Ohne die Hilfe ihrer Familie wäre die Reise für Andrea Sahlmen (m.) kaum zu bewältigen. - © Andrea Sahlmen
Ohne die Hilfe ihrer Familie wäre die Reise für Andrea Sahlmen (m.) kaum zu bewältigen. | © Andrea Sahlmen

Spezialreisen Mit dem Rolli durch Peru: Familienstärke überwindet die Barrieren

NW-Volontärin Andrea Sahlmen berichtet von ihrer Reise

Andrea Sahlmen

NW-Volontärin Andrea Sahlmen ist mit zwei Rollstühlen in Peru unterwegs und berichtet hier von ihren Erfahrungen in dem Land der Inka: Nach der ersten Woche durch den Süden von Peru führt mich die Reise in den Norden. Ich fliege nach Chiclayo, einer recht großen Stadt nördlich von Lima. Ab sofort ist mein Trip nicht mehr organisiert, sondern Improvisation und Spontanität sind gefragt. Zunächst einmal ist die Reisefreude getrübt, da meine Stehhilfe im Flugzeug verloren gegangen ist. Eine Skizze, was genau gesucht werden soll, wird mit Nichtbeachtung gestraft. Die Fluggesellschaft will sie mir lieber ersetzen, anstatt mühsam zu suchen. Am Flughafen in Chiclayo werden wir von der Familie meines Schwagers begrüßt und abgeholt. Unproblematische Transportlösungen Wie schon einmal erwähnt, werden hier unbürokratisch Lösungen gesucht, Probleme gibt es hier keine. So wird auch ein Rollstuhltransport in Peru ganz unkompliziert gelöst und alle meine Sorgen im Vorfeld der Reise scheinen umsonst gewesen zu sein. Der elektrische Rollstuhl wird über Holzbalken auf einen LKW gefahren, der Aktivrolli wird auf einen Pick-up gehievt und während der Fahrt von mehreren Leuten  gehalten. Chiclayo ist die Hauptstadt der Region Lambayeque und hat rund 650.000 Einwohner. Für peruanische Verhältnisse ist das eine große Stadt, doch Touristen kommen hierher eher selten. Das merke ich auch mit meinem Rollstuhl. Die Straßen sind nicht immer befestigt, abgesenkte Bordsteine gibt es selten, manchmal sind die Rampen abgebrochen. Ich habe hier keine organisierten Träger mehr, aber in Peru steht die Familie über allem. Familiäre Unterstützung ist ein peruanisches Selbstverständnis Der Cousin meines Schwagers leiht uns sein Auto, in das ich recht gut einsteigen kann. Brüder und Cousins von ihm tragen mich täglich in den zweiten Stock des Hauses seines Bruders, damit ich mit der Familie essen kann. Auch den holprigen Weg bis zum Hotel werde ich von den männlichen Familienmitgliedern täglich getragen. Für sie ist diese Hilfe selbstverständlich - für mich nicht. Aber das ist hier die Mentalität. Wo man helfen kann, da wird geholfen. So darf ich auch die kleinen Märkte kennenlernen, in denen vor allem viele Frauen Sachen verkaufen. Geboten wird hier, was man sich nur so vorstellen kann. Für zwei Soles, das sind rund 50 Cent, kann man sich auf der Straße wiegen. Schuhe putzen lassen kostet etwas mehr. Selbstgemachtes Gebäck, Torten, Süßigkeiten - es gibt nichts, was man in den Straßen Chiclayos nicht bekommen kann. Ich bin glücklich, dass ich hier in Chiclayo das „echte" peruanische Leben kennenlernen darf. Abseits des Tourismus sieht man eine andere Seite des „Machu-Picchu"-Landes. Es gibt viele einfache Häuser, viele Hütten, viele arme Menschen. Aber trotz allem sind die Menschen hier nicht unglücklich. Es beeindruckt mich sehr, wie einfach viele Peruaner leben. Ich werde auf jeden Fall mit anderen Augen auf mein Leben in Deutschland blicken, wenn ich wieder zurück komme. Verfolgen Sie in den nächsten Tagen auf nw.de die weiteren Erlebnisse von Andrea Sahlmen. Hier finden Sie alle Serienteile dieser Reise.

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