Das Panda-Männchen Jiao Qing wälzt sich in der Zuchtstation in Chengdu. Bald fliegt er mit Weibchen Mengmeng nach Berlin. - © picture alliance / -/dpa
Das Panda-Männchen Jiao Qing wälzt sich in der Zuchtstation in Chengdu. Bald fliegt er mit Weibchen Mengmeng nach Berlin. | © picture alliance / -/dpa

Tiere Pandas für Berlin

Mengmeng und Jiao Qing landen am 24. Juni mit dem Flugzeug in Berlin

Berlin (dpa). Sechs Jahre nach dem Tod von Eisbär Knut sollen zwei Riesenpandas die neue Attraktion des Berliner Zoos werden. "Träumchen" ist eine aktives Mädchen, aber "Schätzchen" pennt meistens. Wie soll es da zu kleinen Pandas kommen? Mit "Kuschelzaun" und "Panda-Pornos"? Noch sind die beiden sich fremd. Erst im Berliner Zoo werden sich die beiden Riesenpandas überhaupt kennen und hoffentlich dann auch lieben lernen. Das Weibchen Mengmeng (Träumchen) - die korrekte chinesische Aussprache haben Berliner Tierpfleger bereits geübt, sie lautet „Möng Möng" - und das Männchen Jiao Qing (Schätzchen) leben derzeit noch in der Quarantäne im Zuchtzentrum in Chengdu. Am 24. Juni geht für den Berliner Zoo dann das Warten auf ein lang ersehntes Pandapaar zu Ende. An diesem Tag soll eine Frachtmaschine aus China auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld landen. Beide Tiere haben sich noch nie gesehen. Auch in Berlin wird jeder sein Reich haben. "Pandas sind Einzelgänger", erklärt Pfleger Yin Hong, der beide aufgezogen hat. "Pandas können nicht zusammen sein, weil sie sonst miteinander kämpfen würden." "Träumchen" und "Schätzchen" sind jung genug, um Nachwuchs zu zeugen. Allerdings sind Pandas Sex-Muffel. Ein Panda-Weibchen ist nur an rund drei Tagen im Jahr fruchtbar, sie signalisieren das mit Duftmarken. Wenn „Jiao Qing" dann nicht die Lust überkommt, hat Berlin Pech. Damit in dieser heißen Phase aber auch alles klappt, wird vorher schon ein Date für die beiden arrangiert: Nur durch einen "Kuschelzaun" getrennt sollen sie sich näher kommen und aneinander gewöhnen. Stimmt die Chemie, darf Berlin den Nachwuchs aber nicht behalten. Sobald das Junge die Mutter nicht mehr braucht, muss es nach China. "Da ist natürlich gewisser Druck dahinter", räumt der Berliner Tierpfleger Christian Toll ein. Der 34-Jährige bereitet sich in Chengdu auf seine verantwortungsvolle Aufgabe vor. "Wir wünschen uns auch Nachwuchs, aber müssen halt gucken, wie die Tiere miteinander agieren. Und dann werden wir sicherlich einen Weg finden, damit das harmonisch über die Bühne geht", gibt sich Toll zuversichtlich. Wenn es nicht klappt, gibt es einen Geheimtipp: "Panda-Pornos", also Videos, auf denen sich andere Pandas paaren. In der Wildnis schauten Pandas bei ihren Artgenossen zu, aber in den Zoos geht das nun mal nicht. Dank der Filme können die Pandas aber das Verhalten lernen. "Wenn sie es mögen, schauen sie länger hin. Wenn nur kurz, dann denken sie vielleicht: Ich weiß eigentlich schon wie es geht." Die wichtigsten Panda-Fragen im Überblick: Wieso bekommt Deutschland zwei Pandabären? Verhandlungen über Pandas sind hohe diplomatische Schule. Die Bären sind bedroht. Heute leben nach Angaben der Tierschutzorganisation WWF nur noch knapp 2.000 Tiere in den grünen Bambuswäldern im Südwesten Chinas. Früher waren Pandas Staatsgeschenke. Heute werden Tiere aus der Nachzucht als Leihgaben an Zoos in anderen Ländern gegeben. Der Stand der Wirtschaftsbeziehungen gilt Beobachtern dabei als nicht ganz unerheblich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte 2015 bei einem China-Besuch Verhandlungen in Gang gebracht. Chinas Botschafter Shi Mingde betonte Ende April in Berlin, die Leihgabe sei eine Geste für die Freundschaft zwischen Deutschland und China: „Pandabären sind Botschafter - manchmal sind sie sogar beliebter als der menschliche Botschafter." Warum bekommt der Berliner Zoo den Zuschlag? Die Haltung von Pandas erfordere viel Fingerspitzengefühl, heißt es beim Verband der Zoologischen Gärten. Allein die Fütterung sei eine Herausforderung. Ein Panda frisst bis zu 60 Kilogramm Bambus am Tag. Der wird aus den Niederlanden geliefert. Dazu kommt die wissenschaftliche Ausrichtung mit dem Führen eines Zuchtbuchs - und die Hoffnung auf Nachwuchs. Berlin hat bei der Panda-Haltung langjährige Erfahrung. 2012 starb dort mit „Bao Bao" der letzte Vertreter seiner Art in der Hauptstadt. Seit November baut der Zoo für neun Millionen Euro in enger Abstimmung mit China ein neues Panda-Gehege. Die Tiere sollen 15 Jahre lang bleiben, die Leihgebühr beträgt rund eine Million Euro pro Jahr. Das Geld fließt in China in Panda-Schutz und Forschung. Wie reisen die Pandas nach Deutschland? Ihr Transport ist minuziös eingetaktet. Am 23. Juni landet eine Frachtmaschine auf dem Weg von Peking nach Frankfurt am Main außerplanmäßig in Chengdu. Dort haben sich die beiden Pandas bereits an ihre Transportboxen gewöhnt. Sie wiegen je 550 Kilo, riechen gut nach Bambus und sind mit einer Spezialmatte als Toilettenersatz ausgestattet. Mit Tierpfleger, Tierarzt, Bambus-Snacks und einem Wasservorrat geht es an Bord. Der Pilot werde nicht so steil starten und landen wie üblich, um die Pandas nicht aus der Ruhe zu bringen, sagt Lufthansa-Transportleiter Jörg Bodenröder. Wie sieht die Begrüßung aus? Die beiden Neuankömmlinge sollen noch am Flughafen auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden - hinter Plexiglas. Zur offiziellen Begrüßung am 5. Juli ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeladen. Durch den G20-Gipfel in Hamburg sind zu dieser Zeit auch ranghohe chinesische Politiker in Deutschland. Wie sehr müssen die Pandas sich umstellen? In Berlin müssen sich die Pandas an neues Klima, neue Gerüche und neuen Bambus gewöhnen. Im Wechsel essen und schlafen Pandas. Tag und Nacht. Das deutsche Wetter passt ihnen gut, weil sie es eher kühler und feucht mögen. Auch die Sprache ist neu. Bisher kennen die beiden nur heftigen Sichuan-Dialekt, sollen in Berlin aber nicht Deutsch, sondern Englisch lernen, weil es in der Hauptstadt "international" zugeht, wie es heißt. Damit die Tiere nicht auf ihr geliebtes "Panda-Brot" verzichten müssen, hat Pfleger Toll in Chengdu als erstes einen Back-Kursus absolviert: Die Spezialität besteht aus verschiedenen Mehlsorten, Haferflocken und Erdnussöl. Hinzugefügt werden wichtige Zusatzstoffe, "die etwas mehr Energie liefern als der Bambus". Was halten Tierschützer von dem Panda-Umzug? Der WWF sieht ihn positiv. „Pandas sind Botschafter für ihre Art", sagt Sprecher Roland Gramling. „Der Mensch schützt, was er kennt." Den Chinesen stellt der WWF ein gutes Zeugnis für den Panda-Schutz aus, die Bestände hätten spürbar zugenommen.

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