Zwei Schülerinnen stehen beim Schwimmunterricht mit ihrer Lehrerin am Beckenrand. Beide tragen einen Burkini. - © picture-alliance/ dpa
Zwei Schülerinnen stehen beim Schwimmunterricht mit ihrer Lehrerin am Beckenrand. Beide tragen einen Burkini. | © picture-alliance/ dpa

Düsseldorf/Herne Politikerinnen kritisieren Burkini-Anschaffung einer Schule in Herne

Friderieke Schulz
Carolin Nieder-Entgelmeier

Düsseldorf/Herne. Weil sich die muslimischen Schülerinnen des Pestalozzi-Gymnasiums in Herne weigerten mit ihren männlichen Mitschülern ins Becken zu steigen, griff die Schule zu anderen Maßnahmen. Kurzum schaffte die Schulleitung 20 Burkinis an, die das Problem der jungen Muslima lösten. "Damit hat keiner mehr eine Ausrede, nicht am Unterricht teilzunehmen", sagte Schulleiter Volker Gößlich der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Integrationsbeauftragte lobten die Entscheidung, doch Kritik gibt es trotzdem - nun von ganz anderer Seite. Bereits 15 Mädchen nutzten das Angebot laut dem Schulleiter und liehen sich den Ganzkörperbadeanzug. Die Maßnahme zeige erste Wirkung und sende ein klares Signal. Das falsche, findet jedoch CDU-Vizechefin Julia Klöckner. "Damit zementiert eine Schule ein frauendiskriminierendes Rollenverständnis an einem Ort, an dem Kinder und Jugendliche gerade das Gegenteil lernen und sich frei entfalten sollten", so Klöckner. Diese Entscheidung setzte sogar aufgeklärte muslimische Mädchen unter Druck, sich so "anständig" zu verhalten wie diejenigen, die gänzlich bedeckt zum Schwimmen gehen würden. Harte Worte von CDU-Bundesvize Dies sei "vorauseilender Gehorsam und ein Einknicken vor fundamentalistischen Elternhäusern", fügte die CDU-Bundesvize hinzu. Es handle sich um ein "Einknicken auf dem Rücken der Mädchen, die schlichtweg erfahren müssen, dass es Pech und Unglück ist, nicht als Junge geboren zu sein". Mit ihrer Kritik steht Klöckner nicht allein da. Auch NRWs Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sieht die Beschaffung der Burkinis als falsch an. Schulen müssten vor Ort auf Herausforderungen lebenspraktisch reagieren, "aber die Beschaffung von Burkinis gehört nicht zu den Grundaufgaben einer Schule." Es sei juristisch eindeutig geklärt, dass die Muslima der Verpflichtung zur Teilnahme am Schwimmunterricht nachkommen müssen. Einen Anspruch auf geschlechtergetrennten Schwimmunterricht gebe es nicht. Bielefelder Apell an Eltern Der Vorsitzende des Bielefelder Integrationsrates, Mehmet Ali Ölmez, bittet Eltern und muslimische Gemeinden um den Verzicht auf religiös begründete Verbote für Kinder und Jugendliche, um Ausgrenzung zu verhindern. „Wenn Muslime volljährig sind, können sie selbst entscheiden, ob sie Schwimmen gehen, während des Ramadan fasten oder täglich beten", sagt Ölmez. „Verbote liegen nicht im Interesse des Kindes und schaden der Schulbildung." Ähnlich sieht das die  Bielefelder Salafismus-Expertin Birgit Ebel. Sie beobachtet in Schulen einen Trend hin zu islamischen Kleidervorschriften. „Das Vorgehen der Schule ist ein Erfolg von Unterwanderung und zielt auf geschlechtergetrennten Unterricht ab", erklärt die Gesamtschullehrerin. „Die Praxis richtet sich gegen die Geschlechtergleichheit und ist verantwortungslos." Gegen die Kritik wehrt sich der Schulleiter aus Herne.Vor allem zugewanderte Schüler hätten häufig keine Schwimmerfahrungen, teilweise sogar Angst vor Wasser. „Ich vertrete aber eine klare Haltung: Bei uns soll jeder Schwimmen lernen und dafür schaffe ich die Bedingungen", erklärt Gößling. Auch in OWL schwimmen Schülerinnen im Burkini In der Teilnahme am Schwimmunterricht sieht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW einen Erfolg. „Die Lösung ist pragmatisch und verhindert Auseinandersetzungen zwischen Schule, Schülern und Eltern, die das Schulklima negativ beeinflussen können", erklärt die stellvertretende Vorsitzende Maike Finnern. „Es ist besser, dass Musliminnen im Burkini am Schwimmunterricht teilnehmen, als wenn sie gar nicht dabei sind." Auch in OWL nehmen muslimische Schülerinnen in Burkinis am Schwimmunterricht teil. Am Helmholtz-Gymnasium in Bielefeld kümmern sich Schüler laut Schulleitung jedoch selbst um die Bekleidung. „Manche Schülerinnen schwimmen in Bikini, andere im Badeanzug und wieder andere im Burkini. Die Mädchen entscheiden das selbst. Wichtig ist mir nur, dass alle Schüler am gesamten Unterricht teilnehmen können."

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