Der nächste Skandal für Rainer Wendt. - © dpa
Der nächste Skandal für Rainer Wendt. | © dpa

Düsseldorf Polizeifunktionär Rainer Wendt empört mit Hassbeitrag

Mordfall Susanna: Gewerkschaftsvorsitzende Rainer Wendt will den Täter nicht vor Gericht, sondern
lieber „in der Hölle schmoren“ sehen. Die Landespolitiker in Düsseldorf sind entsetzt

Lothar Schmalen

Düsseldorf. Rainer Wendt, skandalerprobter Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG), sorgt mit einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite für Empörung. In dem Text zum Mord an der 14-jährigen Mainzerin Susanna F. äußert der pensionierte Polizeibeamte sich verächtlich über den Rechtsstaat und über Gerichtsverfahren. In dem bereits am 7. Juni geposteten Facebook-Beitrag heißt es wörtlich: „Und meine Gedanken sind auch bei den Tätern. Will ich sie wirklich vor einem unserer Gerichte stehen sehen? Mit höhnischem Grinsen für das Opfer und Verachtung für unser Land im Gesicht? Will ich wirklich erleben, wie Gutachter und Anwälte relativieren, verharmlosen und zu erklären versuchen, was nicht erklärbar ist? In der Hölle sollen sie schmoren. Das will ich." Selbst als er in einem Kommentar zu dem Facebook-Beitrag aufgefordert wird, besonders den Schluss des Textes noch einmal zu überdenken, bleibt er bei seiner Formulierung: „Ja, darüber habe ich wirklich nachgedacht und ich verstehe Ihren Einwand. Aber Wut braucht auch Ausdruck. Und ich bin so wütend", antwortet er dem Nutzer „Sebastian LR". Daniel Sieveke, Vorsitzender des Landtags-Innenausschusses und wie Rainer Wendt Christdemokrat, ist entsetzt: „Wendt hat sich in meinen Augen mit diesem vor Populismus triefenden Beitrag mit der Forderung nach Selbstjustiz auch als Polizei-Ruheständler endgültig disqualifiziert", sagt der Paderborner Landtagsabgeordnete dieser Zeitung. Marc Lürbke (ebenfalls aus Paderborn), erwartet, dass der Täter mit der vollen Härte des Gesetzes für seine abstoßende Tat bestraft werde. „Hass im Netz – egal von wem – ist dafür aber niemals ein wirkungsvoller Beitrag." Kopfschütteln im Ministerium Als skandalös und „eines Polizisten unwürdig" bezeichnet Christian Dahm, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und selbst ehemaliger NRW-Polizeibeamter, die Äußerungen Wendts. „Er hat wohl vergessen, dass er einen Eid auf unsere Verfassung geschworen hat. Und fügt hinzu: „Innenminister Herbert Reul und die NRW-CDU wären gut beraten, sich von ihrem Parteifreund zu ignorieren." Minister Reul wollte am Dienstag zu dem Facebook-Beitrag Wendts keinen Kommentar abgeben. Aus dem Ministerium war aber zu hören, dass er wohl fassungslos den Kopf geschüttelt hat, als er von den Äußerungen hörte. Verena Schäffer, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Landtag, wirft Wendt vor, dass er die ohnehin schon aufgeladene Stimmung auf unverantwortliche Weise weiter anheize. „Wenn ein Spitzenvertreter einer Polizeigewerkschaft sich an dieser geistigen Brandstiftung beteiligt, kann das von den Mitgliedern der DPolG nicht unwidersprochen bleiben", sagte Schäffer. Wendt hatte schon im Frühjahr 2017 für Schlagzeilen gesorgt, als herauskam, dass er als Gewerkschaftsvorsitzender elf Jahre lang ohne Rechtsgrundlage ein Polizistengehalt bekommen hat, obwohl er gar nicht mehr als Polizist arbeitete, sondern nur noch Gewerkschaftsarbeit verrichtete. Zwar verabschiedete sich Wendt nach Bekanntwerden dieses Skandals schnell in den vorzeitigen Ruhestand, doch behauptete er bis heute sein Amt als Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Rainer Wendt hält seinen Beitrag weiter für richtig Der Beitrag, den er auf seiner persönlichen Facebook-Seite veröffentlicht habe, sei zugegebenermaßen sehr emotional geschrieben, sagte Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Er habe dafür im Netz viel Zustimmung erfahren. Und er habe davon auch nichts zurückzunehmen. „Ich erlaube mir, so emotional zu reagieren – auch ohne Genehmigung durch die Sprachpolizei des Landtags", so Wendt weiter. Selbstverständlich begrüße er es, wenn der Täter vor Gericht gestellt werde und seiner verdienten Strafe zugeführt werde. Auf die Frage, warum er das dann nicht geschrieben habe, sagte er, er habe ja nur geschrieben, dass er selbst die Täter nicht vor Gericht erleben wolle, selbst also nicht dabei sein wolle.

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