Eine Hausdurchsuchung in Rottenburg im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Bus von Borussia Dortmund. Die Polizei sperrt die Straße ab. - © picture alliance / Pressefoto ULMER/Markus Ulmer
Eine Hausdurchsuchung in Rottenburg im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Bus von Borussia Dortmund. Die Polizei sperrt die Straße ab. | © picture alliance / Pressefoto ULMER/Markus Ulmer

Dortmund Festnahme nach Angriff auf BVB-Bus - Was wir wissen und was nicht

Kein extremistischer Hintergrund / Täter handelte wohl aus Habgier / Spekulation mit Aktien

Dortmund (dpa). Zehn Tage nach dem Angriff auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst. Aber noch immer bleiben Fragen. WAS WIR WISSEN * Am Dienstag vergangener Woche gegen 19.15 Uhr zünden in Dortmund drei Sprengsätze nahe dem Mannschaftsbus. Sie waren in einer Hecke versteckt. Der Abwehrspieler Marc Bartra und ein Polizist werden verletzt. * Am frühen Freitagmorgen, rund zehn Tage nach dem Angriff, nehmen die Ermittler einen 28 Jahre alten Tatverdächtigen fest. Ihm wird von der Bundesanwaltschaft versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er ist deutscher und russischer Staatsangehöriger, seinen Wohnsitz hat er in Freudenstadt im Schwarzwald. * Nach Angaben der Bundesanwaltschaft erwarb der Beschuldigte am 11. April - dem Tag des Anschlags gegen den BVB-Bus mit zwei Verletzten - 15 000 Verkaufsoptionen in Bezug auf die BVB-Aktie. Die Papiere hätten eine Laufzeit bis zum 17. Juni. Der Kauf wurde demnach über die IP-Adresse des Mannschaftshotels abgewickelt, von dem aus der Bus mit den Spieler unmittelbar vor dem Anschlag zum Champions League-Hinspiel gegen den AS Monaco abgefahren war. Wäre die BVB-Aktie nach dem Anschlag stark gefallen, dann wäre der Gewinn wohl ein Vielfaches des Einsatzes gewesen. * Der Verdächtige wohnte zum Tatzeitpunkt ebenfalls im Mannschaftshotel - der Bundesanwaltschaft zufolge bereits seit dem 9. April. Er hatte ein Zimmer im Dachgeschoss gebucht - mit Blick auf den späteren Anschlagsort. * Die drei Sprengsätze wurden nach Angaben des Bundesanwaltschaft zeitlich genau passend gezündet. Einer von ihnen sei allerdings zu hoch angebracht gewesen und entfaltete deshalb nicht seine volle Wirkung. * Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war der Verdächtige zum Zeitpunkt des Anschlags im Hotel und blieb dort auch vorerst. „Er ist nicht sofort abgereist", hieß es. * Der 28-Jährige war bereits seit mehreren Tagen im Fokus der Ermittler. Nach einem ersten Hinweis in der vergangenen Woche sei der Verdächtige intensiv beobachtet und ausgeleuchtet worden, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin. * Der Verdächtige hat seit Mitte 2016 als Elektriker in einem Tübinger Heizwerk gearbeitet. Das bestätigte ein Sprecher des Energiekonzerns MVV in Mannheim. Das Heizwerk wird von einem Tochterunternehmen betrieben. Auch vor diesem beruflichen Hintergrund habe der 28-Jährige die „Sprengsätze hochprofessionell erstellt", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). * Am Freitagmorgen gab es außerdem Polizeieinsätze in den baden-württembergischen Städten Tübingen und Rottenburg am Neckar. WAS WIR NICHT WISSEN * Offiziell bestätigt ist nicht, ob es noch weitere Tatverdächtige oder Komplizen gab. Die Bundesanwaltschaft hat bislang keine Anhaltspunkte für mögliche Gehilfen und Mittäter. Die Ermittlungsbehörde behalte diese Frage aber weiter im Blick, sagte eine Sprecherin in Karlsruhe. * Ebenfalls unklar war zunächst, ob der 28-Jährige bereits eine Aussage bei der Polizei gemacht hat - etwa, ob er die Tat bestreitet oder gar geständig ist. * Nach dpa-Informationen gibt es bislang keine polizeilichen Erkenntnisse, ob der Verdächtige bereits wegen anderer Delikte bekannt war. * Was machte der Verdächtige nach dem Anschlag? Wie lange blieb er noch im Hotel? Auch dazu gab es vorerst keine offiziellen Informationen. * Wer steckt hinter den unterschiedlichen, wohl gefälschten Bekennerschreiben? Der Bundesanwaltschaft nach wurden an den am Tatort gefundenen drei gleichlautenden Schreiben mit radikal-islamischen Parolen keinerlei Finger- oder Griffspuren gefunden. De Maizière sagte dazu, wenn sich der Verdacht der Ermittler bestätige, habe der Täter versucht, sich als Terrorist auszugeben - demnach hätte der Verdächtige selbst die Schreiben am Tatort hinterlassen. Der Innenminister bezeichnete das als „besonders perfide Art, mit der Angst der Bevölkerung zu spielen". * Bei den beiden später aufgetauchten Schreiben, die die Ermittler als eher unecht einstufen, war nicht klar, von wem sie stammen. * Gerätselt wurde vor allem über die Summen, die bei der Aktienspekulation im Spiel gewesen sein sollen. Es gab unterschiedliche Angaben darüber, wie viel der Verdächtige investiert haben soll - und welche Gewinne er damit hätte erzielen können. Letzteres wurde nach Angaben der Bundesanwaltschaft noch von Experten berechnet. * Zwar weiß man, dass die Sprengsätze mit Metallstiften bestückt waren - welcher Sprengstoff verwendet wurde, ist der Bundesanwaltschaft zufolge aber noch immer nicht ganz klar.

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