Schulalltag: Viele Kinder trinken und essen in der Fastenzeit tagsüber nicht. Der Lehrerverband schlägt deshalb Alarm. - © picture alliance / dpa
Schulalltag: Viele Kinder trinken und essen in der Fastenzeit tagsüber nicht. Der Lehrerverband schlägt deshalb Alarm. | © picture alliance / dpa

Bielefeld Ramadan: Fastenmonat stellt Schulen in OWL vor Probleme

Lehrer aus Bielefeld beobachten, dass während des Fastenmonats auch Kinder häufiger auf Essen und Trinken verzichten. Eltern üben offenbar Druck auf Schulen aus, Prüfungen oder Exkursionen zu verschieben

Stefan Boes

Bielefeld. Der Deutsche Lehrerverband beklagt zu Beginn des Fastenmonats Ramadans zunehmende Probleme im Schulalltag. Die Schüler würden das Fasten inzwischen sehr ernst nehmen, sagte der Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger in einem Interview. Schwierig werde es dann, wenn die religiösen Belange einzelner Schüler alle einschränkten. Dies sei etwa der Fall, wenn Eltern Druck auf die Schulleitungen ausübten, während des Fastens keine Prüfungen oder Exkursionen anzusetzen und sich deshalb die Prüfungen für alle Schüler in einem bestimmten Zeitraum häuften. „Das geht nicht", kritisierte Meidinger. Birgit Ebel, Lehrerin, Salafismus-Expertin und Mitgründerin der Initiative „Extrem dagegen", bestätigt die Einschätzungen Meidingers. Muslimische Einflussnahme auf Unterrichtsabläufe und Sonderwünsche gibt es, sagt die Bielefelderin. Es werde aber von Schulleitungen häufig nicht transparent damit umgegangen. Kinder werden stark beeinflusst Ebel spricht auch von einem großen Druck, der auf die Kinder ausgeübt werde. „Wie kann man es kleinen Kindern und Jugendlichen zumuten, den ganzen Tag nichts zu trinken und nichts zu essen? Die klappen um, können im Unterricht in keiner Weise mitmachen", sagte Ebel. Nach den Regeln des Islams verzichten gläubige Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Vom Fastengebot sind Kinder, Schwangere, alte und schwer körperlich arbeitende Menschen allerdings ausgenommen. Durch ihre Tätigkeit als Lehrerin sowie durch Gespräche mit Lehrerkollegen anderer Schulen weiß Ebel, dass Eltern ihre Kinder stark beeinflussen und von ihnen erwarten zu fasten. Ebel ist „dafür, das strikt abzulehnen. Das ist gesundheitlich und psychologisch ein absoluter Fehler, von Kindern zu erwarten, dass sie sich an diese Regeln halten." Die Schule sei in Deutschland ein Ort, der nicht von religiösen Vorgaben geprägt sei. In Deutschland gelte die Schulpflicht, die keine Sonderrechte vorsieht, sagte Ebel. Immer mehr Schüler fasten Dass die Zahl der fastenden muslimischen Schüler zunimmt, beobachtet auch der kommissarische Leiter der Hauptschule im Bielefelder Stadtteil Baumheide, Jürgen Sager. „Das ist in den letzten Jahren verstärkt zu beobachten." Schulen sähen das nicht gerne. Er habe wenig Verständnis dafür, wenn Schüler der Meinung seien, sie müssten fasten. Prüfungen zu verschieben hält Sager für genauso wenig machbar, wie etwa den Sportunterricht auszusetzen. Nach Schätzungen des NRW-Integrationsminsteriums leben rund 1,5 Millionen Muslime in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland sollen es rund fünf Millionen sein. Der Ramadan ist für viele von ihnen ein wichtiger Pfeiler ihres Glaubens. Der Zentralrat der Muslime betonte, in der Zeit des Verzichts solle man sich besonders für ein friedliches Miteinander einsetzen, gegen Rassismus, Ausgrenzung und Hass in der Gesellschaft eintreten. Erst nach Sonnenuntergang ist Essen und Trinken erlaubt, dann kommen viele zum Iftar oder Nachtgebet zusammen, was in vielen Moscheegemeinden allen Interessierten offensteht.

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