DETMOLD Im Zeichen des Hermann

Aufarbeitung der Varusschlacht vor 2.000 Jahren als Mega-Ereignis: Hunderttausende Besucher erwartet

Detmold. Die Beschäftigung mit der Antike gilt gemeinhin als staubtrockene Angelegenheit. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Eine solche ist zweifellos die Varusschlacht, jene vernichtende Niederlage von 15.000 römischen Soldaten unter Führung des Feldherrn Varus gegen Truppen des Cheruskerfürsten Arminius (Hermann) im Jahr 9 n. Chr. Das mehrtägige Gemetzel im Schatten des Teutoburger Waldes wird bis heute als Wendepunkt der Weltgeschichte angesehen. Dem Eroberungsdrang der Supermacht Rom war von den Germanen Einhalt geboten worden, die Römer zogen sich hinter den Rhein zurück. Der verzweifelte Ausruf des römischen Kaisers Augustus: "Varus, gib mir meine Legionen zurück!" als Reaktion auf die bis dahin als unschlagbar geltenden römischen Krieger fehlt in keinem Geschichtsbuch. Viele Bücher sind über die Varusschlacht und ihre Bedeutung geschrieben worden, etliche Kinofilme dokumentieren das Geschehen, Generationen von Archäologen werten bis heute Funde an vermeintlichen oder tatsächlichen Orten des Schlachtgeschehens aus. Seit 1875 erinnert das Hermannsdenkmal bei Detmold an das Geschehen von einst. Doch all dies wird nun, 2.000 Jahre nach dem historischen Ereignis, in den Schatten gestellt.100.000 Besucher erwartet Mit dem einmaligen Ausstellungsprojekt "Imperium – Konflikt – Mythos. 2.000 Jahre Varusschlacht" beleuchten zahlreiche Institutionen und Museen das geschichtsträchtige Datum intensiv. Im Mittelpunkt stehen die historischen Schauplätze Haltern am See, Kalkriese bei Osnabrück und Detmold. Schon jetzt zeichnet sich ab: Das Programm zum Varusjahr wird die Massen anziehen. Es haben sich bereits hunderte Gruppen zu den Ausstellungen angemeldet. "An jedem Ausstellungsort erwarten wir jeweils rund 100.000 Besucher", sagt Frank Tafertshofer, Sprecher des für den Museumsstandort Haltern zuständigen Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Die lippischen Ausstellungsmacher sind sogar noch optimistischer. Sie gehen von 150.000 Besuchern aus. "Das ist die größte Ausstellung, die wir je gemacht haben", sagt Katrin Winter, Sprecherin des Lippischen Landesmuseums in Detmold. "Wir freuen uns darauf", fügt sie hinzu. Denn für das Museum unweit des fürstlichen Schlosses bietet sich mit der Ausstellung unter dem Schlagwort "Mythos" die einmalige Gelegenheit, bundesweit und international Werbung in eigener Sache zu betreiben. "Die meisten Exponate kommen erst kurz vor der Ausstellungseröffnung", berichtet Winter. Von Restauratoren abschließend präpariert werden derzeit bereits Gemälde des Malers Peter Janssen d. Ä. aus den Jahren 1870 bis 1873, die das Schlachtgeschehen großformatig zeigen. Ein seltener Textilfund, die Hose eines Germanen aus dem 3./4. Jahrhundert, die in Thorsberg (Schleswig-Holstein) im Moor entdeckt worden war, oder die älteste erhaltene Abschrift von Dokumenten des römischen Geschichtsschreibers Tacitus sind weitere spektakuläre Exponate der Detmolder Schau, die sich unter anderem mit der Bedeutung der Varusschlacht und dem Leben von Römern und Germanen in der damaligen Zeit beschäftigen wird.Modern, schön und innovativ Jeweils vier Millionen Euro kosten die drei Varus-Ausstellungen. Zu den Ausstellungen hinzu kommt ein umfangreiches Rahmenprogramm, das nicht nur an den Ausstellungsorten selbst Besucher anlocken soll. 100.000 Menschen wird das Kulturprogramm allein in Lippe und Ostwestfalen anlocken, schätzt Birgit Essling, Pressereferentin des Hermannbüros, der Geschäftsstelle zum Varusjahr in Detmold. Auch für Hotellerie und Gastronomie könnte sich das Varusjahr auszahlen. "Wir sehen deutlich, dass es in Hotels und Jugendherbergen eine erhöhte Buchungsschlagzahl gibt", sagt Essling. Allein am Hermannsdenkmal wird im laufenden Jahr mit rund 600.000 Besuchern gerechnet, in anderen Jahren sind es jeweils rund 500.000. Das Varusjahr bietet deshalb laut Essling eine gute Gelegenheit, "dass die Region zeigt, wie modern, schön und innovativ sie ist". Einige Attraktionen des Detmolder Programms: Die "Victoria", Nachbau eines römischen Kriegsschiffes, geht auf dem Detmolder Schlossgraben vor Anker (15. Mai bis 4. Juni und 15. bis 23. Juni). Möglichkeit des Publikumsruderns. Samstag, 30. Mai, 19.30 Uhr: Eröffnung der Waldbühne am Hermannsdenkmal, Konzert der Jungen Tenöre. Samstag, 11. Juli, 20 Uhr, Waldbühne: Konzert mit der Band Extrabreit. 22. August bis 1. September: Aufführung des Musiktheaterstücks "Op een dag in september" von Herman van Veen mit Darstellern aus acht europäischen Ländern auf der Waldbühne. Sommerkonzerte im Palaisgarten, Jugendworkshops, eine Kulturbühne OWL mit Künstlern aus der Region, die Aufführung des Rings des Nibelungen von Richard Wagner und zahlreiche andere Veranstaltungen runden das Programm in der Region ab.

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