Welche Länder in Europa haben die besten LGBT-Rechte? Eine Liste der Organisation ILGA gibt Auskunft. - © picture alliance / NurPhoto
Welche Länder in Europa haben die besten LGBT-Rechte? Eine Liste der Organisation ILGA gibt Auskunft. | © picture alliance / NurPhoto

Tag gegen Homophobie Dieses Land ist erzkatholisch - und hat die besten LGBT-Rechte Europas

Auch unsere direkten Nachbarn stehen weit oben auf der Liste. Deutschland schafft es nur auf Platz 12.

Matthias Schwarzer

Bielefeld. Einmal im Jahr bringt die Organisation ILGA Europe den "Rainbow Europe"-Index heraus. Eine Liste, die zeigt, wie LGBT-freundlich die europäischen Länder sind. Berücksichtigt werden dabei Gleichstellungsgesetze für Schwule, Lesben und Transgender - aber auch Diskriminierung von Politik und Öffentlichkeit fließt in die Bewertung mit ein. Wie steht Deutschland da? Auf der aktuellen Liste, die am Montag von der Organisation vorgestellt wurde, hat sich Deutschland um zwei Punkte verbessert und steht jetzt auf Platz 12. Zwei Jahre zuvor stand Deutschland noch auf Platz 16. Die Verbesserungen sind vor allem auf eins zurückzuführen: Die Einführung der "Ehe für alle", die am 1. Oktober 2017 in Kraft trat. Warum ist Deutschland nicht weiter vorne? Für Kritik sorgt, dass Hasskriminalität gegen LGBT nicht ausreichend verfolgt wird. Diese sei im vergangenen Jahr übrigens deutlich gestiegen. Ein Wermutstropfen ist auch die Diskriminierung lesbischer Paare bei künstlicher Befruchtung und Anerkennung als Co-Elternteil. Welches Land steht auf Platz 1? Keine Veränderung an der Spitze der Liste: Schon seit Jahren steht die kleine Mittelmeerinsel Malta auf Platz 1 - mit 91 von 100 möglichen Punkten. Laut ILGA hat das Land die besten LGBT-Rechte in ganz Europa. Warum ist Platz 1 so überraschend? Dass Malta auf dem ersten Platz steht, ist keine Selbstverständlichkeit: Das Land ist streng katholisch geprägt. An kaum einem anderen Ort gibt es auf so wenig Platz so viele Kirchen. Auch viele junge Leute sind hier streng gläubig - selbst in staatlichen Schulen und Unis wird vor dem Unterricht gebetet. Noch bis in die Siebzigerjahre war Homosexualität in Malta illegal - sogar Pornographie und Blasphemie waren lange Zeit streng verboten. Wie schafft es ein streng-katholisches Land dann auf Platz 1? Trotz strengem Glauben geht Malta außerordentlich tolerant mit Schwulen, Lesben und Transgender-Menschen um. Im Jahr 2017 führte das Parlament die Ehe für alle ein - und setzte sich damit über den Widerstand der katholischen Kirche hinweg. Der maltesische Ministerpräsident Joseph Muscat nannte die Entscheidung seinerzeit "historisch". "Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir alle nun sagen können 'Wir sind gleichgestellt'". Malta hatte erst 2014 Lebenspartnerschaften für Homosexuelle eingeführt, aber nur im Ausland geschlossene Ehen homosexueller Paare anerkannt. Doch es gibt noch weitere Gründe für die LGBT-Freundlichkeit Maltas: 1. Malta hat eine große LGBT-Community, die in der Öffentlichkeit vollständig akzeptiert ist. 2. Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung ist in Malta illegal und wird bestraft. 3. Malta war das erste Land der Welt, das die sogenannte "Homo-Heilung" 2016 verboten und unter Strafe gestellt hat. 4. Die maltesische Tourismus-Organisation hat einen eigenen Reiseführer für LGBT-Reisen. Das Land akzeptiert nicht nur LGBT-Leute - es lockt sie ganz bewusst für eine Reise auf die Insel. Welche Länder stehen sonst gut da? Belgien, Norwegen, Großbritannien und Finnland stehen ebenfalls ganz oben auf der ILGA-Liste. Die Organisation stellt jedoch fest, dass nur 16 der 49 untersuchten Länder mehr als 50 Prozent der möglichen Punkte erreichten. Einige Länder, die in der Vergangenheit als "Wegbereiter der Gleichstellung" betrachtet wurden, machten im vergangenen Jahr keine großen Fortschritte. Welche Länder stehen schlecht da? Aserbaidschan schneidet in der diesjährigen Rangliste am schlechtesten ab und erreichte weniger als 5 Prozent der Punkte. ILGA spricht von Polizeirazzien gegen LGBTI-Personen und beleidigende öffentliche Äußerungen von Politikern als Hauptprobleme des Landes. Armenien, die Türkei und Monaco schneiden ebenfalls schlecht ab. In der Europäischen Union war Lettland mit rund 16 Prozent das Land mit der niedrigsten Punktzahl, gefolgt von Polen (18%) und Litauen (21%). Hier gibt es die vollständige Untersuchung.

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