöglich nichts wussten. Doch damit sind sie nicht aus dem Schneider: Sollten die hohen Promotions-Qualitätsstandards "bei der Zulassung der Kandidaten oder bei der eigentlichen Prüfung vorsätzlich unterlaufen worden sein, gibt es klare Sanktionsmöglichkeiten", sagte NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Der Missbrauch eines akademischen Titels könne nach Hochschulrecht mit "bis zu einer halben Million Euro Bußgeld" sanktioniert werden. "Wer als Professor einen Titelerwerb gegen Geld ermöglicht oder erleichtert, kann über das strafrechtliche Verfahren hinaus den Beamtenstatus und seinen Titel als Hochschulprofessor verlieren; einem Privatdozenten droht der Entzug der Lehrbefugnis", so Pinkwart. Der Universität Bielefeld, die zusammen mit zahlreichen weiteren Hochschulen als von dem Skandal betroffen genannt wurde, liegen nach Angaben ihres Sprechers Torsten Schaletzke entsprechende Informationen bislang nicht vor. Man habe nun selbst die Kölner Staatsanwaltschaft kontaktiert. "Sollte die Universität Bielefeld betroffen sein, werden wir selbstverständlich alles daransetzen, um die Sache schnell und sauber aufzuklären, und gegebenenfalls disziplinarrechtliche Konsequenzen ziehen", sagte Schaletzke. Die Universität Hamburg, die auch betroffen sein soll, ist von den Ermittlungsbehörden bereits um Mithilfe gebeten worden. Das bestätigte die amtierende Präsidentin Gabriele Löschper. Eine weitere genannte Hochschule beginnt mit der Aufklärungsarbeit: Der Kölner Uni-Rektor Axel Freimuth erklärte, dass man den Vorwürfen nachgehen werde. Die in Köln bestehende Kommission für wissenschaftliches Fehlverhalten an der Uni werde beauftragt, sich mit der Sache auseinanderzusetzen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft übte Kritik: "Es stellt sich in aller Schärfe jetzt die Frage, was wir am System ändern müssen, damit Nachwuchswissenschaftler auf ehrliche Art und Weise ihre Qualifikation erwerben können", sagte Ulrike Beisiegel, Sprecherin des Ombudsgremiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Hamburger Abendblatt.    Das ist ein schwerer Schlag für den Wissenschaftsbetrieb in Deutschland: Bestechliche Professoren sollen jahrelang einen schwunghaften Handel mit Doktortiteln möglich gemacht haben.                  

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