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Angriff auf Baby: Jugendamt sah keine Gefahr

Die Behörde der Stadt Osnabrück hatte schon während der Schwangerschaft einen Hinweis auf die Familie erhalten. Hinweise auf eine Gefährdung sahen die Mitarbeiter des Amts nicht.

Osnabrück (lni). Im Fall des wohl von seinem Vater lebensgefährlich verletzten Säuglings aus Osnabrück hat das Jugendamt schon während der Schwangerschaft einen Hinweis aus der Familie erhalten. „Wir haben den Kontakt gesucht", sagte Stadtsprecher Gerhard Meyering am Freitag. „Dabei ist klar geworden, dass die Familie Hilfe braucht." Das Jugendamt habe Angebote gemacht, die Eltern seien „sehr kooperativ" gewesen. Hinweise auf eine Gefährdung des Kindeswohls habe es nicht gegeben. Zuvor hatte NDR 1 Niedersachsen darüber berichtet. Nach Angaben des Sprechers wurde vereinbart, dass die Eltern sich nach der Geburt melden. "Das ist absurd" „Wer genau aus dem Umfeld des Paares den Hinweis gegeben hat, werden wir aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht sagen", erklärte Stadtsprecher Sven Jürgensen später. „Es gibt keinen Anfangsverdacht für Versäumnisse", sagte Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. „Gegen die Mitarbeiter des Jugendamtes der Stadt Osnabrück ermitteln wir nicht, das ist absurd", betonte er am Freitag. Staatsanwaltschaft, Polizei und Stadt wollten keine näheren Angaben zum Hintergrund der Familie machen. Zum Gesundheitszustand des kleinen Jungen gab es am Freitag keine neuen Erkenntnisse. Das Kind sei lebensgefährlich verletzt worden, sein Zustand sei aber weiterhin stabil, sagte Retemeyer. „Sollte das Kind überleben, so sind bleibende Schäden zu befürchten." Vater habe Kind ruhigstellen wollen Gegen den Vater des erst wenige Tage alten Kindes hatte das Amtsgericht Osnabrück am Donnerstag Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Das Kind habe geschrien, da habe er es ruhig stellen wollen, hatte der 24-Jährige in der polizeilichen Vernehmung nach Angaben der Staatsanwaltschaft ausgesagt. Nach der ursprünglichen Darstellung der Eltern sollte angeblich ein fremder Hund das Kind auf einer Wiese im Ortteil Hellern angegriffen haben. „Die ganze Hundegeschichte ist erlogen", hatte Retemeyer am Donnerstag gesagt. „Wir können ausschließen, dass das Kind durch Hundebisse verletzt wurde." Der Säugling sei geschlagen worden, offene Wunden gab es nicht. Mutter an der erlogenen Geschichte beteiligt „Wir gehen davon aus, dass sich die Mutter zum Tatzeitpunkt nicht in der Wohnung aufgehalten hat", sagte Retemeyer am Freitag. „An der erlogenen Hundegeschichte war sie aber beteiligt." Tatort sei wahrscheinlich die Wohnung des Paares gewesen, nicht weit vom Platz der angeblichen Hundeattacke entfernt. Das Kind war erst am Dienstag aus der Klinik entlassen worden, es befand sich nur vier Stunden in der Obhut seiner Eltern.

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