Der Strand gehört allen: Die Einzäunung nahezu des gesamten Strands ist unverhältnismäßig, urteilte das Gericht. - © picture alliance / Ingo Wagner/dpa
Der Strand gehört allen: Die Einzäunung nahezu des gesamten Strands ist unverhältnismäßig, urteilte das Gericht. | © picture alliance / Ingo Wagner/dpa

Leipzig Besuch am Strand bleibt kostenfrei

Eintrittsgebühren an Nordseestränden sind rechtswidrig, urteilte das Bundesverwaltungsgericht

Leipzig (dpa/AFP). Die Eintrittsgebühren für zwei Strände an der niedersächsischen Nordseeküste sind rechtswidrig. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden. Bürger hätten zwar grundsätzlich "kein Recht auf freien Zugang zu sämtlichen Strandflächen", heißt es in einem am Donnerstag in Leipzig veröffentlichten Urteil. Andererseits dürfen Gemeinden aber nicht ganze Strände absperren, um dort ein kostenpflichtiges Strandbad einzurichten. Im Ausgangsfall verpachteten die Badeorte Hooksiel und Horumersiel-Schillig in Niedersachsen Teile ihres Strands an eine gemeindeeigene Touristik-GmbH, die dort ein umzäuntes Bad mit Strandkörben, Toiletten und Kinderspielgeräten einrichtete und dafür drei Euro Eintritt verlangte. Ortsansässige und Gäste mit Kurkarte hatten freien Eintritt. Die Kläger forderten dagegen freien Zugang für alle Besucher zu den neun Kilometer langen Meeresstränden, die die Gemeinden wiederum vom Land Niedersachsen pachten. Einzäunung des gesamten Strands unverhältnismäßig Laut Urteil ist die Einzäunung nahezu des gesamten Strands über die für den Badebetrieb benötigten Flächen hinaus unverhältnismäßig. Dass die Gemeinde dort Sand aufgeschüttet habe und den Strand reinigen lasse, ändere daran nichts. Das Recht der Bürger zum kostenfreien Betreten der Strände erstreckt sich laut Urteil aber nicht auf die Flächen des Strandbads: Das Bundesnaturschutzgesetz verhindere eine "Beeinträchtigung der tatsächlichen Nutzung fremder Grundstücke", hieß es zur Begründung. Die Auswirkungen des Urteils auf andere Kommunen lassen sich nach Einschätzung einer Tourismusexpertin noch nicht absehen. „Grundsätzlich scheint es ja nicht verboten zu sein, Strände einzuzäunen, wenn eine Infrastruktur vorhanden ist. Die Frage ist nur, auf welcher Länge", sagte Sonja Janßen vom Tourismusverband Nordsee. Dazu müsse erst die Urteilsbegründung im Detail ausgewertet werden.

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