In Meerbusch ist ein Personenzug auf einen Güterzug aufgefahren. - © dpa
In Meerbusch ist ein Personenzug auf einen Güterzug aufgefahren. | © dpa

Meerbusch Zugunglück mit 50 Verletzten: Regionalbahn hätte Gleisabschnitt nicht befahren dürfen

Ein Regionalzug prallt auf offener Strecke gegen einen Güterzug, fast 50 Menschen werden verletzt. Die Bundespolizei ermittelt.

Meerbusch (dpa) - Der nahe Neuss verunglückte Personenzug hätte den betreffenden Gleisabschnitt nicht befahren dürfen. Das sagte ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen in Bonn am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Warum der Zug, der bei Meerbusch auf einen Güterzug auffuhr, dennoch auf der Strecke unterwegs war, müsse nun geklärt werden. Dies sei keine Schuldzuweisung an den Lokführer: Es müsse noch geklärt werden, ob etwa die Signale falsch geschaltet gewesen oder vom Lokführer übersehen worden seien. Bei dem Unfall waren Dutzende Menschen verletzt worden. Die Fahrtenschreiber beider Züge seien sichergestellt und ausgelesen worden, sagte Sprecher Gerd Münnich. Auch in den Stellwerken wurden demnach Informationen gesichert. Der Bahnfunkverkehr sei ebenfalls aufgezeichnet worden. Danach ergebe sich das Bild, dass der Güterzug ordnungsgemäß gehalten und auf das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet habe. Damit sei die Strecke für den nachfolgenden Verkehr eigentlich gesperrt gewesen. „Der Personenzug hätte in den Abschnitt nicht reinfahren dürfen", sagte Münnich. Die Bundesstelle stufte die Kollision als schweren Unfall ein, bei der eine Schadenshöhe von zwei Millionen Euro überschritten sein dürfte. Bahnstrecke bleibt gesperrt Die Bundespolizei und das Eisenbahnbundesamt ermitteln nach dem Unglück mit Hochdruck. Es sei vollkommen unklar, wann es erste Ergebnisse gebe oder wann die betroffene Bahnstrecke wieder für den Zugverkehr genutzt werden könne, sagte ein Sprecher. „Es geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit." Laut Marcel Winter, Sprecher des Zugbetreibers National Express Rail GmbH, könne es unter Umständen noch Tage dauern, bis die Strecke wieder freigegeben werden könne. Bis dahin wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Das Unternehmen strich all seine Fahrten auf der Strecke. Im Stundentakt werden Busse zwischen Neuss und Krefeld eingesetzt. „Ich rechne nicht damit, dass wir die betroffene Strecke in nächster Zeit nutzen können", sagte Marcel Winter. Zunächst müssten die Ermittlungen von Bundespolizei und Eisenbahnbundesamt am Ort abgeschlossen und die demolierten Züge beseitigt werden. Auch die zerstörte Oberleitung müsse repariert werden, bevor die Strecke wieder freigegeben werden könne. Die Deutsche Bahn rechnet trotz der Streckensperrung nicht mit Auswirkungen auf den Regionalverkehr. Dies sei „nach aktuellem Kenntnisstand" nicht zu erwarten, sagte ein Bahnsprecher. Spekulieren wollte über die Unfallursache in der Nacht niemand. Für Einschätzungen sei es noch zu früh, hieß es unter anderem aus dem Lagezentrum des nordrhein-westfälischen Innenministeriums und bei der Bundespolizei. Vollbremsung verhindert Schlimmeres Im Laufe des Mittwochs soll ein Kran die Züge vom Gleis nehmen. Bis nach Mitternacht waren die Rettungskräfte mit der Evakuierung des verunglückten Personenzugs beschäftigt. Eine abgerissene Oberleitung, die den Zug unter Strom setzte, erschwerte die Rettungsaktion zunächst. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit mehr als 200 Einsatzkräften an der Unfallstelle. „Die positive und positivste Nachricht (...) ist, dass niemand sich in Lebensgefahr befunden hat", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Dies ist offenbar auch dem Lokführer des Regionalzugs zu verdanken: Mit einer Vollbremsung habe er nach ersten Erkenntnissen Schlimmeres verhindert und unter anderem sein eigenes Leben gesichert, sagte Winter. Bei dem Aufprall war der Lokführer in seiner Fahrerkabine verletzt worden. Er konnte gerettet werden, stand aber unter Schock. Fahrgäste schilderten einen „großen Knall" und eine Vollbremsung. Evakuierung dauerte bis Mitternacht Bei dem Unfall war am Dienstagabend ein Zug der Regional-Express- Linie 7 von Köln nach Krefeld auf einen stehenden Güterzug von DB Cargo aufgefahren, der auf dem Weg von Dillingen nach Rotterdam war. Dabei wurden nach Angaben der Bundespolizei 41 Menschen leicht verletzt, drei „mittelschwer" und drei weitere schwer. Bis nach Mitternacht waren die Rettungskräfte mit der Evakuierung des verunglückten Zugs beschäftigt. Eine abgerissene Oberleitung, die den Zug unter Strom setzte, erschwerte die Rettungsaktion zunächst. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit mehr als 200 Einsatzkräften an der Unfallstelle. „Die positive und positivste Nachricht (...) ist, dass niemand sich in Lebensgefahr befunden hat", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Dies ist offenbar auch dem Lokführer des Regionalzugs zu verdanken: Mit einer Vollbremsung habe er nach ersten Erkenntnissen Schlimmeres verhindert und unter anderem sein eigenes Leben gesichert, sagte der Sprecher von National Express Rail. Bei dem Aufprall war der Lokführer in seiner Fahrerkabine verletzt worden. Er konnte gerettet werden, stand aber unter Schock. Fahrgäste schilderten einen „großen Knall" und eine Vollbremsung. Während der Bergungsarbeiten versammelten sich Angehörige von Zuginsassen am Abend und in der Nacht an einer Tankstelle. Die Bundespolizei richtete eine Hotline ein.

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