Gefragt: Eine Pflegerin sortiert Medikamente in Tablettendispenser in einem Krankenhaus. - © Foto: imago
Gefragt: Eine Pflegerin sortiert Medikamente in Tablettendispenser in einem Krankenhaus. | © Foto: imago

Düsseldorf Tausende Ausbildungsplätze frei - Mangel an Pflegekräften verschärft sich

Mangel: 2.200 Ausbildungsplätze in der Kranken- und Kinderkrankenpflege sind nicht besetzt. Ein Grund könnte die Abwanderung in andere Bundesländer sein

Lothar Schmalen

Düsseldorf. Obwohl es in den Krankenhäusern zu wenig Pflegekräfte gibt, sind allein in NRW tausende Ausbildungsplätze für Pflegefachkräfte nicht besetzt. Aus einem Bericht von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann geht hervor, dass allein im Jahr 2017 fast 2.200 Ausbildungsplätze in der Kranken- und Kinderkrankenpflege nicht besetzt worden sind, obwohl sie genehmigt und über Landesförderung durchfinanziert waren. Eine ähnliche Zahl (2.100) schlägt auch für den Ausbildungsjahrgang 2016 zu Buche. Das Problem der nicht besetzten Ausbildungsplätze ist deshalb so gravierend, weil 2017 deutschlandweit in den Krankenhäusern mehr als 10.000 Pflegefachkräfte fehlten. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor. Ministerium fordert mehr Engagement der Krankenhäuser NRW-Minister Laumann hat inzwischen zusammen mit der Krankenhausgesellschaft und den gesetzlichen Krankenkassen einen Brandbrief an die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen geschrieben. Darin fordert er die Geschäftsführer auf, mehr Ausbildungsplätze zu besetzen, um möglichst schon im Herbst dieses Jahren eine deutliche Steigerung der Zahlen zu erreichen. Insgesamt gibt es in Nordrhein-Westfalen 348 Kliniken, davon bilden nach Angaben der NRW-Krankenhausgesellschaft mehr als 260 in der Gesundheits- und Krankenpflege aus. In dem erwähnten Brief sagt der Minister auch zu, dass das Land alle Ausbildungsplätze finanzieren werde. Das heißt im Grunde genommen, dass die Krankenhäuser so viele Pflege-Auszubildende einstellen dürfen, wie sie wollen. Außerdem sollen die Schulen für Kranken- und Kinderkrankenpflege schon im Herbst 2018 mehr Ausbildungskapazitäten bereitstellen. Kein Mangel an Bewerbern Nach Auffassung von Minister Laumann liegen für die Nichtbesetzung genehmigter Ausbildungsplätze keine wirklichen Gründe vor. Nach einer Einschätzung von 2015 ist die Bewerberlage in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Kinderkrankenpflege gut. Dies bestätigt ebenfalls die Krankenhausgesellschaft NRW. Rückmeldungen aus den Krankenhäusern zeigten, dass kein Mangel an Bewerbern bestünde, sagte Lothar Kratz von der Krankenhausgesellschaft. Manche Kliniken planten deshalb auch, die Kapazitäten ihrer Krankenpflegeschulen zu erhöhen, in manchen Regionen sollten sie sogar verdoppelt werden, so Kratz weiter. Allerdings sei die Qualifizierung der Bewerber nicht immer ausreichend, so der Sprecher der Krankenhausgesellschaft. Eine Ausweitung der Kapazitäten der Krankenpflegeschulen sei wegen des seit langem bekannten Mangels an Pflegepädagogen nicht unbegrenzt möglich. Die vier Hochschulen in NRW im Bereich der Pflegepädagogik könnten aktuell nicht einmal den kurzfristigen Lehrerbedarf in den Krankenpflegeschulen abdecken, so der Sprecher der Krankenhausgesellschaft. Experten gingen zudem davon aus, dass NRW auch Pädagogen an andere Bundesländer verliere, die ebenfalls großen Bedarf an Pflegelehrkräften hätten. In Ostwestfalen-Lippe gibt es insgesamt mehr als 20.000 Beschäftigte in der Krankenpflege, in ganz NRW sind es 172.000. In der Kranken- und Kinderkrankenpflege gab es nach den aktuellsten Zahlen von 2017 in OWL 242 offene Stellen, in ganz NRW waren es 2.286.

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